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24.08.2015

15:33 Uhr

Didi Kuaidi

Chinas Uber-Konkurrent geht in die Offensive

VonStephan Scheuer

Für den amerikanischen Fahrdienst-Vermittler Uber könnten Chinas Städte mit ihren gewaltigen Verkehrsströmen ein Milliardenmarkt werden. Doch jetzt kommt ihm der chinesische Anbieter Didi Kuaidi in die Quere.

Die verstopften chinesischen Großstädte sind für Fahrdienstvermittler ein Milliardenmarkt. AFP

Verkehrsströme in Schanghai

Die verstopften chinesischen Großstädte sind für Fahrdienstvermittler ein Milliardenmarkt.

PekingDer Kampf wird auf der Straße ausgetragen. Das Hupen der Autos an Pekings zweitem Ring vermischt sich zu einem einzigen Dröhnen. Elektroroller quetschen sich durch die schmalen Lücken zwischen den Fahrzeugen. Am Eingang zur nahegelegenen U-Bahnstation hat sich eine lange Schlange an der Sicherheitskontrolle gebildet. Chinas Megastädte sind ein Horror für Pendler. Ein Angestellter in Peking verbringt täglich im Schnitt 97 Minuten mit dem Weg zur Arbeit, hat die Beijing Normal University für eine Studie ausgerechnet. Guangzhou, Schanghai und Shenzen liegen mit 90 Minuten knapp dahinter.

Zu Stoßzeiten sind Taxis kaum zu bekommen. Deshalb sagen Analysten einen Boom von Alternativangeboten wie Uber voraus. In China droht der mächtige Konkurrent Didi Kuaidi den Angreifer aus dem Silicon Valley jedoch bereits abzudrängen, bevor der Markt überhaupt richtig Fahrt aufgenommen hat.

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Vergewaltiger, Betrüger, Mörder: Dank lascher Sicherheitskontrollen fahren Straftäter Kunden durch Kalifornien. So jedenfalls steht es in einer Anklageschrift, die dem Taxivermittler Uber ins Haus flatterte.

Zhao Zhiyong öffnet die Beifahrertür. „Wo darf ich Sie hinfahren? Möchten Sie etwas trinken? Ich habe auch Anschlüsse für alle gängigen Smartphones, falls Sie den Akku aufladen wollen“, rattert er runter, noch bevor sich der erste Fahrgast hingesetzt hat. Seit einem halben Jahr nutzt Zhao sein Privatauto für Fahrten, die der chinesische Uber-Konkurrent Didi Kuaidi vermittelt hat. 20 Prozent der Einnahmen behält der Anbieter, der Rest des Geldes fließt an Zhao.

Uber-Konkurrent greift als Beschreibung für das chinesische Unternehmen eigentlich zu kurz. Denn Didi Kuaidi begannen eigentlich als zwei getrennte Unternehmen für die Vermittlung von klassischen Taxifahrten. Gestützt von den chinesischen Internetgiganten Alibaba und Tencent, krempelten die Anbieter mit ihren Smartphone-Apps das Taxigeschäft in China um. Mit Rabatten lockten sie ihre Kunden dazu, die Apps mit ihren Bankkarten in einer Art automatischem Lastschriftverfahren zu verknüpfen. Wer die Programme so zum digitalen Bezahlen freigeschaltet hatte, wurde mit Rabatten von bis zu 100 Prozent belohnt.

Der Kampf der Taxibranche gegen Mytaxi

Worum geht es?

Die Daimler-Tochter Mytaxi hatte im Frühjahr in Deutschland und anderen Staaten mit Rabatten von bis zu 50 Prozent für Fahrten geworben, die über die App vermittelt und bezahlt werden. Die Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale setzte dem mit einer einstweiligen Verfügung ein Ende. Die Begründung: Das Personenbeförderungsgesetz ist dazu da, Taxifahrer vor ruinösem Wettbewerb zu schützen. Demnach dürfen nur die Behörden, also die Kommunen, die Taxipreise festlegen. Diese dürfen weder über- noch unterschritten werden.

Quelle: dpa

Welche Meinung vertritt das Gericht in Stuttgart?

Das Stuttgarter Landgericht entschied im Sinne der Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale - und erklärte die Rabatte für rechtswidrig (Az.: 44 O 23/15 KfH). Der Richter am Oberlandesgericht war aber schon anderer Meinung. Die Rabatte seien nicht grundsätzlich zu verbieten - unter anderem, weil Mytaxi nicht unter das Personenbeförderungsgesetz falle und den Taxifahrern die 50 Prozent erstatte. Der konkrete über zwei Wochen gewährte Rabatt von 50 Prozent könne allerdings als unlauterer Wettbewerb gesehen werden, denen die Taxifahrer ausgesetzt sind. Schon eine zweiwöchige Rabattaktion könne in einem fragilen Markt wie dem Taxi-Geschäft ausreichen, die Verhältnisse zu ändern, so der Richter. Denn durch die Rabattaktionen werde Druck auf die Taxifahrer ausgeübt, sich Mytaxi anzuschließen.

Welche Konsequenz könnte eine Entscheidung nun haben?

Das Oberlandesgericht bot den beiden Parteien einen Vergleich an. Sie hätten sich über die Frage einer tolerierbaren Höhe und Dauer von Rabatten einigen müssen. Das ist nicht gelungen. Es könnte also durchaus sein, dass das Gericht eine solche Grenze zieht – und Mytaxi anders gestaltete Rabatte in Stuttgart gewähren darf.

Warum kann trotzdem bundesweit mit Rabatten geworben werden?

Das Hamburger Landgericht, dass über ein bundesweites Verbot entschieden hatte, hatte wie Mytaxi argumentiert: Das Gesetz gelte eben nicht für die App, da sie nur ein Vermittler sei. Außerdem erhielten die Fahrer, die durch das Gesetz geschützt werden sollen, ja den vollen Fahrpreis (Az: 312 O 225/15).

Welche Entscheidungen stehen noch aus?

In Frankfurt hat die Servicegesellschaft Taxi Deutschland vor dem Landgericht Klage gegen die bundesweit laufenden Rabattaktionen eingereicht. Die Taxi-Zentralen sehen sich einem ruinösem Wettbewerb ausgeliefert. Vor dem Landgericht Frankfurt war schon der Mitfahrerdienst Uber Pop, bei dem Privatleute Fahrten in ihren Autos anbieten, nach einer Klage des deutschen Taxigewerbes für wettbewerbswidrig erklärt worden.

Könnte Mytaxi auch grundsätzlich verboten werden?

Nein. Das machte zumindest der Richter am Stuttgarter Oberlandesgericht sehr klar. Es gehe nicht um die Zulässigkeit des Geschäftsmodells. Mytaxi nutzte die Gunst der Stunde und kündigte eine neue Rabattaktion in mehreren deutschen Großstädten bis 26. November an – Stuttgart gehört selbstverständlich nicht dazu.

Seit Februar sind Didi und Kuaidi zu einer Firma fusioniert, die quasi den gesamten Markt für digital vermittelte Taxifahrten kontrolliert. Von 90 Prozent Marktanteil geht das Unternehmen aus. Die Rabatte sind weitgehend verschwunden. Aber viele Kunden und Fahrer haben sich so an das System gewöhnt, dass Fahrten ohne die App in vielen Städten kaum noch zu bekommen sind. In Stoßzeiten können Kunden den Fahrern üppige Trinkgelder versprechen, damit sie ein Taxi bekommen.

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