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02.08.2012

11:38 Uhr

Die Karstadt-Krise

Kein Freund der Gewerkschaft

VonKatharina Kort, Christoph Schlautmann

Weil er es sich mit der Gewerkschaft Verdi verscherzte, kam der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti bei Karstadt nicht zum Zuge. Nun gibt er zu verstehen, dass bei ihm vieles anders gelaufen wäre.

Der italienische Geschäftsmann Maurizio Borletti hat im Kampf um Karstadt den kürzeren gezogen.

Der italienische Geschäftsmann Maurizio Borletti hat im Kampf um Karstadt den kürzeren gezogen.

DüsseldorfAm Ende halfen auch seine legendären Überredungskünste nicht. Der 45-jährige Maurizio Borletti musste sich Ende September 2010 im Bietergefecht gegen den fünf Jahre älteren Deutsch-Amerikaner Nicolas Berggruen geschlagen geben. Dabei hatte er mit 100 Millionen Euro deutlich mehr geboten als sein Widersacher.

Der Mailänder, der zwar fließend Englisch, dafür aber kein Deutsch spricht, hatte es sich mit der Gewerkschaft Verdi verscherzt. Um Karstadt wieder rentabel zu machen, hatte Borletti längere und flexiblere Arbeitszeiten gefordert. Verdi - in deren Tarifausschuss auch Vertreter des Karstadt-Wettbewerbers Kaufhof sitzen - hatte dies in der Gläubigerversammlung als nicht verhandelbar zurückgewiesen.

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Knapp zwei Jahre nach dem Verkauf von Karstadt wehrt sich der Verdi-Handelsexperte gegen den Vorwurf, dem Finanzinvestor Berggruen die Warenhauskette leichtfertig ausgeliefert zu haben.

Gleichzeitig fuhr die Gewerkschaft damals starke PR-Geschütze gegen den Italiener auf. Borletti habe seine eigenen italienischen und französischen Warenhäuser nicht im Griff, behauptete sie. Was Verdi in Wirklichkeit viel mehr fürchtete: Im Vorfeld schon hatte der Mailänder durchblicken lassen, dass ihm eine Fusion der Konkurrenten Karstadt und Kaufhof nicht ungelegen käme. Für Verdi eine Kampfansage.

Schließlich glaubte die Gewerkschaft damit Tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Dabei kennt sich Borletti mit Karstadt aus. Schon mit Ex-Chef Thomas Middelhoff hatte der italienische Kaufhausbesitzer um eine Kooperation verhandelt, die später im Kauf von mehreren Karstadt- Immobilien endete. Borletti, der stets zwischen seinem Mailänder Büro und Paris pendelt, wo seine amerikanische Ehefrau und die fünf Kinder wohnen, ist Spross einer Händlerdynastie.

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Urgroßvater Senatore, Nachfahre des österreichischen Feldmarschalls Radetzky, gründete 1917 die italienische Kaufhauskette Rinascente. Elf Jahre danach legte er mit dem Billigfilialisten Upim nach. Später verlor die Familie das Unternehmen an die Fiat-Gründerfamilie Agnelli. Der rasante Aufstieg des Juniors wurde dadurch nicht behindert.

Frisch nach dem Abschluss der Mailänder Elite-Uni Bocconi heuerte er beim familieneigenen Besteckhersteller Christofle an, sanierte ihn und verkaufte die Firma mit hohem Gewinn. Das Geld nutzte er, um die Kaufhauskette Rinascente im Jahr 2005 für 800 Millionen Euro wieder zurückzukaufen. Ein Jahr später erwarb der Mailänder gemeinsam mit der Deutschen Bank für 1,1 Milliarden Euro Frankreichs führendes Kaufhaus Printemps („Frühling“).

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