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11.01.2005

07:52 Uhr

Die Liberalisierung soll nicht zwangsläufig in eine Privatisierung münden

Spanische Staatsbahn verliert Monopolstellung

Auch die Eisenbahn in Spanien soll wettbewerbsfähiger werden: Seit dem 1. Januar kontrolliert nicht mehr das staatliche Transportunternehmen Red Nacional de Ferrocarriles (Renfe) das spanische Eisenbahnnetz, sondern eine neue, private Gesellschaft namens Administrador de Infraestructuras Ferroviarias (Adif).

scm. MADRID. Sie wurde von Renfe abgespalten, um das 10 000 Kilometer lange Streckennetz der Eisenbahn in Spanien zu betreuen, und mit einem Budget von 5,2 Milliarden Euro ausgestattet.

Für Renfe bleibt damit die Rolle der eine reinen Transportgesellschaft, die das Monopol über das Schienennetz verliert und künftig mit Wettbewerbern rechnen muss. Die sozialistische Regierung treibt so die Liberalisierung in Spanien voran und versucht zudem, das hoch verschuldete Staatsunternehmen wettbewerbsfähiger zu machen und so die Belastung des Haushalts zu verringern.

„Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass ein Unternehmen beide Bereiche verantwortet“, sagt José Mario Alvarez, Dozent für Strategie an der Madrider Businessschule Instituto de Empresa. Die Belastungen für Investitionen seien zu hoch gewesen.

Derzeit belaufen sich die Schulden der Bahn auf 1,3 Milliarden Euro, 80 Prozent davon hat Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes in seinen neuen Haushalt für das kommenden Jahr eingerechnet. Nach hohen Verlustjahren fuhr die spanische Eisenbahn 2003 erstmals wieder einen Gewinn von 39 Millionen Euro ein.

Bis das Geschäft mit der Bahn wirklich rentabel ist, werden jedoch noch einige Jahre vergehen. Denn zu Beginn des freien Wettbewerbs sind große Investitionen notwendig. 180 Millionen Euro will Renfe-Präsident José Salgueiro allein in eine neue Image-Kampagne investieren. Für 2,5 Milliarden Euro will er in den kommenden vier Jahren neue Züge kaufen.

Das Infrastrukturministerium schloss bereits aus, dass mit der Liberalisierung auch automatisch die Privatisierung des Unternehmens einhergehe. „Es ist für Renfe erst einmal nur das Ende eines Monopols“, sagt die zuständige Ministerin Magdalena Alvarez. Branchenexperte Alvarez geht davon aus, dass jedoch langfristig, Segmente der Renfe wie die Hochgeschwindigkeitsstrecken ausgegliedert und privatisiert werden. Zunächst ist nur der Warenverkehr von der Liberalisierung betroffen. Beim Personenverkehr wird Renfe wahrscheinlich nicht vor 2010 Konkurrenz bekommen.

Wer jetzt schon in Wettbewerb mit dem Staatsunternehmen treten will, muss dafür eine Lizenz bei der spanischen Regierung anfordern und Adif eine Maut für die benutzten Strecken bezahlen. Erster Kandidat wird das private spanische Warentransportunternehmen Transfesa, das bereits seit längerem mit Renfe kooperiert und nun seine eigenen Züge und Waggons einsetzen wird.

Interessiert zeigten sich ebenfalls die zwei größten Infrastrukturunternehmen des Landes ACS und FCC. Allerdings heißt es aus beiden Zentralen, dass sie sich erst einmal eine Beobachtungszeit gönnen, bevor sie investieren werden. ACS-Chef Florentino Pérez: „Wir wollen sehen, wie hoch die Maut sein wird und wie der rechtliche Rahmen für uns aussehen wird.“ Ferrovial, weltweit einer der größten Dienstleister von Mautautobahnen, hat bis jetzt nur Interesse am Bau und Management von Eisenbahnlinien gezeigt. Das Unternehmen schließt es aus, selbst Transporteur zu werden.

Für ausländische Firmen wird Spanien erst mal nicht interessant sein, glaubt Alvarez: „Dafür ist der Warenverkehr auf der Schiene in Spanien nicht wichtig genug und auch noch nicht rentabel.“ Anders als in vielen Nachbarländern fände im großflächigen und wenig bevölkerten Spanien der Gütertransport vor allem auf der Straße statt. Dort gäbe es alleine eine Millionen Transportunternehmen. „Grundsätzlich wird die Liberalisierung jedoch dazu beitragen, dass unser Streckennetz modernisiert wird und die Preise langfristig sinken“, sagt Alvarez.

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