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04.01.2005

08:35 Uhr

Die Mafia droht mit dem Tod

Kampf gegen Produktfälscher in der Türkei ist gefährlich

VonJoachim Hofer

Blütenweiß das Trikot, schwarz die Nummer „23“, darüber in großen Lettern „Beckham“. 80 Euro verlangt der Sportartikelkonzern Adidas-Salomon für das Leibchen von David Beckham, dem Fußballstar von Real Madrid. In den engen Gassen der Altstadt von Istanbul, im Gewirr des großen Bazars, zahlt kein Mensch so viel Geld. Hier bekommen die Fans des englischen Ballkünstlers das T-Shirt für einen Bruchteil des Originalpreises.

ISTANBUL. Gefälscht, versteht sich. Doch das stört Käufer und Verkäufer am Bosporus nicht. „Immer wieder gehen wir über die Märkte, weisen die Händler darauf hin, dass sie gegen die Gesetze verstoßen. Doch es passiert nichts“, sagt Nisa Albayrak nüchtern. Die Piratenjägerin von Adidas-Salomon weiß, dass der Kampf gegen Produktfälscher nicht in den Gassen von Istanbul gewonnen werden kann, sondern draußen am Hafen, wo ganze Containerladungen nachgemachter Fußballshirts umgeschlagen werden. Wenn die Shirts erst einmal in den Regalen liegen, ist es zu spät.

Wie viel gefälschte Ware jedes Jahr verkauft wird, weiß niemand so genau. Doch eines steht fest: Die meiste Piratenware taucht in China, Taiwan und Hongkong auf – und eben in der Türkei. Fünf Millionen gefälschte Adidas-Artikel werden jedes Jahr weltweit beschlagnahmt – der größte Teil davon T-Shirts und Trainingsanzüge, aber auch Schuhe, Rucksäcke und Fußbälle.

In den letzten Jahren haben sich die Fälscher neben den Touristenmärkten ganz neue Absatzkanäle erschlossen. „Zunehmend wird professionell über das Internet verkauft, zum Beispiel auf Auktionsplattformen“, heißt es beim schwäbischen Modelabel Hugo Boss. Das sei letztlich Betrug am Kunden, ärgern sich die Boss-Manager, denn die Leute würden „beim Kauf von Artikeln mit Hugo-Boss-Logo hochwertige Ware erwarten“. Im Gegensatz zum Einkauf in Istanbuls Gassen lässt sich im Internet nur schwer erkennen, ob ein Polo-Shirt gefälscht ist.

Adidas-Fahnderin Nisa Albayrak ist dazu da, den Fälscherbanden in der Türkei und einigen osteuropäischen Staaten das Handwerk zu legen. Ein gefährlicher Job. „Es kam schon vor, dass die Mafia anrief und drohte, mich umzubringen“, erzählt die zierliche 27-jährige Juristin. Meist kommt die Türkin den Fälschern durch Tipps von Insidern auf die Spur, die sich im Streit von den Banden getrennt haben.

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