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13.09.2016

14:20 Uhr

„Die Oetker-Story“

Frauenversteher, Nazis und Marketingpioniere

VonAnja Müller

Familienunternehmen sind spannend – vor allem, wenn sie eine schicksalhafte Geschichte wie die Oetkers zu bieten haben. Heute startet das ZDF seine Reihe über „Deutschlands große Clans“ mit dem Konzern aus Ostwestfalen.

Dr. August Oetker, gespielt von Frank Auerbach, beim Experimentieren in der heimischen Küche. ZDF und Marcus Simaitis

Szene aus „Die Oetker-Story“

Dr. August Oetker, gespielt von Frank Auerbach, beim Experimentieren in der heimischen Küche.

DüsseldorfMancher Gründer wird heute gern belächelt, wenn er eine Idee hat. Als August Oetker einst das Backpulver in kleine Tütchen füllte und zu einem vermeintlich geringen Preis, je Gramm gerechnet aber deutlich teurer an die Hausfrauen verkaufte, legte er damit den Grundstein für einen Familienkonzern.

Zu dem zählen nicht nur die berühmten Backmischungen und Puddingpulver der Marke „Dr. Oetker“, sondern zum Beispiel auch die Tiefkühlpizzen, die in 40 Länder weltweit verkauft werden, oder das Bankhaus Lampe. Ende des Jahres wird der amtierende Firmenchef Richard Oetker – ein Vertreter der vierten Generation – die Führung der Unternehmensgruppe abgeben. Doch noch ist unklar, wer ihm nachfolgen wird.

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Die Dokumentation von Heike Nelsen-Minkenberg im ZDF am heutigen Dienstag zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr gibt darauf auch keine Antwort. Aber für sie haben der frühere Firmenchef August und der amtierende Unternehmenslenker Richard Oetker ihre privaten Archive geöffnet. Stefan Brauburger, Leiter der Redaktion Zeitgeschichte beim ZDF, erklärt die Auswahl: „Schon einige Unternehmer-Geschichten wurden im Fernsehen erzählt. Wir machten unsere Auswahl auch davon abhängig, wo wir auf Gesprächsbereitschaft der Familien hoffen konnten, wollten auch Stimmen hören, die bisher keiner oder kaum jemand kennt.“

Nelsen-Minkenberg erläutert die Geschichte des Unternehmens, das von einer Idee zu einem Familienkonzern mit heute mehr als zwölf Milliarden Euro Umsatz geworden ist. Offen berichten aber auch der frühere und der amtierende Unternehmenschef von ihren schwersten Stunden.

Doch zunächst erzählt der Film vom Ehrgeiz des Firmengründers August Oetker, einem Bäckersohn aus bescheidenen Verhältnissen, der gern eine eigene Apotheke betreiben will. Doch ihm fehlt das Geld. Seine Frau Caroline Jacobi hat es. Und weil die nächste freie Apotheke in Bielefeld steht, gehen August und seine Frau von Berlin aus dorthin. Ein Umzug, von dem Bielefeld bis heute profitiert.

Wie manches Start-up heute stellte August Oetker schon im ersten Jahr 75 Mitarbeiter ein. Im Unterschied zu den aktuellen Gründern erwirtschaftete er aber sofort Gewinne. Denn die Marge war groß, allein durch den Umstand, dass August Oetker das Backpulver in die berühmten Päckchen füllt, die genau für ein Pfund Mehl reichen.

Auch kennt Oetker schon, was Content Marketing heißt: Er druckt Rezepte auf die Rückseite der Päckchen, vergibt die „Geling-Garantie“, macht die erste deutsche Kinowerbung und versteht, welche Sorgen die Hausfrauen umtreiben, wenn sich zum Beispiel unangemeldeter Besuch einstellt.

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