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16.08.2014

14:34 Uhr

Die Pläne von René Benko

Kann Karstadt diesen Männern vertrauen?

VonLisa Hegemann

René Benko übernimmt den deutschen Warenhausriesen Karstadt – und muss nun retten, was zu retten ist. Der Österreicher ist eine schillernde Figur, genauso wie seine Mitstreiter. Kann das gutgehen?

Verdi fordert Zukunftskonzept

Karstadts Zukunft mit neuem Eigner ungewiss

Verdi fordert Zukunftskonzept: Karstadts Zukunft mit neuem Eigner ungewiss

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DüsseldorfDie vielen Enttäuschten, die er hinterlässt, werden sagen: Es ist das erste Mal, dass Nicolas Berggruen etwas für Karstadt macht. Der baldige Ex-Eigner des Warenhauskonzerns gibt seine Anteile ab, sein Nachfolger wird René Benko. Als Berggruen die Kette 2010 für einen symbolischen Euro übernahm, galt er noch als großer Retter. Doch die Ernüchterung setzte schnell ein: Berggruen verkaufte Warenhäuser, vernichtete nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rund 2000 Arbeitsplätze und zog auch noch Geld aus dem klammen Unternehmen, indem er sich von Karstadt für die Namensrechte bezahlen ließ. Er war kein Retter, sondern die Form von Investor, die den Namen Heuschrecke verdient.

Schon Anfang der kommenden Woche soll Benko die Karstadt-Filialen übernehmen. Der offizielle Kaufpreis: ein Euro. Berggruen ließ mitteilen, er wolle damit „den Weg frei für einen Neuanfang“ machen. Schon länger war bekannt, dass Benko und der Diamantenhändler Steinmetz die Option haben, das Karstadt-Kerngeschäft für einen Euro zu übernehmen. Diese Option haben sie nun offenbar gezogen. Doch was der Neuanfang bringt, das hängt entscheidend von fünf Herren ab.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

„Ich habe immer einen Plan“, sagte René Benko einmal in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „News“. Das klingt gut, das klingt nach einem Lichtblick, einem Hoffnungsträger. Auch Gewerkschaften und Mitarbeiter hoffen, dass endlich jemand Karstadt saniert. Doch als Lichtgestalt taugt Benko nicht. Er hat genauso wie das Team, das ihn berät und geschäftlich unterstützt, zwei Seiten. Eine energische und erfolgreiche und eine dunkle, die ihn und seine Mitstreiter immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gebracht haben.

Die Biografie von Benko ist so geschaffen, dass sie zunächst einmal nach der klassischen „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte klingt. Ohne Schulabschluss verließ er schon mit 17 Jahren die Schule, war dann als Handwerker tätig, bevor er anfing, Immobilien aufzukaufen – und damit ein Vermögen machte. Privat soll er 850 Millionen Euro besitzen. Das Immobilienvermögen seiner Signa-Gruppe soll sogar bei sechs Milliarden Euro liegen, heißt es auf der Webseite der Firma. Doch sein Geld hat Benko vor allem mit Immobilien gemacht – nicht mit Einzelhandel.

Dabei kam der österreichische Millionär mit der Justiz ins Gehege. Im Jahr 2012 wurde er zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Vorwurf: Korruption. Erst Anfang der Woche bestätigte der Oberste Gerichtshof (OGH) in Österreich das Urteil. Benko und sein Steuerberater sollen versucht haben, verbotenerweise in einem Steuerverfahren in Italien zu intervenieren. Auf Benkos Initiative hin sollte der damalige kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader ein beschleunigtes Verfahren mit positivem Ausgang bewirken. Benko sprach schon 2012 von einem Fehlurteil – der OGH sah das anders. Obwohl Benko nach außen die zentrale Figur bei Signa ist, fungiert er formal nur als Beiratsvorsitzender ist damit im Zweifelsfall aus der Schusslinie. Ein Sprecher betont, dass im Beirat alle wichtigen Entscheidungen getroffen werden.

Kommentare (5)

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Frau Pia Paff

15.08.2014, 17:30 Uhr

Da setze ichauf die Sozial- u. Fachkompetenz von Dr. Wiedeking. Das ist ein ganz feiner Mensch vor dem ich Achtung habe. Wenn man sieht, wie Porsche bzgl. Unternehmenskultur unter VW verlottert ... eine Schande.

Herr Peter Spiegel

15.08.2014, 18:05 Uhr

Entweder ist hier ein Genie am Werken oder ein völliger Idiot. Karstadt war schon in den 90ern tot und keiner hat,
gemerkt.s

Frau Pia Paff

15.08.2014, 18:19 Uhr

@ Hein Bloed
Sie scheinen auch so ein Oberschlaule zu sein.
Karstadt hat phasenweise super Gewinne abgeworfen. Todesstoß war die verschlafene Umstellung auch auf Online Handel.

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