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31.01.2007

20:02 Uhr

Die Wiederbelebung eines Lutschbonbons

Mann mit einer Pfefferminz-Mission

VonHeike Baldauf

Für Generationen von Menschen in der ehemaligen DDR ist „Pfeffi“ ein Stück ostdeutsche Identität. Wie ein Sachse nach dem Aus des Kultartikels 1992 im Alleingang das legendäre Lutschbonbon wiederbelebte – und nun sogar das Sortiment erweitert.

Der Pfeffi-Mann Wilfried Opitz poliert den Pfeffi-Werbeträger: einen Trabi, der gelegentlich vor Läden mit Ostprodukten steht.

Der Pfeffi-Mann Wilfried Opitz poliert den Pfeffi-Werbeträger: einen Trabi, der gelegentlich vor Läden mit Ostprodukten steht.

LEIPZIG. Als Kinder hatten sie es in der Hosentasche, im Schulranzen, in der Brotbüchse. Später, als Teenager, wickelten sie es im schummrigen Kinosaal aus silberner Alufolie, schmissen damit eine Bonbonparty, nahmen es mit zum ersten Date. Die Frage „Willst du’n Pfeffi?“ erleichterte ungemein die Kontaktaufnahme zum anderen Geschlecht.

Pfeffi, das Pfefferminzbonbon – eigentlich nur eine Mischung aus Zucker, Glucosesirup, pflanzlichem Fett, Trennmittel und Pfefferminzöl. Für Generationen von Menschen in der ehemaligen DDR ist es aber deutlich mehr. Es ist ein Stück ostdeutscher Identität; eine Traditionsmarke, die Erinnerungen an die Kindheit weckt.

Auch für Wilfried Opitz, 67 Jahre alt, Diplom-Ingenieur mit mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung in der Nahrungsmittelbranche. Zu DDR-Zeiten leitete er den Pfeffi-Hersteller Konsum-Bonbon-Spezialbetrieb „Konsü“ in Markkleeberg bei Leipzig, der Pfeffis herstellte, und blieb bei seiner Firma bis zum Schluss: 1992 musste der Betrieb schließen, 350 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. „Ich hab dies nie verwunden“, erzählt er.

Immerhin, Opitz hat dafür gesorgt, dass Pfeffi wieder in die Supermarktregale kam – bundesweit. Jetzt wird das Pfeffi-Sortiment sogar erweitert. Auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln, auf der Bahlsen, Haribo und Co. bis zum Mittwoch ihre neuesten Produkte zeigen, stellt der Sachse die „IQ-Elements Mint Drops“ vor: zuckerfreie Pfeffi-Abwandlungen mit Kirsch-, Orangen-, Mint-Pur- und Grüner-Tee-Geschmack.

Das Comeback der Ostbonbons ließ einige Jahre auf sich warten. Zwar hatte Opitz sich schon 1996 die Marken „Pfeffi“ und „Zitro“ – für die süße Variante – schützen lassen. Doch erst zwei Jahre später fand er einen Hersteller für seine Bonbons: die Pit-Süßwaren- und Nährmittelfabrik im bayerischen Stephanskirchen.

Seit mehr als 50 Jahren produziert dort Rainer Hoffmann Kleinigkeiten, die den Menschen den Alltag versüßen: Lutscher, Drops, Pastillen, Dragées, darunter auch die Prickel-Pit-Brausebonbons. In einer ehemaligen Kaserne sind 50 Mitarbeiter damit beschäftigt, unter strenger Geheimhaltung der Rezeptur die zuckrigen Ideen ihrer Kunden umzusetzen.

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