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18.01.2015

17:32 Uhr

Digital-Kongress DLD

Uber-Chef Kalanick gibt den reuigen Sünder

VonKai-Hinrich Renner, Britta Weddeling

Der für Verbal-Attacken und Macho-Gehabe berühmte Uber-Chef Kalanick kann auch ganz brav: Auf dem Digital-Kongress DLD übt er Selbstkritik. Ein geschickter Schachzug - offenbar erdacht von seinem PR-Manager.

Umstrittene Taxi-Alternative

Ende 2015: Uber will 50.000 neue Jobs in EU schaffen

Umstrittene Taxi-Alternative: Ende 2015: Uber will 50.000 neue Jobs in EU schaffen

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MünchenGemeinhin gelten Amerikaner als ziemlich bibelfest. Von Travis Kalanick, dem Gründer des US-Taxi-Dienstleisters Uber, kann man das nicht unbedingt behaupten. Als er am Sonntag auf dem Münchner Digital-Kongress DLD von einer Moderatorin mit dem Damaskus-Erlebnis des Apostel Paulus konfrontiert wurde, konnte er rein gar nichts damit anfangen.

Dabei gab sich der 38-Jährige wie ein Saulus, der zum Paulus geworden ist. Gilt er sonst als Unternehmer, der keiner Konfrontation und keinem Rechtsstreit aus dem Weg geht, präsentierte Kalanick sich beim DLD geradezu unterwürfig. „Wir wollen alles tun, um besser zu werden“, säuselte er. Besonders ein Vorfall in Indien, wo ein Fahrer versuchte, einen weiblichen Fahrgast zu vergewaltigen, sei „einfach schrecklich“. Im Übrigen gehe es seinem Unternehmen vorrangig darum, Arbeitsplätze zu schaffen, die Umwelt zu schonen und seinen Fahrgästen einen guten und preiswerten Service zu bieten.

2015 soll für Uber das Jahr werden, „in dem wir eine neue Partnerschaften mit EU-Städten schließen“, verkündete der Uber-Chef. Ein erstaunliches Statement vor dem Hintergrund, dass Uber bisher versuchte, unter Missachtung europäischer Vorschriften für das Taxigewerbe den Markt aufzurollen. Nun spricht Kalanick von 50.000 Arbeitsplätzen die er mit seinem partnerschaftlichen Vorgehen allein in diesem Jahr in Europa schaffen will.

Uber und sein Shitstorm-Geschäftsmodell

Video: Uber und sein Shitstorm-Geschäftsmodell

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Das Unternehmen, das inzwischen mit 18,2 Milliarden Dollar bewertet wird, hat seine Konfrontations- durch eine Umarmungsstrategie ersetzt. Vermutlich steckt dahinter Ubers neuer PR-Manager David Plouffe, der einst Barack Obamas Wahlkampf-Kampagne leitete. Klar ist, dass Ubers Image, das wegen Aktionen wie dem Engagement von Escort-Damen in Lyon oder dem Erstellen von Karten über One-Night-Stands in US-Städten wie New York oder San Francisco erheblich gelitten hat, dringend einer Politur bedarf.

Als Chef eines kleinen Startups konnte sich Kalanick solche Eskapaden leisten. Will er als ernstzunehmender Unternehmer gelten, muss der Uber-Chef sich diplomatischer geben. Wie man hört, gewinnt Plouffe stetig an Einfluss.

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