Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.06.2016

10:32 Uhr

Digitalisierung

Händler tasten sich ins digitale Neuland

VonKassandra Bucher

Eine Studie zeigt: Viele deutsche Handelsunternehmen bewerten ihren digitalen Fortschritt zu optimistisch. Mehr als die Hälfte sind nicht für die Digitalisierung gerüstet. Das wird sie teuer zu stehen kommen.

Viele Unternehmen schätzen ihren digitalen Fortschritt positiv ein – oft zu Unrecht. dpa

Digitalisierung im Handel

Viele Unternehmen schätzen ihren digitalen Fortschritt positiv ein – oft zu Unrecht.

DüsseldorfDer Anzug des Hauptdarstellers in dem Blockbuster war wirklich chic. Doch nach einem kurzen Check bei Amazon entscheidet man sich dagegen, ihn zu kaufen. Passt sicher eh nicht. Beim Spaziergang durch die Altstadt am nächsten Tag brummt das Handy: „In dem Laden auf der linken Seite in 50 Metern, können Sie den Anzug anprobieren.“ Der Anzug sitzt noch nicht ganz richtig. Per Klick auf den Touchscreen in der Kabine öffnet sich der Spiegel und präsentiert ihn eine Nummer größer. Er sitzt perfekt. Kaum ist der Kunde aus dem Laden, meldet sich das Handy wieder: „In dem Laden gegenüber gibt es einen Rabatt auf passende Schuhe zur Ihrem neuen Anzug. Und im Blumenladen nebenan bekommen Sie einen Blumenstrauß für Ihre Frau.“

So könnte eine perfekt digitalisierte Handelswelt aussehen. Doch noch tut sie es nicht. Dass nicht nur der Onlinehandel, sondern die komplette Digitalisierung der Wertschöpfung immer wichtiger, ist nichts Neues. Trotzdem scheint diese Nachricht noch nicht bei vielen deutschen Händlern angekommen zu sein.

Studie: Immer mehr Deutsche kaufen mit dem Smartphone ein

Studie

Immer mehr Deutsche kaufen mit dem Smartphone ein

Einkaufen mit dem Smartphone gehört längst zum Alltag. Einer Studie zufolge kaufen mittlerweile sieben von zehn Deutschen mit dem Smartphone oder Tablet ein. Die Händler reagieren entsprechend.

Das zumindest sagt eine Studie zum digitalen Reifegrad der Unternehmen in Deutschland, durchgeführt vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). So sind mehr als die Hälfte der deutschen Firmen aus den Bereichen Handel, Produktion und Herstellung nicht für die Digitalisierung gerüstet. Lediglich 16 Prozent befinden sich im höchsten Reifegrad der Digitalisierung.

Ein Grund dafür ist eine verzerrte Selbstwahrnehmung. So geben bei den größeren Mittelständlern 71 Prozent an, die digitale Strategie in ihr operatives Geschäft einbeziehen, bei den kleineren Unternehmen sind es 57 Prozent. Doch den Plänen folgen nach Einschätzung der Experten oft keine Taten, die digitale Strategie scheitert an der Umsetzung.

Außerdem sehen nicht alle Händler in der Digitalisierung eine wirtschaftliche Chance. Immerhin schon 73 Prozent der großen Mittelstandunternehmen glauben, dass durch die Digitalisierung neue Wertschöpfungsquellen erschlossen werden können. Doch Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern denken zu 50 Prozent das Gegenteil.

Das könnte sie teuer zu stehen kommen. „Unternehmen, die sich der Digitalisierung verweigern, werden es schon in wenigen Jahren schwer haben, das Geschäft aufrecht zu halten“, warnt Oliver Bohl vom BVDW. Denn die Digitalisierung ist unaufhaltbar – ob man möchte oder nicht. „Wir müssen die Realität annehmen – und zu dieser gehört der digitale Fortschritt.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×