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28.12.2011

13:34 Uhr

Dinosaurier 2011

Nabu vergibt Schmähpreis an Aida und Tui

Schwarze Brise, Fenster zu, das Traumschiff kommt: Für ihre "luftverpestenden Schiffe" ehrt der Naturschutzbund Deutschland die Kreuzfahrtkonzerne Aida und Tui Cruises mit dem peinlichsten Umweltpreis des Landes.

Von wegen Traumschiff: Der Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" geht an die Chefs von Aida und Tui Cruises. dapd

Von wegen Traumschiff: Der Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" geht an die Chefs von Aida und Tui Cruises.

Düsseldorf/BerlinDer Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat Deutschlands peinlichsten Umweltpreis in diesem Jahr an die Kreuzfahrtunternehmen Aida und Tui Cruises verlieren. "Ihre angeblich 'Weißen Flotten' sind in Wahrheit dreckige Rußschleudern, denn die Kreuzfahrtschiffe fahren auf hoher See immer noch mit giftigem Schweröl", erklärte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke am Mittwoch in Berlin. "Damit stößt ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf der gleichen Strecke. Die Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen ließen sich leicht vermeiden, aber aus Profitgier verweigern die deutschen Reeder bislang die Verwendung von Schiffsdiesel und den Einbau von Abgastechnik wie etwa Rußpartikelfilter."

Stellvertretend für die gesamte Hochseeschifffahrt verleiht die Organisation den "Dinosaurier des Jahres 2011" an Michael Thamm, Präsident Aida Cruises, und Richard J. Vogel, Vorsitzender Tui Cruises. "Sie sind die Speerspitze der überaus lukrativen deutschen Kreuzschifffahrt. Sie dekorieren ihre Schiffe mit schönen Schlagworten wie Wohlfühlen, Fahrtwind und Seeluft - aber aus den Schornsteinen ihrer Luxusliner kämen enorme Mengen giftiger Schadstoffe. Von wegen Seeluft und Traumschiff! Für Küsten- und Hafenbewohner und die Umwelt sind sie der reinste Albtraum", betonte Tschimpke.

Aida erklärte nach der Preisverleihung, Umweltschutz habe für das Unternehmen Priorität. Konkrete Maßnahmen seien im jährlichen Nachhaltigkeitsbericht nachprüfbar. Qualifizierte Kritik nehme man aber ernst, versicherte das Unternehmen. Auch Tui Cruises betonte, als junges und verantwortungsbewusstes Unternehmen setze man sich dafür ein, die Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering zu halten. Unter anderem werde an einer Rußfilter-Lösung für die Neubauten gearbeitet, teilte der Konzern mit.

Tatsächlich ließen sich laut Naturschutzbund die bedrohlichen Emissionen eines Schiffs sehr leicht durch die Umstellung von Schweröl auf schwefelarmen Schiffsdiesel und eine geringere Fahrtgeschwindigkeit verbessern: "So lassen sich Schwefeldioxid und Feinstaub um bis zu 90 Prozent reduzieren, und der Ausstoß von klimaschädlichen Rußpartikeln verringert sich um mehr als 40 Prozent", erläuterte Dietmar Oeliger, Leiter der Nabu-Verkehrspolitik. "Aida und Tui übertrumpfen sich mit aufwendigster Unterhaltung an Bord, nichts ist zu teuer für Restaurants, Wellness und Casinos - aber für einen Rußpartikelfilter ist angeblich kein Geld da.. Das ist Heuchelei!", kritisierte Tschimpke.

Der "Dinosaurier des Jahres" ist ein Negativpreis, der seit 1993 an Persönlichkeiten und Organisationen verliehen, die sich in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben. Im vergangenen Jahr wurde RWE-Chef Jürgen Großmann ausgezeichnet, weil dieser sich vehement für eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke eingesetzt hatte.

Von

dapd

Kommentare (13)

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JensBuck

28.12.2011, 11:54 Uhr

Diese Ökoterroristen gehen mir auf den Sack!
Warum können die sich nicht um notwendige und nützliche Umweltbelange kümmern. Es gibt in dem Bereich so viel zu tun!

Account gelöscht!

28.12.2011, 12:04 Uhr

Mit der Schmähung anderer Schlagzeilen generieren, was ist dass denn für eine Umweltverschmutzung. Diese Preise haben nur ein Ziel: die Verleiher in die Presse zu bringen.
Ach nein, was sind wir umweltbewusst. Wir haben die Anerkennung aller verdient, dass wir auf solche Schandtaten mit einem Preis aufmerksam machen ist doch zu intelligent, nicht wahr?
Diese Organisationen können nur im Wohlstand existieren. Sowohl die Reederei als auch die Preisverleiher, weil wirtschaftende Unternehmen Mehrwert für alle schaffen. Soviel Mehrwert, dass Organisationen existieren können, die andere verschmähen. Der Wohlstand unterhält seine Kritiker, die volkswirtschaftlich betrachtet unsinnig sind.
Die Alternative wäre: Kreuzfahrtschiffe wieder mit rudernden Sklaven zu besetzen, die dann aus den Kreis der Non-Profit-Organisationen generiert werden könnten, die man dann ja nicht mehr brauchte, weil dass was sie fordern erfüllt wäre.

kulix07

28.12.2011, 12:16 Uhr

Klasse!
Endlich einmal eine Info zu diesen verlogenen Supermanagern.
WArum nur nutzt man den Stand der Technik nicht und setzt die saubersten Lösungen ein.
....und wenn die Urlauber dann statt 7 Tagen nur 6 Tage "finanzieren" könnten? So what?

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