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08.10.2014

07:29 Uhr

Discounter gegen Supermärkte

Aldi lockt mit Sammelbildern

Preissenkungen und Sammelbildchen: Lange zählte beim deutschen Discount-Marktführer nur der Preis. Doch jetzt will Aldi Süd den Supermärkten auch bei der Kundenbindung Konkurrenz machen. Es geht um die Zukunft.

Ein Einkaufswagen des Discounters Aldi Süd gegründet. Nach dem Tod des Firmengründers scheint sich ein Strategiewechsel anzubahnen. dpa

Ein Einkaufswagen des Discounters Aldi Süd gegründet. Nach dem Tod des Firmengründers scheint sich ein Strategiewechsel anzubahnen.

Mülheim/EssenDeutschlands größter Discounter Aldi macht es der Konkurrenz zurzeit nicht leicht. Fast im Wochentakt senkte der Billiganbieter zuletzt die Preise und zwang damit die Konkurrenz, von Edeka über Rewe bis zu Lidl und Netto, ebenfalls zum Rotstift zu greifen. Doch reicht es Aldi Süd nun offenbar nicht mehr aus, an der Preisschraube zu drehen. Ab Mitte Oktober greift die innovationsfreudigere der beiden Aldi-Ketten die Konkurrenten auf einem Feld an, das der Discounter Edeka, Rewe und Co bislang kampflos überlassen hatte: Sammelbildchen.

Für je 10 Euro Einkaufswert erhalten die Aldi-Süd-Kunden ab dem 18. Oktober sechs Wochen lang je eine Stickertüte mit Panini-Sammelbildern für das National-Geographic-Sammelalbum „Die Welt in Farbe“. Insgesamt 168 Bilder samt Album sollen kindliches Quengelpotenzial wecken.

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Das ist auf den ersten Blick wenig spektakulär. Schließlich lockt die Konkurrenz seit Jahren mit ähnlichen Angeboten: Rewe etwa zuletzt mit Sammelkarten zur Fußball-WM. Und auch Discount-Konkurrent Lidl ging schon erfolgreich mit Stikeez-Sammelfiguren auf Kundenfang.

Und doch sorgt es bei Experten für einiges Aufsehen. „Das ist nach meiner Kenntnis ein absolutes Novum bei Aldi“, erklärt der Handelsexperte Matthias Queck vom Marktinformationsdienst Planet Retail. „Genaugenommen ist es ein Verstoß gegen die reine Discounter-Lehre, alle unnötigen Kosten zu vermeiden, um ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis zu gewährleisten.“ Auch Wolfgang Adlwarth, Handelsexperte bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), ist überzeugt: „So etwas hat es noch nicht gegeben.“

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Doch gibt es gute Gründe für Aldi, nicht länger nur auf Rotstiftaktionen zu setzen. Denn die aggressiven Preissenkungen in diesem Jahr sind für Aldi ein zweischneidiges Schwert. Zwar konnte der Marktführer damit sein Preis-Image schärfen, wie GfK-Experte Adlwarth betont. Doch sei es dem Discounter nicht gelungen, durch die Preisreduzierungen die eigenen Umsätze anzukurbeln. Schließlich zieht die Konkurrenz meist umgehend nach.

Generell laufen die Geschäfte der deutschen Discounter in diesem Jahr nicht besonders gut. Während die klassischen Supermärkte in den ersten acht Monaten dieses Jahres ihre Umsätze um 1,8 Prozent steigern konnten, hatten die Discounter laut GfK rund 1,3 Prozent weniger Geld in den Kassen - nicht zuletzt wegen des Preiskampfes.

Aber auch aus einem anderen Grund ist die Sammelbild-Aktion nach Einschätzung von Queck für Aldi attraktiv: Das Unternehmen will damit offenbar Kinder und junge Familien wieder stärker an sich binden. „Denn bei jüngeren Käuferschichten hat das Unternehmen längst nicht mehr die unangefochtene Marktstellung wie bei der älteren Generation“, beobachtet Queck. „Die Jüngeren sind auch mit Lidl, Penny und Netto aufgewachsen.“ Der Erfolg von Lidl mit seinen Stikeez-Sammelfiguren dürfte Aldi Süd die Entscheidung erleichtert haben, glaubt der Experte.

Von

dpa

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