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23.08.2016

14:22 Uhr

Discounter in Großbritannien

Wie der Brexit die Kassen von Aldi und Lidl klingeln lässt

VonKerstin Leitel

Das Brexit-Votum stürzt Großbritannien bislang nicht in die Krise – im Gegenteil. Die Briten zeigen sich einer Studie zufolge unerwartet spendabel. Auch zwei Konzerne aus Deutschland profitieren davon.

Die Discounter Aldi und Lidl haben mehr Kunden in Großbritannien – dem Brexit sei Dank. dpa

Aldi in Manchester

Die Discounter Aldi und Lidl haben mehr Kunden in Großbritannien – dem Brexit sei Dank.

LondonGenau zwei Monate ist es her, dass die Briten für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt haben – trotz zahlreicher Warnungen, dass das verheerende Folgen für das Leben auf der Insel habe. Bislang ist von einer Krise aber nichts zu erkennen. Im Gegenteil – die Briten sind bester Laune, und das nicht nur wegen des guten Abschneidens ihrer Sportler bei den Olympischen Spielen in Rio. Auch die jüngsten Wirtschaftsdaten fallen überraschend gut aus. „Schlechte Nachrichten für die Panikmacher der Brexit-Kampagne (mal wieder)“, triumphierte die „Daily Mail“ kürzlich mit Blick auf gute Geschäfte des britischen Einzelhandels.

Aktuelle Zahlen des Umfrageinstituts Kantar zeigen, dass die Umsätze der Supermärkte in Großbritannien in den zwölf Wochen bis zum 14. August um 0,3 Prozent gestiegen sind – das größte Plus seit März. Dass sich das Wetter nach dem trüben Start in die Sommermonate gebessert habe, „gab dem Markt Schub“, meinen Analysten. Besonders gekühlte Getränke, gefrorene Lebensmittel und Eiscreme sind gefragt.

Zudem gibt es Analysten zufolge „weiterhin kein Anzeichen dafür, dass eine durch den Brexit hervorgerufene Inflation die Lebensmittelpreise steigen lässt“. Im Gegenteil: Der von Kantar herangezogene Lebensmittelkorb habe sich im Vergleich zum Vorjahr sogar um 1,3 Prozent verbilligt.

Das lag unter anderem daran, dass immer mehr Briten zu Hausmarken der Supermärkte greifen – und verstärkt bei zwei Discountern aus dem Ausland einkaufen: Aldi und Lidl. Seit Jahren verhageln die Billigheimer aus Deutschland den Lokalgrößen das Geschäft – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Aldi hat bereits angekündigt, die Zahl seiner Geschäfte in Großbritannien bis 2022 von derzeit rund 600 auf 1.000 zu steigern. Das Konzept der deutschen Riesen lockt immer mehr britische Kunden in die Läden – wenngleich der Marktanteil mit aktuell 4,5 Prozent bei Lidl und 6,2 Prozent bei Aldi noch relativ gering ist.

Lidl schaffte es laut Kantar, die Umsätze in den vergangenen Wochen um 12,2 Prozent zu steigern, Aldi um 10,4 Prozent. Britische Supermarktgrößen wie Tesco, Sainsbury’s und Morrisons können da nicht mithalten – sie verbuchten einen Rückgang zwischen 0,4 und 1,8 Prozent. Immerhin verringerte sich das Minus des Marktführers Tesco damit deutlich – der Rückgang von 0,4 Prozent war der beste Wert in den vergangenen sechs Monaten.

Auch aus der Immobilienbranche kamen am Dienstag unerwartet gute Zahlen: Das Bauunternehmen Persimmon – das vor allem außerhalb Londons tätig ist – wies für das erste Halbjahr einen deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg aus. Das Brexit-Votum habe zwar zu einer „verstärkten wirtschaftlichen Unsicherheit geführt“, erklärte Firmenchef Jeff Fairburn, aber das Interesse der Kunden sei seit Ende Juni „robust“ gewesen. Die Zahl derjenigen, die sich ein Haus angeschaut hätten, sei im Vergleich zum Vorjahr sogar um 20 Prozent gestiegen.

Diese Nachrichten bestärken die Brexit-Befürworter in der Annahme, dass ihr „Leave“-Votum richtig war. Doch so sicher ist das nicht – aus anderen Branchen kommen schließlich gegensätzliche Meldungen: Hersteller von Elektrogeräten wie HTC und Dell, die Komponenten in japanischer oder US-Währung bezahlen, haben bereits ihre Preise erhöht oder angekündigt, dies zu tun. Weitere Unternehmen halten sich bei Investitionen zurück.

Doch der große Knall ist bislang ausgeblieben. „Seit dem überraschenden Brexit-Votum Ende Juni ist es verdächtig ruhig geworden auf der anderen Seite des Kanals“, ziehen die Währungsexperten der Commerzbank Fazit aus zuletzt veröffentlichten Daten. Aber auch sie warnen vor voreiligen Schlüssen: „Auch zwei Monate nach dem Brexit-Votum ist die Zukunft Großbritanniens schließlich vollkommen unklar“. 

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