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04.08.2012

15:58 Uhr

Discounter

Penny und Lidl wachsen stärker als Aldi

Im harten Konkurrenzkampf der Discounter sind Penny und Lidl im ersten Halbjahr 2012 einem Bericht zufolge stärker gewachsen als Marktführer Aldi. Aldi Nord musste seit Anfang des Jahres sogar Umsatzverlust verzeichnen.

Lidl wächst stärker als Aldi. ap

Lidl wächst stärker als Aldi.

DüsseldorfWie die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf vertrauliche Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) meldete, steigerte die Rewe-Tochter Penny seit Anfang des Jahres ihre Lebensmittelumsätze um 5 Prozent. Lidl legte danach mit einem Plus von 2,2 Prozent ebenfalls stärker zu als Aldi Süd mit 1,3 Prozent. Aldi Nord dagegen habe 0,3 Prozent Umsatzverlust beim Lebensmittelverkauf gemacht. Die Edeka-Tochter Netto sei um 0,9 Prozent Marktanteil gewachsen. Die GfK war am Samstag für eine Bestätigung der Zahlen nicht zu erreichen.

Bei Penny hat sich der Aufschwung damit leicht abgeschwächt: Nach den ersten vier Monaten hatte das Umsatzplus noch bei 7 Prozent gelegen, hieß es im Mai. Rewe hatte angekündigt, mit aggressiven Preisen auf Wachstumskurs zu bleiben. Im vergangen Jahr lag das Umsatzplus bei 1,9 Prozent. Laut Medienberichten soll der Rewe-Discounter 2011 einen Verlust von etwa 140 Millionen Euro verbucht haben. Laut Unternehmensplanung soll Penny erst 2015 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Bei den Discountern herrscht ein harter Preiskampf. Nach dem Schlecker-Aus kämpfen die Discounter zudem um die früheren Kunden der Drogeriekette und hatten bei Drogerieartikeln Preise gesenkt. Außerdem rüstet seit vergangenem Jahr etwa Aldi Nord seine Filialen optisch auf. Backstationen werden eingebaut, Schilder über Warengruppen sollen bei der Orientierung helfen. Neue Filialen haben breitere Gänge und helleres Licht.

Aldi ist mit Aldi Nord (2.500 Filialen) und Aldi Süd (1.800 Filialen) Branchenprimus. Auf Platz zwei steht die Edeka-Tochter Netto mit mehr als 4.000 Filialen. Lidl hat hierzulande rund 3300 Geschäfte. Die Rewe-Tochter Penny kommt zwischen Ost- und Bodensee auf 2.400 Filialen.



Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

04.08.2012, 17:14 Uhr

Penny und Lidl machen Fernsehwerbung, Lidl auch hier in Spanien.
Alle Discounter haben das "Geldproblem", denn sie müssen ihre Waren erst bezahlen, wenn sie schon wieder verkauft sind. Mit der Kohle kann man in der Zwischenzeit schon wieder ganz andere Dinge machen, z. B. anhäufen und noch mehr die Preise drücken.
Die Albrecht Brüder gehören nicht umsonst zu den reichsten Männern Deutschlands.
Aber, diese Discounter machen genauso in anderen EU-Ländern jedes gewachsene Geschäft und jeden Supermarkt genauso kaputt wie in D die Tante Emma Läden.
Auf diese "Reformen" würde manches Land gerne verzichten, denn es sichert französische und deutsche Arbeitsplätze mehr als die eigenen, und schmälert die Export-Bilanz.

wuerg

04.08.2012, 17:36 Uhr

Geheimtip: Kauft mal Pfifferlinge in der Dose von Aldi Nord. Wem beim Anblick nicht schlecht wird, der ist Navy SEAL tauglich. Wer beim Geruch nicht kotzen muss, der ist nicht von diesem Planeten. Wer das Zeug frisst, ohne es sofort auszuspucken, der lügt.
Sowas würde ich nicht mal einem Schwein zum Fraß geben.

Account gelöscht!

04.08.2012, 20:09 Uhr

wer Pfifferlinge in der Dose kauft, hat wohl zur Sache viel zu sagen.

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