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24.01.2012

17:03 Uhr

Discounter

Razzia bei Netto und Kaufland

VonMassimo Giuseppe Bognanni

Hunderte Zollfahnder stürmen mehr als 60 Büros, Logistikzentren und Privatwohnungen von Unternehmensverantwortlichen. Der Verdacht: Die Ketten sollen Mitarbeiter mit illegalen Verträgen beschäftigt haben.

Netto-Markt in Düsseldorf: Ermittler durchsuchen Niederlassungen. picture alliance / dpaVerwendung weltweit

Netto-Markt in Düsseldorf: Ermittler durchsuchen Niederlassungen.

DüsseldorfWegen des Verdachts, Mitarbeiter mit rechtswidrigen Werkverträgen beschäftigt zu haben, sind unter anderem die Einzelhandelskonzerne "Netto Marken-Discount" und "Kaufland" ins Visier der Zollfahnder geraten. Wie das Handelsblatt (Mittwochsausgabe) aus dem zuständigen Hauptzollamt erfuhr, wurden die Kaufland-Logistik-Standorte in Dortmund, Donnersdorf und Möckmühl ebenso vom Zoll untersucht wie vier Netto-Standorte.

Bei der bundesweiten Razzia kontrollierten über 450 Ermittlungsbeamte mehr als 60 Büros, Logistikzentren und Privatwohnungen von Unternehmensverantwortliche. Neben Netto und Kaufland wurden laut Hauptzollamt auch mehrere, an der Lager- und Verteillogistik beteiligte Firmen untersucht. Die Durchsuchung in fünf Bundesländern erfolgte im Auftrag der Staatsanwaltschaften Bamberg, Regensburg und Stuttgart.

Kaufland bestätigte dem Handelsblatt die Durchsuchungen des Zolls. Hierbei seien Unterlagen zu den Themen "Werkvertragsunternehmen / Arbeitnehmerüberlassungen" untersucht worden. "Wir arbeiten mit dem Zoll kooperativ zusammen und unterstützen ihn umfänglich", schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme.

Grund für die groß angelegte Razzia sind laut Hauptzollamt unter anderem die Arbeitsverhältnisse in den Warenverteilzentren. Die Einzelhandelskonzerne stünden in Verdacht, Kommissionierer und Staplerfahrer in ihren Logistikhallen über illegale "Scheinwerkverträge" eingesetzt und so Tariflöhne erheblich unterschritten zu haben. Zudem seien möglicherweise Beiträge zu den Sozialversicherungen hinterzogen worden.

Auch Netto bestätigte Durchsuchungen. Bei den unangemeldeten Kontrollen handele es sich um regelmäßige Untersuchungen, teilte der Handelskonzern mit. "Wie in den Vorjahren haben wir die Arbeit des Hauptzollamtes unterstützt und Einsicht in alle gewünschten Dokumente gewährt. Vereinzelt führte das Hauptzollamt Mitarbeiterinterviews durch, um Details zu den Arbeitsabläufen zu erfahren", heißt es in einer Stellungnahme. Zu den heutigen Untersuchungen lägen dem Unternehmen keine finalen Erkenntnisse vor, Beanstandungen seien nicht bekannt.

Kommentare (17)

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karlosdallos

24.01.2012, 16:57 Uhr

Wir zahlen Netto für Brutto.

Insider

24.01.2012, 17:29 Uhr

Insbesondere der Lebensmitteleinzelhandel fällt mit immer wieder auf. "Netto" kann nun in einem Atemzug mit "Schlecker" genannt werden. Die Preisvorstzellungen von "LIDL" für den Einsatz von Leihpersonal ist genau das gleiche: Billiger, am besten Kostenfrei!!!
Die Zeitarbeitsbranche steht unter enormen Druck durch die "Entleihfirmen". Der Einsatz von Schein-Werkverträge und Schein-Selbständigen ist für den Einzelhandel der Ausweg aus den steigenden Personalkosten.
-Ich beglückwünsche den Zoll die großen Fische einmal in die Zange zu nehmen und die Entleihbetriebe an ihre Verantwortung an die Gesellschaft zu erinnern: Der Einsatz von Arbeitern in Scheinwerkverträgen, der Einsatz von Scheinselbständigen und die Ausnutzung von Arbeitskräften ist Gesellschaftsgefährdend!

Account gelöscht!

24.01.2012, 17:47 Uhr

@ Insider. Alles richtig - nur morgen stehen wir alle wieder vor Netto, Lidl, usw und wollen die Lebensmittel /Waren noch ein wenig billiger.

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