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08.07.2015

14:12 Uhr

Discounter vor Markteintritt?

Australier hoffen auf Lidl

VonUrs Wälterlin

Nach dem Erfolg von Aldi verdichten sich die Spekulationen, dass auch Lidl bald eigene Läden in Down Under eröffnet. Noch zögert der Discounter – doch die australischen Supermarktbetreiber zittern schon.

„Verbraucher werden gute Qualität zu akzeptablen Preisen erhalten.“ Reuters

Lidl-Supermarkt

„Verbraucher werden gute Qualität zu akzeptablen Preisen erhalten.“

Melbourne„Könnte das der Aldi-Killer sein? Deutscher Discounter Lidl bereitet Einstieg in Australien vor“ – titelte der australische Mediengigant News Ltd. vor ein paar Tagen. Es ist nur eine von vielen Schlagzeilen, die den über Jahre eng kontrollierten Einzelhandelsmarkt in Down Under in Wallung bringen. Nach dem überwältigenden Erfolg von Aldi habe nun auch Konkurrent Lidl sein Auge auf Australien geworfen, schreiben Medien. Woher die Journalisten die „Informationen“ haben, ist unklar: Keine Zeitung gibt Quellen an.

Die australische Verbraucherschutzgruppe Choice jubelt bereits: Lidl würde „bei den Preisen sehr aggressiv sein“, so Sprecher Tom Godfrey. „Verbraucher werden gute Qualität zu akzeptablen Preisen erhalten“.

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Noch dementiert die Lidl-Zentrale in Neckarsulm alle Gerüchte. Weder stimme es, dass Lidl in Australien ein Büro eröffnet hat, noch sei das Unternehmen bereits in Kontakt mit potenziellen Logistikpartnern und Standortanbietern, sagt eine Sprecherin dem Handelsblatt. „Lidl beschäftigt sich derzeit mit dem Markteintritt in die USA“, heißt es nur. Zumindest eine Bestätigung gibt es dann auf Nachfrage doch: Ja, das Unternehmen habe in Australien seinen Markennamen schützen lassen, allerdings „schon vor Längerem“.

Die Aufregung zeigt: Die Hoffnung auf mehr Wettbewerb im australischen Einzelhandelsmarkt ist groß. Für viele Verbraucher kann ein zusätzlicher Herausforderer der beiden Marktführer Woolworths und Coles nicht schnell genug kommen. Die beiden hatten den Markt über Jahre im Quasi-Duopol kontrolliert. Doch der Eintritt von Aldi im Jahr 2001 änderte alles: Er zeigte den Kunden, dass neue Konkurrenz möglich ist.

Denn Aldi bietet nicht nur billige Produkte, der deutsche Discounter wächst auch aggressiv. Seit das deutsche Unternehmen 2001 nach Australien kam und im Raum Sydney die ersten Zweigstellen eröffnete, hat es die Zahl der Läden landesweit auf über 350 erhöht. Die Firma kündigte jüngst an, nach Süd- und Westaustralien expandieren zu wollen. Woolworths und Coles geht der neue Wettbewerber langsam an die Substanz. Noch kontrollieren sie zwar 90 Prozent des Marktes, aber ihr Anteil schrumpft bedrohlich. An der bevölkerungsreichen Ostküste hat Aldi inzwischen schon fast 11 Prozent Marktanteil.

Kommentare (3)

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Herr Holger Narrog

08.07.2015, 14:43 Uhr

Die Aussage "Verdienst vor Steuern von rund 363 Millionen australische Dollar berechnen, und ein Umsatz von 5,3 Milliarden australischen Dollar". ist für einen Einzelhändler sehr luxuriös. In D haben wenige Einzelhändler Umsatzrenditen > 3%.

Herr Marc Otto

08.07.2015, 14:55 Uhr

Deutsche Qualität und deutsche Handelketten setzen sich eben durch. Gerne kaufe ich auch im Ausland bei echten, ehrlichen Handelsketten ein, die mich als Verbraucher ernst nehmen.

Danke

Herr Marcos Silvo Nogales

08.07.2015, 15:15 Uhr

Zu Nummer 6: es ist richtig, dass DIA wortwörtich übersetzt "Tag" bedeutet, dennoch steht es in diesem Fall als Abkürzung für "Distribuidora Internacional de Alimentación".

Vielen Dank

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