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02.08.2013

14:58 Uhr

Diskussion über Mindestlohn

Die Kehrseite der Lidl-Lohnerhöhung

VonSabrina Störkel, Johannes Steger

Die Supermarktkette Lidl erhöht die Löhne. Mindestens elf Euro gibt es seit August für jeden Beschäftigten. Doch die Meldung darüber stößt nicht nur auf Gegenliebe, über die Beschäftigungsbedingungen wird diskutiert.

Lidl-Mitarbeiter bei einem Firmenlauf: Von Schlecker gelernt? dpa

Lidl-Mitarbeiter bei einem Firmenlauf: Von Schlecker gelernt?

DüsseldorfDie Höhe der Löhne kann für Einzelhändler überlebenswichtig sein. Als Vorwürfe gegen die mittlerweile insolvente Drogeriemarktkette Schlecker laut geworden waren, in den Filialen würden Mitarbeiter teils zu sehr niedrigen Löhnen beschäftigt, hatte das eine nachhaltig negative Wirkung auf das Unternehmen. Viele Kunden blieben aus, der Wechsel zur Konkurrenz war für viele Käufer sehr einfach möglich. In vielen Städten balgen sich viele Ketten um die Kundschaft.

Mit einem firmeneigenen Mindestlohn versucht der Discounter Lidl, sich vorsorglich solchen Diskussionen zu entziehen. Anfang des Monats kletterte das niedrigste Salär für Mitarbeiter auf elf Euro pro Stunde – zur gleichen Zeit trat für das Friseurgewerbe ein Mindestlohn von 7,50 Euro (im Westen Deutschlands) in Kraft, der bis auf 8,50 Euro steigen wird. Für Gerüstbauer gibt es mindestens zehn Euro. Eine Umfrage des ZDF Politikbarometers ergab, dass rund 84 Prozent der Befragten die Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro befürworten.

Die wertvollsten deutschen Einzelhandelsmarken (2013)

Rang 10

Douglas

Markenwert: 238 Millionen Dollar
im Vorjahr nicht in den Top 10

Rang 9

Netto

Markenwert: 262 Millionen Dollar
minus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 8

Obi

Markenwert: 283 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 7

Rewe

Markenwert: 459 Millionen Dollar
plus 5 Prozent gegenüber 2012

Rang 6

dm

Markenwert: 485 Millionen Dollar
plus 19 Prozent gegenüber 2012

Rang 5

Kaufland

Markenwert: 551 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 4

Media Markt

Markenwert: 1,3 Mrd. Dollar
minus drei Prozent gegenüber 2012

Rang 3

Edeka

Markenwert: 1,5 Mrd. Dollar
plus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 2

Lidl

Markenwert: 1,52 Mrd. Dollar
plus acht Prozent gegenüber 2012

Rang 1

Aldi

Markenwert: 2,9 Mrd. Dollar
minus sieben Prozent gegenüber 2012

Quelle

Interbrand, März 2013

Als nun Lidl ankündigte, seine neue Mindestschwelle ankündigte, hätte die Freude also eigentlich groß sein müssen. Doch die über die Facebook-Seite des Discounters verbreitete Nachricht traf auf Kritik – obwohl sogar die Gewerkschaft Verdi die Entscheidung lobt als einen Schritt, der für die Beschäftigten eine Verbesserung bedeute.

Das Problem: Lidl hängt unter anderem auch der Vorwurf an, keine älteren Mitarbeiter einzustellen, wie eine Kommentatorin anmerkt. Außerdem würden die Mitarbeiter schlecht behandelt. Eine Frau berichtet davon, schlechte Stimmung unter den Mitarbeitern beobachtet zu haben und dass sie deswegen „nicht mal für 11 Euro die Stunde“ bei Lidl arbeiten wolle.

Wieder andere Kommentatoren schreiben, dass der vermeintlich großzügige Lohn darüber hinwegtäusche, das die Anforderungen an die Beschäftigten auch extrem seien, was etwa die geforderte zeitliche Flexibilität angesichts langer Öffnungszeiten betrifft. „Putzkraft, Kassierkraft, Lagerkraft, Logistikkraft, Backkraft, Regalauffüllkraft – alles in Einem für 11,00 Euro“, meint ein anderer.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

02.08.2013, 15:12 Uhr

Kann man auch anders sehen, wenn schon miese Arbeitsbedingungen, dann wenigstens ordentlich bezahlen.
Ansonsten helfen gegen miese Bedingungen auch eine gute Arbeitnehmervertretung und ein "Zusammenraufen" der Mitarbeiter im eigenen Interesse. Dann kann jeder noch so bekloppte Chef machen was er will.
Aber das dürfte sich in deutschen Unternehmen wohl eher nicht durchsetzen, könnte ja sein das ein Kollege einen Euro mehr verdient.

Account gelöscht!

02.08.2013, 15:28 Uhr

"...das die Anforderungen an die Beschäftigten auch extrem seien, was etwa die geforderte zeitliche Flexibilität angesichts langer Öffnungszeiten betrifft." - ghe ich mit, aber das ist nicht nur bei Lidl so. Es gibt auch zB in der Buchhaltung Spitzen, wo extrem lange gearbeitet wird. Wird heute einfach erwartet.

„Putzkraft, Kassierkraft, Lagerkraft, Logistikkraft, Backkraft, Regalauffüllkraft – alles in Einem für 11,00 Euro" - Ich lache mich kaputt! Was soll denn das für ein Argument sein? Da ist nichts drin, was eine Bezahlung über 11 Euro rechtfertigt. Das machen auch Aushilfen für 4€ die Stunde. Bei den Arbeitszeiten - ok, das kann ich verstehen. Aber swas?! Lächerlich!

"Andere Facebook-Nutzer beschweren sich hingegen darüber, von Lidl als Bewerber abgelehnt worden zu sein." - Der Artikel ist richtig witzig ^^ jetzt beschweren sich die Leute schon, wenn sie abgelehnt werden XD hahaha! Wie doof muss man eigentlich sein?!

Zu den Arbeitsbedingungen kann ich nichts asgen - aber da in den meisten Fällen die Mitarbeiter was bewegen könnten, wenn sie nur wöllten, sollen sie sich mal nicht aufregen. Arbeitsklima machen die Mitarbeiter und nbiemand anderes (Chef mal außen vor gelassen).

@netshadow: Sie haben es erfasst.

eksom

02.08.2013, 16:47 Uhr

Die Zahl der Millionäre (in €) hat sich in Deutschland im Jahre 2000 von ca. 425.0000 auf 1.205.000 im Jahre 2012 mehr als verdoppelt. Damit einer Millionär werden kann, müssen immer mehr viele Andere für immer weniger arbeiten! Sonst geht die Rechnung nicht auf!

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