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20.02.2015

17:01 Uhr

Dividende wird gestrichen

Lufthansa rutscht tief in die roten Zahlen

Die Lufthansa macht 2014 minus – allerdings lediglich nach dem HGB. Unter dem Strich bleibt ein kleiner Gewinn. Eine Dividende für die Aktionäre wird es trotzdem nicht geben.

Lufthansa-Reform

„Der Lufthansa geht es nicht schlecht genug"

Lufthansa-Reform: „Der Lufthansa geht es nicht schlecht genug"

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FrankfurtNach einem schwierigen Geschäftsjahr 2014 will die Lufthansa ihren Aktionären die Dividende streichen. Nach deutscher Rechnungslegung (HGB) flog Europas größter Luftverkehrskonzern vergangenes Jahr 732 Millionen Euro Verlust ein, wie er am Freitag mitteilte. Laut Finanzchefin Simone Menne dürfte es das höchste Minus seit mindestens zehn Jahren gewesen sein. 2013 standen noch 407 Millionen Euro Gewinn in den Büchern.

Weil eine Ausschüttung an die Aktionäre durch das HGB-Ergebnis gedeckelt ist, solle die Dividende ausfallen, schlägt der Vorstand vor. 2013 hatten die Anteilseigner zum Ärger der Piloten noch 45 Euro-Cent je Aktie erhalten. Und bei entsprechenden Ergebnissen will die Lufthansa ihre Eigentümer laut Menne künftig auch wieder am Gewinn beteiligen. Nach der Mitteilung sackte die Aktie aber erst einmal um fünf Prozent ab.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Neben Streikkosten von 232 Millionen Euro zogen vergangenes Jahr höhere Pensionslasten die Airline in die roten Zahlen. Den mit Abstand größten Batzen machten aber Absicherungsgeschäfte gegen schwankende Treibstoffpreise aus. Weil sich Kerosin in den vergangenen Monaten überraschend stark verbilligt hatte, entpuppten sich die Absicherungen zum Bilanzstichtag am 31. Dezember als teurer Bumerang – auf lange Sicht werden sie laut der Finanzchefin aber weiterhin einen positiven Effekt für die Lufthansa haben.

Deswegen hält der Dax-Konzern auch an seiner Prognose für 2015 fest und rechnet mit einem operativen Ergebnis deutlich oberhalb von einer Milliarde Euro. Diesen Wert verfehlte die Lufthansa 2014 mit 954 Millionen Euro knapp – doch ohne die Kosten des Pilotenstreiks im November und Dezember hätte sie den angepeilten Wert erreicht.

Kommentare (13)

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Herr Max Müller

20.02.2015, 15:30 Uhr

Muss man halt ein paar von gierigen, überbezahlten, streikwütigen Luftkutschern entlassen. Können ja bei einer Billigairline anfangen.

Herr never mind

20.02.2015, 16:04 Uhr

Mensch Leute, hoffentlich kriegen die den Laden in Ordnung. Viele Leute meckern ja immer über die LH, aber wenn ich als Auslandsdeutscher in so einen Kranich einsteige bin ich immer heilfroh und fühle mich gleich zu Hause egal ob das auf der anderen Seite der Welt ist. Kommt eben auf die Perspektive jedes einzelnen an....

Herr Andre Seibel

20.02.2015, 17:14 Uhr

Sehr geehrter Herr Müller,
wie kommen Sie zu dieser Äußerung? Sind Sie "vom Fach"? Oder ist das wieder nur eine dieser Neid-Phrasen, die ohne Sinn und Verstand gepostet werden?
Ich würde mich jedenfalls über qualifizierte Kommentare freuen...

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