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12.02.2015

10:07 Uhr

Doku über Deutsche Post

Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

VonTimo Steppat

Eine ZDF-Dokumentation prangert die Deutsche Post an: Der Dax-Konzern macht Gewinne auf Kosten der Mitarbeiter, lagert aus, wo er kann. Der Arbeitsdruck von Briefzustellern ist hoch – das bekommen auch Kunden zu spüren.

Die Zusteller der Deutschen Post kommen mit der Arbeit kaum noch hinterher. dpa

Stapelweise Briefe

Die Zusteller der Deutschen Post kommen mit der Arbeit kaum noch hinterher.

MünchenTV-Dokumentationen über Großkonzerne liegen im Trend. In verschiedenen Formaten, mal enthüllend, mal vergleichend, werden Riesen wie Ikea, Aldi oder Burger King abgeklopft. Am Mittwochabend hat sich das ZDF ein deutsches Urgestein herausgepickt: die Deutsche Post. Die Dokumentation „Immer Ärger mit der Post“ widmet sich speziell den Briefzustellern. Und zeichnet von Beginn an ein bedrückendes Bild.

Der Mann, der den Briefkasten ausleert, trägt ein gelb-schwarzes Polohemd mit dem Logo der Deutschen Post. Er ist aber nicht angestellt bei dem Konzern. Er ist Mitarbeiter eines Subunternehmers, eines sogenannten „Servicepartners“. Der Mann brettert durch Berlin, von Briefkasten zu Briefkasten. Er steht unter großem Zeitdruck. Häufig könne er die Verkehrsregeln nicht einhalten, sagt er. Das Problem: Er muss viele Briefkästen abklappern, aber keinen vor dem angegebenen Leerungstermin. Landen die Briefe in seinem Wagen, muss er den Kasten scannen – der Zeitstempel gilt als Nachweis, dass er seine Arbeit richtig macht.

Der Fahrer arbeitet laut Vertrag 40 Stunden pro Woche plus 16 möglicher Überstunden. Ein Arbeitsrechtler rechnet später vor: Der Fahrer verdient gerade einmal vier Euro pro Stunde. Der Vertrag sei in Teilen „sittenwidrig“, eigentlich „ungültig“, meint der Jurist. Im Film heißt es, bisher habe der Mann nicht erfahren, dass sich durch den Mindestlohn daran etwas ändert.

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„Immer Ärger mit der Post“ zeigt, wie das Unternehmen auf Kosten seiner Mitarbeiter zum Teil massiv spart. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass besonders in der Paketbranche der Preisdruck groß ist und teilweise extrem niedrige Löhne gezahlt werden. Anhand von Einzelfällen wird ein System beschrieben, in dem Arbeitskräfte ausgedünnt und ganze Bereiche an externe Dienstleister ausgelagert werden. Die Macher haben eifrig interne Zahlen der Deutschen Post gesammelt, die die Trends zum Teil bestätigen. Danach soll es beispielsweise zwischen neun und 41 Prozent günstiger sein, Aufträge an Subunternehmer zu vergeben.

Wie derart hohe Kostenreduzierungen möglich sein können, legen Einzelbeispiele nahe. Danach zahlt die Deutsche einem Subunternehmer, der Briefkästen ausleert, 16 Euro pro Stunde. Davon werden der Fahrer, das Fahrzeug, der Sprit und anteilig der Subunternehmer selbst bezahlt. Reicht das, um dem Fahrer einen Mindestlohn von 8,50 Euro zu garantieren? Das ist zumindest unwahrscheinlich. Der Verdienst wird sich wohl eher in der Dimension des anfangs genannten Beispiels von vier Euro pro Stunde bewegen. Die Post versichert dagegen, bei jedem Vertragsabschluss lasse man sich die Einhaltung der Standards durch Subunternehmer garantieren. Die Verantwortung wird weitergereicht.

Kommentare (4)

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Herr M. M.

12.02.2015, 10:29 Uhr

Das Management bräuchte mal einen herzhaften Tritt zwischen die Beine,wenn´se mich fragen.

Herr Thomas Ungläubig

12.02.2015, 10:48 Uhr

Tutto bene auf dem deutschen Arbeitsmarkt! Die Post ist nur ein Beispiel oder glaubt jemand, dass es bei den übrigen Paketzustellern anders ist? Reden Sie mal mit den Leuten, falls die keine Angst haben, dass sie diesen Hungerjob auch noch verlieren.

Herr Rolf Luebbers

12.02.2015, 11:18 Uhr

Also dass DAX-Konzerne Gewinn machen müssen, liegt ja wohl auf der Hand.
Man könnte aber mal die Frage stellen warum solche Dienste wie z.B. Post, Bundesbahn, Stromversorger, privatiesiert wurden.
Weiter gefragt wäre dann, ob wir bald die Post selber, irgendwo am Stadtrand, abholen werden müsse.

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