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29.03.2017

11:00 Uhr

Domino's in Hamburg

Wenn der Roboter die Pizza liefert

VonFlorian Kolf

In Hamburg werden Lieferroboter bald die ersten Pizzas ausfahren. Die Restaurantkette Domino's sieht in dem Testlauf aber mehr als eine Spielerei. Pizzaboten sollen jedoch nicht um ihre Jobs fürchten müssen.

Der Test mit den Filialen von Domino's startet in Hamburg. Domino's

Roboter von Starship

Der Test mit den Filialen von Domino's startet in Hamburg.

DüsseldorfWer bei Domino's in Hamburg eine Pizza bestellt, dem kann es bald passieren, dass wenig später ein Roboter vor die Haustür rollt – knapp 40 Zentimeter hoch, mit sechs Rädern und einer Antenne mit blauem Fähnchen.

Sobald dieser eingetroffen ist, gibt es eine SMS. Mit einem Tastendruck auf das Handy geht der schwarze Kunststoffdeckel auf, der Kunde kann die Pizzen entnehmen. Und schon macht sich „Robbie“, wie der rollende Pizzabote von seinen Erfindern liebevoll genannt wird, auf den Rückweg. Bezahlt wurde die heiße Fracht bereits online.

Die Pizzen sollen im Umkreis von zwei Kilometern per Roboter zum Kunden gebracht werden. Domino's

Liefer-Roboter

Die Pizzen sollen im Umkreis von zwei Kilometern per Roboter zum Kunden gebracht werden.

Der Pizzalieferdienst Domino's hat jetzt einen Kooperationsvertrag mit dem Roboterhersteller Starship Technologies geschlossen. Testweise sollen künftig Starship Roboter Bestellungen im Umkreis von zwei Kilometern der Domino's Filialen in ausgewählten Städten in Deutschland und den Niederlanden ausliefern. In Deutschland startet die Testphase mit Roboterlieferungen in Hamburg.

Wann genau es losgeht, hängt auch davon ab, wie rasch die Behörden in den Städten die Genehmigung für die autonomen Fahrzeuge erteilen. Die Verhandlungen seien in den letzten Zügen, teilte Domino's auf Nachfrage mit. Das Unternehmen rechnet aber mit einem Start in den nächsten zwei Monaten. Die Flotte der Testroboter wird mit ungefähr fünf Exemplaren klein anfangen und soll dann im Verlauf weiter wachsen.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Domino's experimentiert schon seit einiger Zeit mit Lieferrobotern und hat dazu eine Robotic Unit gegründet, die auch Drohnentechnologien zu Auslieferung testet. „In Domino’s haben wir einen Partner gefunden, der unsere Vision teilt, dem Endkunden größtmögliche Bequemlichkeit zu bieten” sagt Ahti Heinla, einer der Gründer des Roboterspezialisten Starship. Auch im australischen Brisbane hat Domino's bereits seit dem vergangenen Jahr einen Lieferroboter im Einsatz – allerdings von einem anderen Hersteller.

Domino’s Pizza Enterprises ist das größte Franchise-Unternehmen des Konzerns und liefert täglich aus über 2000 Filialen weltweit hunderttausenden Bestellungen aus. In Deutschland hat das Unternehmen 2015 Joey’s Pizza übernommen und ist nun Marktführer bei den auf Pizza spezialisierten Schnellrestaurants.

Kommentare (2)

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Herr Kurt Küttel

29.03.2017, 12:28 Uhr

Sollte ich so einem Ding begegnen werde ich es vom Gehweg treten. Dann kann der Kunde lange auf seine Pizza warten!

Reiner Blumenhagen

29.03.2017, 12:39 Uhr

Aha, Herr Küttel, Sie treten also auf Dinge auf öffentlichen Wegen ein, die Ihnen nicht gehören. Zünden Sie vielleicht auch Polizeiwagen an?

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