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24.08.2015

15:11 Uhr

Dritte Milchkrise in sechs Jahren

Milchpreis bringt Bauern in Rage

Die dritte Milchkrise in sechs Jahren zerrt an den Nerven der Milchbauern. Unter dem Kostendruck leiden vor allem kleine Betriebe, ihnen fehlt es „massiv an Einnahmen“. Sie vermissen ein Gegensteuern der Politik.

Der niedrige Milchpreis macht den deutschen Bauern zu schaffen. dpa

Milchkrise

Der niedrige Milchpreis macht den deutschen Bauern zu schaffen.

Hesel/ZevenNachwuchs auf der Weide: Erst wenige Stunden alt ist das Kalb aus der Herde von Steffen Hinrichs im ostfriesischen Hesel. Tochter Lena (13) streichelt das schwarzbunte Tier und passt auf, dass die anderen Milchkühe nicht zu dicht heran drängeln. Jedes Tier hat einen Namen, und Lena kennt sie alle. „Landwirtschaft wie im Bilderbuch“, könnten Zuschauer denken - doch für Hinrichs ist die Welt nicht in Ordnung. Der Milchbauer erlebt mit der dritten Milchkrise in sechs Jahren wieder einmal harte Zeiten.

Die Ursachen sind jedes Mal ähnlich: steigende Kosten auf den Höfen, etwa für Futtermittel. Dagegen stehen sinkende Einnahmen, denn die Molkereien zahlen weniger für Milchprodukte aus. Ihr Preis rutscht derzeit auf etwa 26 Cent pro Kilogramm. „Wir brauchen aber mindestens 40 Cent, um unsere Unkosten zu decken“, sagt der 44-Jährige.

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Mit den großen Milchkonzernen können und wollen die Milchwerke Berchtesgadener Land nicht konkurrieren. Sie versuchen stattdessen Hightech, traditionelle Herstellung und den Erhalt der Almen unter einen Hut zu bringen.

Bundesweit machen die Bauern ihrem Unmut Luft. Am Montag starteten die ersten Milchbauern in Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu einer Sternfahrt nach München. Kollegen aus Bayern und Baden-Württemberg werden zu ihnen stoßen. Sie alle wollen am 1. September bei einer Kundgebung in der bayerischen Landeshauptstadt auf die Probleme der Milchviehhalter aufmerksam machen.

Bauer Hinrichs und Ehefrau Christa (34) haben drei Töchter, täglich versorgen sie rund um die Uhr 95 Milchkühe - und dabei soll es auch bleiben: „Größer werden soll der Betrieb nicht, dann wären mehr Flächen nötig. Doch dafür sind die Preise zu hoch.“ In den 70er Jahren kamen die Eltern von Hinrichs noch mit vier Schweinen und 16 Kühen gut zurecht: „Damals konnte man besser davon leben als wir jetzt mit dem größeren Hof“, sagt Hinrichs.

Bei Deutschlands größtem Milchverarbeiter, dem Deutschen Milchkontor (DMK) im niedersächsischen Zeven, sieht man derzeit wenig Chancen, dass der Milchpreis kurzfristig nach oben geht. Die Durststrecke werde mindestens noch bis Anfang nächsten Jahres andauern, sagt DMK-Sprecher Hermann Cordes. „Das ist massiv, was den Landwirten an Einnahmen fehlt.“

Kommentare (4)

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Frau Ich Kritisch

24.08.2015, 10:09 Uhr

Liebe Bauern,

es ist alles eine Frage von Angebot und Nachfrage. Bei zu geringer Nachfrage oder zu hohem Angebot sinkt der Preis. Das ist in allen Bereichen so, nicht nur in der Landwirtschaft.
Wenn die Politik beschließt sich im Bereich der Lebensmittel nicht von Importen abhängig machen zu wollen, so muss sie subventionieren. Durch die EU sind auch in der Landwirtschaft Subventionen nur noch bedingt erlaubt.

Aber keine Sorge - Dank TTIP wird der Verbraucher sicherlich bald preiswerte Milch aus Übersee bekommen - schließlich fördert TTIP doch Arbeitsplätze. Selbständige Landwirte - das sind keine Arbeitsplätze - die sind schließlich nicht angestellt.

Herr Michael Rensler

24.08.2015, 12:03 Uhr

Der Milchpreis liegt hier schon unter dem US-Preis da kann TTIP kaum noch Schaden anrichten.

Herr Peter Spiegel

24.08.2015, 19:25 Uhr

Die Milch braucht niemand außer die sogenannte Landwirtschaft. Das Zeug wird
von vielen Leuten nicht vertragen und die Entsorgung der Gülle ist oft eine Schweinerei. Da reden die Herrschaften über CO2 aber der Gestank von Gülle
ist doch mit Sicherheit Klima schädlicher. Lügen und sonst gar nichts.

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