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07.09.2013

15:05 Uhr

Drive-in-Supermärkte

Shoppen im Vorbeifahren

VonCordelia Chaton

Bestellen im Internet, abholen mit dem Auto: In Frankreich schießen Drive-in-Supermärkte gerade wie Pilze aus dem Boden. Immer mehr Kunden kaufen auf diese Weise ein. Aber funktioniert das auch in Deutschland?

Mit den kleinen Barcode-Scannern arbeiten die Mitarbeiter die Einkaufsliste der Kundschaft ab. (Foto: Cordelia Chaton)

Mit den kleinen Barcode-Scannern arbeiten die Mitarbeiter die Einkaufsliste der Kundschaft ab.

(Foto: Cordelia Chaton)

Maizières-les-MetzEs piept laut im Warenlager von E.Leclerc Drive. Stéphanie nimmt eine „Pistole“ von Motorola. Der Apparat, der einem Elektrorasierer ähnelt, zeigt ihr im Display einen Weg an: „Erster Gang, dritte Reihe links, Regal 12, Ware Wasser der Marke x.“ Schnell schnappt sich die Französin einen grauen Plastik-Container auf Rollen, stellt zwei braune Papiertüten hinein und flitzt los. Sobald sie am Regal ankommt, hält sie das Gerät an den Bar-Code für das Wasser. Es registriert, dass die Ware richtig ist, und arbeitet einen Einkaufszettel weiter ab.

„Das Gerät wählt immer den kürzesten Weg. Trotzdem laufe ich rund zwei Kilometer am Tag“, erzählt die Mitarbeiterin der französischen Supermarktkette E.Leclerc. Das, was Stéphanie da abarbeitet, ist nicht ihre eigene Einkaufsliste, sondern die eines Kunden. Er hat sie per Internet von seinem PC oder Smartphone aus abgeschickt und per Kreditkarte bezahlt. In zwei Stunden muss alles fertig sein, dann holt der Kunde die Ware mit dem Auto ab.

Die Soziodemografie der Online-Shopper

Alter

In Deutschland entfällt der größte Anteil auf die Jüngsten: 33 Prozent der Online- Kunden sind zwischen 16 und 29 Jahre alt. 28 Prozent zählen zu den 40- bis 49-Jährigen. Platz drei können sich mit 24 Prozent die 30- bis 39-Jährigen erobern. Nur 15 Prozent beträgt der Anteil der 50- bis 60-Jährigen Online-Shopper.

Geschlecht

Das Verhältnis der Ge­schlechter unter Online-Shoppern ist mit 51 Prozent männlicher und 49 Pro­zent weiblicher Bevölkerung nahezu ausgeglichen.

Schulbildung

Der Löwenanteil der Online-Shopper entfällt mit 75 Prozent auf Kunden mit mittlerem Bildungsabschluss. Davon haben 32 Prozent das Abitur. Ein abgeschlossenes Studium können 22 Prozent der Befragten vorweisen.

Einwohnerzahl im Wohnort

In Deutschland machen Online-Shopper aus Dörfern, Land- und Kleinstädten 39 Prozent aus. Schließlich bietet sich ihnen mit dem Internet ein Warenangebot, welches vor Ort kein Händler bieten kann. 36 Prozent der Online-Shopper kommen aus Großstädten.

Haushaltsgröße

28 Prozent der befragten Online-Shopper in Deutschland leben allein.

Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse

Die meisten Online-Shopper in Deutschland sind Angestellte. Auf diese Gruppe entfallen 58 Prozent in Deutschland. Mit weitem Abstand an der zweiten Position sind in mit elf Prozent die Studenten. Auf alle übrigen Gruppen, Schüler, Ungelernte, Arbeitssuchende, Hausfrauen/Hausmänner, Beamte und Rentner entfallen nur kleinere Prozentsätze zwischen 1 und 7 Prozent.

Netto-Haushaltseinkommen

In Deutschland zählen nur vier Prozent der befragten Online-Shopper zu den Spitzenverdienern. Der Anteil derer, die zwischen 500 und unter 2.000 Euro verdienen, beträgt 46 Prozent. Die Anteile aller anderen Einkommensgruppen fallen demgegenüber ab. 18 Prozent der Befragten haben kein Angabe gemacht.

Internetnutzung

Für die deutschen Online-Shopper ist das Internet klar das Medium für jeden Tag, gerne auch mehrmals täglich. Weit über die Hälfte der Befragten geht mehrmals täglich ins Internet, beruflich oder privat. Auch bei der rein privaten Nutzung ist der Anteil sehr hoch – nämlich bei 46 Prozent

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

„Drive“ heißt diese Form des Einkaufens in Frankreich. Sie hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren eine regelreche Explosion erlebt, obwohl es den ersten Markt dieser Art schon 2007 gab. Im April 2013 gab es 2015 Drive-in-Supermärkte in Frankreich. Marktführer ist Intermarché mit 581 Filialen, gefolgt von der U-Gruppe mit 525 und E.Leclerc mit 312 Drives. Da es noch keine Gesetzte gibt, die die Eröffnung solcher Märkte beschränken, schießen sie wie Pilze aus dem Boden. Gleichzeitig gibt es seit zwei Jahren immer mehr Drive-Kunden.

Auch der Düsseldorfer Metro-Konzern ist in Frankreich mit einem Online-Angebot am Markt. Doch in Deutschland setzt sich das Konzept aber nur langsam durch. Über eine Test-Filiale von Rewe in Köln und einige lokale Versuche, dass Konzept zu übertragen oder Ware nach Hause zu liefern ist es bis jetzt nicht hinaus gekommen. „Das liegt an der extrem guten Nahversorgung mit einem sehr dichten Netz an Supermärkten und Discountern“, glaubt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung. „Die Logistik ist doch sehr aufwändig und die Deutschen sind bei Lebensmitteln preissensibel.“

Kommentare (7)

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Makrooekonom

07.09.2013, 18:26 Uhr

EXTREM GUTE Nahversorgung???? Da ist wohl mit einem Bewohner des Elfenbeinturms der Gaul durchgegangen. Seit Jahren wird die Nahversorgung auf dem Land immer schlechter. Kleingeschäfte, Bäcker, Metzger schließen. Immer mehr Ortschaften haben gar kein Geschäft mehr. Das Angebot von Aldi, Lidl etc. wird teurer und schlechter. Ketten wie Globus und Toom sind nur noch ein Schatten früherer Jahre. Die Qualität des Angebots nimmt spürbar ab.
Man muß schon an einer Uni forschen, um diese Entwicklung zu verpassen. Ein Gang in die Geschäfte täte manchmal gut, Herr Forscher.

In dieser Hinsicht ist Deutschland tatsächlich ein Rätsel. In anderen Ländern führt der Wettbewerb im Handel zu besserem Angebot. In Deutschland ist das Gegenteil der Fall. Vermutlich liegt der Grund in der Kombination aus Steuerrecht und vermurkster Regionalplanung.

RDA

07.09.2013, 18:43 Uhr

Die vermurkste Regionalplanung ist in der Tat ein wichtiger Punkt. Allerdings ist es schlicht auch das fehlende Geld, das dank stagnierender Reallöhne die Leute immer mehr zu Discountern treibt. Das wiederum zementiert die prekären Verhältnisse: Einkäufer der Discounter drücken jährlich die Preise, was wiederum Agrarfabriken und Zulieferer ihrerseits zu immer niedrigeren Löhnen und Qualitätsstandards zwingt. Insbsondere in der Fleischbranche ist Deutschland ein absolutes Negativbeispiel.
Helfen kann hier nur einesteigende Lohnquote. Das muss nicht mal mit Arbeitslosigkeit einhergehen: Denn das Erwerbspersonsenpotenzial geht demografiebedingt zurück und solange die Löhne nur im Rahmen des Arbeitsproduktivitätsfortschritts steigen, ist das alles ok.

Unzufriedener_Kunde

07.09.2013, 19:55 Uhr

Die Löhne können nicht der Grund sein. Z.B. gibt es in Südafrika wesentlich bessere Lebensmittelgeschäfte als hier. Lebensmittelgeschäfte, die auch einem hohen Konkurrenzdruck unterliegen und die auch von den unteren Lohnklassen genutzt werden.

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