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04.06.2012

17:28 Uhr

Drogerieimperium

Haben die Schleckers Geld beiseite geschafft?

VonSönke Iwersen, Carina Kontio

ExklusivSie haben ihr Unternehmen in die Pleite geführt, aber haben die Schleckers auch Millionen zur Seite geschafft, um sie vor dem Zugriff der Gläubiger zu sichern? Das Handelsblatt ist auf brisante Informationen gestoßen.

Familie Schlecker unter Verdacht

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DüsseldorfFinanziell scheint es der Familie Schlecker nach der Mega-Pleite gut zu gehen. Offenbar hat sie in den letzten Jahren vor dem Zusammenbruch ihres Drogerieimperiums doch noch Mittel und Wege gefunden, um viele Millionen Euro vor dem Zugriff der Gläubiger zu sichern.

Nach Recherchen des Handelsblattes hat allein das Logistik-Unternehmen LDG mit Sitz in Ehingen, das ausschließlich für Schlecker gearbeitet hat, zwischen 2006 und 2010 insgesamt 58,5 Millionen Euro Jahresüberschuss erwirtschaftet — bei einem Umsatz von 161 Millionen Euro.

Insolvente Drogeriekette: Das Vermögen der Schlecker-Familie schmilzt dahin

Insolvente Drogeriekette

exklusivDas Vermögen der Schlecker-Familie schmilzt dahin

Das Milliarden-Vermögen der Schlecker-Familie ist auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschrumpft. Doch da kommt vor allem Patriarch Anton Schlecker nur bedingt heran.

LDG gehört Meike und Lars Schlecker, den Kindern von Anton Schlecker. Sie erzielten Gewinnmargen von 27,5 Prozent, obwohl ihr einziger Kunde, das Unternehmen ihres Vaters Anton  Schlecker, bereits zweistellige Millionenverluste einfuhr.

Die LDG war für die Bewirtschaftung der beiden größten Läger im Schlecker-Imperium zuständig. Nach Berechnungen der Gewerkschaft Verdi hätte Schlecker fünf Millionen Euro pro Jahr sparen können, wenn diese Arbeit von eigenen Mitarbeitern und nicht zu LDG-Konditionen erledigt worden wäre. „Diese Zahlen sind ein Skandal“, sagte Bernhard Franke von Gewerkschaft Verdi dem Handelsblatt. „Schlecker hätte fünf Millionen Euro pro Jahr sparen können, wenn die Läger von den eigenen Mitarbeitern bewirtschaftet worden wären. Wir erwarten von dem Insolvenzverwalter, dass er diesem Thema nachgeht.“

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

20. Januar 2012

Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012

Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012

Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

29. Februar 2012

Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012

Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012

Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

2. Mai 2012

Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

23. Mai 2012

Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012

Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

1. Juni 2012

Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

8. Juni 2012

Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

27. Juni 2012

Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

8. Juli 2012

Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz sagte auf Anfrage, die Verträge mit LDG seien bereits nachverhandelt und angepasst worden - nach unten. Geiwitz werde auch prüfen, ob das Arrangement zwischen der Firma Schleckers und der Firma seiner Kinder den Tatbestand einer Vermögensverschiebung erfülle. Grundsätzlich seien Zahlungen noch zehn Jahre rückwirkend anfechtbar.

Allein 2010 wies die Bilanz von LDG als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einen Betrag von 16,8 Millionen Euro aus. Gerechnet auf den Umsatz von 32,8 Millionen Euro eine Rendite von 51,2 Prozent. Selbst nach Steuern blieben den Gesellschaftern der LDG noch 12,2 Millionen Euro. Ihr Kunde, die Firma ihres Vaters, schrieb 2010 einen Verlust von 200 Millionen Euro.

Kommentare (39)

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Wurmfortsatz_des_Kapitalismus

04.06.2012, 17:39 Uhr

„sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos“
Das kennen wir doch von Schlecker, der hat schließlich auch jahrelang seine Mitarbeiterinnen nach Strich und Faden ausgebeutet.
[...]
[+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

Harlemjump

04.06.2012, 17:49 Uhr


Nun, wenn das angebliche Beiseite schaffen von Millionen-Beträgen legal war, dann war es zumindest skrupellos seitens der Familie Schlecker; wenn's illegal war, dann wird sich die Staatsanwaltschaft hoffentlich zügig darum kümmern.

Tabu

04.06.2012, 18:26 Uhr

Haben die Schleckers Geld beiseite geschafft?
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Hoffentlich,bevors in Griechenland oder sonstwo
ist..Außerdem,haben die Kinder vom Anton,welcher ihr
despotischer Vater ist,noch lange zu retten versucht,was geht.
Nur waren die Geldbeträge zu klein..Was sind heute schon
bis zu 100 Millionen,wo es doch um Mrd. und Billionen geht.
3500 Filialen hätte man davon nicht mal 6 monate durchbringen können,samt Belegschaft.
Ich gönn den Kindern,das sie was vom Imperium in
hoffentlich sicheren Tüten haben.Sie werden damit neues schaffen,wenn man denn nicht hinterherschnüffelt.

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