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12.04.2013

10:43 Uhr

Drogeriekette präsentiert Zahlen für 2012

Rossmann wächst und wächst und wächst

VonCarina Kontio

Feierlaune in Burgwedel: „Das war unser absolut bestes Geschäftsjahr“, jubelt Drogeriekönig Dirk Roßmann. Seine Kette ist rasant gewachsen und mit Rückenwind ins neue Jahr gestartet. Nur noch ein Rivale liegt vor ihm.

Der Drogeriebetreiber Dirk Roßmann hat heute einen guten Grund zum Feiern. dpa

Der Drogeriebetreiber Dirk Roßmann hat heute einen guten Grund zum Feiern.

BurgwedelDirk Roßmann findet, das er ein zäher Kerl ist. „Ich habe als Kind Fingernägel gekaut und Verdauungsstörungen gehabt und oft Schnupfen“, erzählte der Unternehmer vor acht Monaten dem „Stern“. In der Schule habe es nur zum Vorschulabschluss gereicht. „Das war kein einfacher Start. Das wirkt bis heute nach.“

Inzwischen kann er sicherlich etwas entspannter sein, denn ihm gehört heute die zweitgrößte Drogeriekette Deutschlands, die von Januar bis Ende März 1,54 Milliarden Euro Umsatz verbuchte, was einem Plus von 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Seine Kette wächst und wächst und hat ihr rasantes Tempo aus dem vergangenen Jahr auch im Auftaktquartal 2013 beibehalten. 45 Millionen zusätzliche Kunden hätten vergangenes Jahr hierzulande den Weg in Rossmann-Verkaufsstellen gefunden. Um neun Prozent oder 142 Läden wuchs die Zahl der Filialen. Das teilte Rossmann am Donnerstag in Burgwedel bei Hannover mit.

Das Unternehmen, das vom Umsatz her hinter dm rangiert, bleibt damit nach eigenen Angaben die wachstumsstärkste Drogeriemarktkette Deutschlands. 2012 hatten die Niedersachsen 5,95 Milliarden Euro Erlöse eingefahren - 16,1 Prozent Zuwachs. Der Konzern habe 2012 vor Zinsen und Steuern (Ebit) auch ein Rekordergebnis eingefahren. Es liege bei vier Prozent vom Umsatz, was auf Basis der mitgeteilten gerundeten Zahlen 238 Millionen Euro sind.

Die Lehren aus der Schlecker-Pleite

Der Fachmann

Roland Alter hat das erste Buch über die Schleckerpleite geschrieben. Die frühere Siemens-Führungskraft ist heute Professor für Betriebswirtschaft und erfolgreicher Autor. In seinem Buch „Schlecker oder: Geiz ist dumm“ (Rotbuch Verlag) hat er die Gründe für den Niedergang analysiert und acht Lehren daraus gezogen...

Kultur des Vertrauens

Mitarbeiter bringen auf Dauer nur Top-Leistungen, wenn die Vertrauens- und Wertekultur in einem Unternehmen stimmt. Das gilt besonders in Krisenzeiten. Anton Schlecker entsprach nicht dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Selbst das Prinzip der Wahrheit wurde bei Schlecker mit Füßen getreten.

Kritischer Input von außen

Meinungen von außen sind wie frische Luft. Doch statt eines offenes Fensters gab es bei Schlecker nur Mauern. Dabei kann ein Familienunternehmen mit einem gut besetzten Beirat viel erreichen, ohne nennenswert Geld ausgeben zu müssen oder Geheimnisverrat fürchten zu müssen.

Uhren aufhängen statt Zeit ansagen

Studien haben bewiesen: In langfristig erfolgreichen Unternehmen sind die Strukturen so, dass es nur bedingt auf Einzelpersonen ankommt. Um ein Bild zu benutzen: Lieber Uhren aufhängen als ständig die Zeit anzusagen.

Professionalität im strategischen Management

Ein Unternehmen braucht nicht eine Strategie – es braucht für jede Situation die richtige Strategie. Daran ist Schlecker brutal gescheitert. Es braucht einen Mix aus Erfahrung, Intuition und Branchenkenntnis. In dieses Know-how muss ein Unternehmen entsprechend investieren.

Entscheiden, solange entschieden werden kann

Bei Schlecker passierte vieles viel zu spät. Die Medizin wurde verabreicht, als der Patient nicht mehr zu retten war. Rechtzeitig die richtigen Entscheidung vorzubereiten klingt trivial, ist aber ein Kardinalfehler vieler kriselnden Unternehmen á la Schlecker.

Ressourcen für eine neue Strategie bereitstellen

Die beste Strategie, die wirklich zur Rettung taugen könnte, nützt nichts, wenn die Mittel fehlen, um sie umzusetzen. Gerade während einer Aufholjagd braucht es alle möglichen Ressourcen. Auch die wurden bei Schlecker nicht bereitgestellt.

Mit der Öffentlichkeit professionell kommunizieren

Image ist immer mit Vertrauen verbunden. Und Schlecker ging mit seiner Imagekrise alles andere als professionell um. Die Öffentlichkeit sollte das Handelns eines Unternehmens verstehen. Dazu gehört auch eine effektive Kommunikation mit den Medien. Das alles gab es bei Schlecker nicht.

Den richtigen Zeitpunkt zum Gehen finden

Wenn Investoren und Mitarbeiter neues Vertrauen schöpfen sollen, braucht es bisweilen auch personelle Veränderungen. Bei Schlecker war das fraglos so, doch Anton Schlecker verpasste den Abschied gleich mehrfach. Dabei sollte eine Firmenübergabe immer dann stattfinden, wen es dem Unternehmen möglichst gut geht.

„Das war unser absolut bestes Geschäftsjahr. Mit vier Prozent liegen wir wahrscheinlich auch ganz weit vorne, was die Rentabilität angeht“, sagte Firmengründer Dirk Roßmann. „Vor Ihnen sitzt ein sehr zufriedener Unternehmer.“ Der Wettbewerb mit dem Konkurrenten dm, der nach der Schlecker-Pleite vergangenes Jahr der neue Platzhirsch der Branche hierzulande ist, sorge ihn nicht. Er sei zuversichtlich, dass auch in den nächsten Jahren ein zweistelliges Wachstum drin sei. Deutschlands zweitgrößte Drogeriemarktkette hatte 93 Filialen der insolventen Schlecker-Tochter IhrPlatz übernommen. „Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden“, bilanzierte Roßmann. Das zusätzliche Jahresumsatzvolumen der übernommenen und zum Großteil schon umgebauten Schlecker-Läden liege bei etwa 250 Millionen Euro.

Der Drogeriemarkt in Deutschland ist hart umkämpft. In der Branche schaute Roßmann schon lange nicht mehr auf Schlecker, sondern auf dm, aber auch auf den kleineren Rivalen Müller aus Ulm. Eher machen dem Unternehmer die Discounter Aldi und Lidl zu schaffen. „Wir hauen uns hier die Preise um die Ohren wie in keinem anderen Land der Welt“, sagte der Unternehmer vor kurzem im Gespräch mit dem Handelsblatt.

In dem Interview machte er schnell deutlich, was sein Ziel ist: „Ich möchte an dm immer so nah dran sein, dass mein Atem spürbar ist.“ Das scheint ihm inzwischen gelungen zu sein. Als wesentliche Erfolgsfaktoren im umkämpften Drogeriegeschäft beschrieb er im Gespräch „die Mitarbeiter, die Läden und die Lagen.“ Sicherlich spielten auch die Preise eine Rolle, „wir müssen immer zu den billigsten gehören. Aber auch das Sortiment ist wichtig. Unser Eigenmarkenanteil liegt bei gut 24 Prozent.“

Schlecker ist inzwischen Geschichte. Aber es gab eine Zeit, da war Dirk Roßmann richtig wütend auf den Rivalen, der in den 90er-Jahren einen Laden nach dem andren eröffnete und die besten Konditionen bei den Lieferanten bekam. „Damals hat Schlecker uns unglaublich wehgetan, uns bedroht und Angst gemacht.“ Heute ist alles anders – und Rossmann strotzt vor Kraft.

Kommentare (3)

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Freidenker

11.04.2013, 11:58 Uhr

Wundert mich nicht, da Rossmann seine Mitarbeiter auch zutiefst ausbeutet! Vorallem mit 400 Euro Jobs, die der Staat dann auch noch schützt und mit Steuergeldern befördert!!

Im Osten, wo sehr viele Frauen nach der Wende ihre Arbeit verloren haben, kann man mit 400 Euro Jobs sehr gute Imperium befördern. Wer verh ist und eine Familienversicherung hat, kann das ja machen. Wer alleinstehend ist hat dann keine Krankenversicherung und muß auch noch aufstocken. Sich vom Staat mittels Jobcenter/Arge diskrminieren und entrechten lassen.

Das ist ein Feudalstaat aber keine Demokratie!!!! In der Frauen aus dem Osten wieder total in die Steinzeit zurück gebombt worden sind. Frauen sich wieder vom Mann abhängig machen müssen!! Dank der Politiker!!

Das ist alles nur noch zum kotzen...

AxelSiegler

11.04.2013, 13:47 Uhr

... den Verfasser obigen Kommentars sollte man'mal in die Feudalzeit zurückbeamen, damit er'mal am eigenen Leib seine dummdreisten Äusserungen zu spüren bekommt! Und, als "Ossi" kann ich sagen, dass die damaligen DDR-BürgerINNEN 400EUR=800WestDM-Jobs mit Kusshand genommen hätten! ;-P

Account gelöscht!

11.04.2013, 13:55 Uhr

Ganz einfach. Nicht bei Rossmann einkaufen. Der ist keinen Deut besser als der Schlecker.
DM hat erstens die ansprechenderen Läden und meistens zufriedene Mitarbeiter/innen in vernünftigen Beschäftigungsverhältnissen.

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