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18.07.2012

09:18 Uhr

Drogeriekette

Rossmann, NKD und DM buhlen um Ihr-Platz-Filialen

Was bei Schlecker nicht klappte, könnte jetzt bei Ihr Platz gelingen. Gleich mehrere Konkurrenten der insolventen Drogeriekette interessieren sich für einen Teil der Filialen. Rossmann könnte 120 Filialen übernehmen.

Deutschlandweit hat die insolvente Drogeriekette Ihr Platz 490 Filialen. dapd

Deutschlandweit hat die insolvente Drogeriekette Ihr Platz 490 Filialen.

BonnFilialen der insolventen Drogeriekette Ihr Platz sind bei mehreren Einzelhändlern begehrt. So hat der Wettbewerber Rossmann beim Bundeskartellamt die Übernahme von 120 der verbliebenen 490 Ihr-Platz-Standorte beantragt, wie aus der aktuellen Liste über Zusammenschlussvorhaben der Bonner Behörde hervorgeht. Um welche Läden der früheren Schlecker-Tochter es dabei geht, war zunächst nicht bekannt.

Auch der Textil-Discounter NKD hat Interesse an Ihr Platz. Nach Informationen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwochausgabe) prüft das im oberfränkischen Bindlach bei Bayreuth ansässige Unternehmen derzeit Geschäftsdaten und Filialen von Ihr Platz und führt Gespräche mit dem Insolvenzverwalter der Drogeriekette, Werner Schneider. Auch die österreichische MTH Retail Group soll sich für Ihr-Platz-Märkte interessieren.

Ein Sprecher von Schneider bestätigte am Mittwoch zunächst lediglich Gespräche mit mehreren Interessenten. „Detailliert äußern wir uns erst zu möglichen Übernahmen, wenn die Dinge wirklich spruchreif sind“, sagte er. Bereits im Juni hatte die Drogeriekette dm ihr Interesse an 60 bis 80 Ihr-Platz-Filialen bekundet.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

20. Januar 2012

Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012

Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012

Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

29. Februar 2012

Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012

Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012

Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

2. Mai 2012

Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

23. Mai 2012

Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012

Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

1. Juni 2012

Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

8. Juni 2012

Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

27. Juni 2012

Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

8. Juli 2012

Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Von

dapd

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