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01.07.2013

10:38 Uhr

Drogeriemarktkette Dayli

Für Schlecker-Nachfolger wird die Zeit knapp

Dayli hatte große Pläne: Die österreichische Kette wollte Hunderte Filialen des Pleite-Drogeristen Schlecker wiedereröffnen. Doch in Deutschland ist noch gar nichts passiert – jetzt muss dringend Geld her.

Filiale des Schlecker-Nachfolgers Dayli: Das Unternehmen braucht dringend einen neuen Investor. PR

Filiale des Schlecker-Nachfolgers Dayli: Das Unternehmen braucht dringend einen neuen Investor.

DüsseldorfDie österreichische Drogeriemarktkette Dayli steht vor einer ungewissen Zukunft. Noch in dieser Woche muss frisches Geld her, um ein Sanierungsverfahren des Schlecker-Nachfolgers zu vermeiden. Dayli-Eigentümer Rudolf Haberleitner ist auf der Suche nach einem rettenden Investor. „Die Zeit wird aber extrem knapp“, sagte Haberleitner der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Es liefen jedoch Gespräche mit einem polnischen Drogerieartikel-Produzenten.

Eine Insolvenz der Drogeriemarktkette schließt Haberleitner allerdings aus. Es werde „kein Konkurs“, sagte der Unternehmenschef. Dayli habe keine Schulden bei den Banken, die Verbindlichkeiten bei den Lieferanten seien noch durch Warenbestände gedeckt. Die Ende Juni fälligen Gehälter und das Urlaubsgeld könne das Unternehmen bezahlen, sagte Haberleitner. Über die Auszahlung werde aber erst am Montag entschieden. Es werde geprüft, ob die Zahlung wegen der geringen Liquidität rechtlich noch gedeckt sei.

Dayli hatte nach der Pleite des Drogerieriesen Schlecker im Frühjahr 2012 angekündigt, rund 1300 ehemalige Filialen in Österreich und Deutschland wiederzubeleben. Haberleitners Konzept eines Nahversorgers – einer Art moderner Tante-Emma-Ladens mit Bistro und zahlreichen weiteren Dienstleistungen – wurde jedoch nur in einigen Dayli-Filialen in Österreich umgesetzt. Knapp 900 Geschäfte hatte das Unternehmen dort eröffnet, von denen gut 100 zuletzt aber wieder geschlossen wurden.

Dayli auf dem Weg nach Deutschland

Investor

Rudolf Haberleitner ist ein österreichischer Sanierungsexperte und hat den Kauf von 1350 ausländischen Schlecker-Filialen über seinen Private-Equity-Fonds Tap 09 finanziert. Im November 2012 kaufte sich zudem der Glücksspielbetreiber Novomatic mit 50 Prozent der Anteile bei Haberleitners Projekt ein, gab die Anteile aber wenig später an ihn zurück.

Konzept

Dayli soll ein echter Nahversorger werden, der mehr bietet als Schlecker. So sollen zum Sortiment nicht nur Drogerieartikel sondern auch frische Brötchen, Dienstleistungen und ein betreuter Internetbestellservice zählen.

Geschäftsentwicklung

Forderungen an die deutsche Schlecker-Gesellschaft hat Dayli nach der Pleite abschreiben müssen, das hat Haberleitner in den Büchern für 2011 bereits verbucht. Aufgrund von Investitionen in die Filialen sollte in 2012 ein operatives Minus von acht Millionen Euro verzeichnet werden. In diesem Jahr sollten es bereits zehn bis 15 Millionen Euro Gewinn sein bei einem Umsatz von 500 Millionen Euro – die meisten deutschen Filialen waren bei dieser Schätzung noch nicht berücksichtigt.

Filialen

In Österreich zählt Dayli knapp 800 Filialen, hinzukommen 400 weitere Geschäfte in Ländern wie Polen und Italien. In Deutschland hatte Haberleitner bereits über 600 Filialen ins Auge gefasst. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 400 Geschäfte eröffnen.

Start in Deutschland

Ende Januar 2013 sollte es in den ersten deutschen Filialen losgehen mit dem neuen Konzept. Doch der Start verschob sich mehrfach. Zuletzt sollten Ende Juni die ersten Dayli-Filialen eröffnen.

Werbung

Von österreichischen Konzernen ist man in Sachen aufsehenerregender Werbung spätestens seit dem Rekord-Fallschirmsprung von Felix Baumgartner unter der Regie von Red Bull einiges gewohnt. Dennoch kündigte Haberleitner für Dayli vollmutig eine Werbekampagne an, die „noch nie da war auf der Welt“. Sie werde aber Kunden und Lieferanten nutzen, versprach der 68-Jährige.

In Deutschland hatte sich der Dayli-Start immer wieder verschoben. Ende Mai kündigte Haberleitner die Eröffnung der ersten Märkte für Ende Juni im Raum Schwarzwald, bei Karlsruhe, in München, im Allgäu und in Rheinland-Pfalz an. „Das kann sich aber wegen der Finanzierung auch um ein bis zwei Monate verschieben“, sagte der Firmenchef. Bisher ist von den Eröffnungen noch nichts bekannt, eine Anfrage von Handelsblatt Online beantwortete Dayli zunächst nicht. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 400 ehemalige Schlecker-Filialen wiedereröffnen. Im April hatte Haberleitner erklärt, dass bereits 300 Mietverträge unterzeichnet seien.

Trotz der Finanzprobleme betonte Haberleitner Ende Mai, an den Expansionsplänen in Deutschland festzuhalten. „Ich habe schon daran gedacht, die ganze Firma nach Deutschland zu verlegen“, sagte der Dayli-Eigentümer. In Deutschland gebe es mehr Offenheit für seine Pläne. In Österreich hingegen hätten negative Berichterstattung und Krach um die Sonntagsöffnung zu den Finanzierungsproblemen geführt. Die Banken würden ihm keine Kredite mehr geben. „Dadurch haben wir einen Riesenschaden“, sagte Haberleitner. Jetzt wiederholte der 68-Jährige seine Kritik an den einheimischen Geldhäusern: „Keine österreichische Bank hat uns Kredite gegeben.“

Neben den österreichischen Filialen betreibt die Drogeriemarktkette mehr als 400 Geschäfte in Italien und Polen. Laut Haberleitner beschäftigt das Unternehmen 3000 Mitarbeiter in Österreich und mehr als 1000 im Ausland. Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenzantrag gestellt und im Juni die letzten Filialen geschlossen. 25.000 Beschäftigte in Deutschland verloren ihren Job.

(mit Material von dpa)

Von

td

Kommentare (2)

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BlackMamba

01.07.2013, 16:39 Uhr

In Italien wird schon fast die Hälfte der Belegschaft schon wieder gefeuert. In den Läden sieht es auch inzwischen so aus wie bei Hr. Schlecker in der Endphase - Regale leer. Ich würde sagen, die nächste Nachricht lautet " Daily - Game over".

lillidooo

01.07.2013, 18:34 Uhr

in italia hanno già chiuso 100 negozi su 300. la cassa integrazione è già iniziata. i tir non arrivano da mesi e i negozi sono abbandonati a se stessi e completamente vuoti.
in Italien haben bereits 100 Filialen und 300 geschlossen. der Entlassung hat bereits begonnen. die Lastwagen nicht für Monate kommen und Geschäfte sind sich selbst überlassen und völlig leer.

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