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08.07.2012

14:27 Uhr

Drogerien

Schlecker-Rabattschlacht drückt Umsätze

Nach der Schlecker-Pleite sind die Preise für Sonnenmilch, Shampoo, Schminke im Sturzflug. Nicht nur bei Drogerien, auch bei Discountern. Das freut die Verbraucher, für den Handel bedeutet das aber Umsatzeinbußen.

Eine Filiale der Drogeriekette Schlecker dpa

Eine Filiale der Drogeriekette Schlecker

Stuttgart / DüsseldorfDas Schlecker-Aus färbt ab - und das dürfte wegen sinkender Preise vor allem die Verbraucher freuen. Die gesamte Drogeriebranche hat hingegen laut einer Marktuntersuchung an der Rabattschlacht beim einstigen Primus zu knacken. Im April und Mai sanken die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr nach einer GfK-Analyse um 4,8 und 6,6 Prozent, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtete.

Derweil wird zur Übernahme früherer Schlecker-Filialen über die Gründung neuer Genossenschaften nachgedacht. Offen sind nach wie vor auch das Schicksal der insolventen Schlecker-Tochter IhrPlatz sowie die Frage, wie es mit Schlecker Österreich weitergeht. Am Online-Shop gibt es immerhin Interesse.

Nach der Untersuchung des Marktforschers GfK haben sich Millionen von Haushalten dank der Rabatte in vielen Warengruppen ausreichend mit Drogerieartikeln versorgt. Die Branche „wird folglich an Schlecker noch eine Weile zu leiden haben“, schreiben die Marktforscher. Das Hamstern der Kunden werde auch in den nächsten Wochen die Umsätze drücken.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

20. Januar 2012

Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012

Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012

Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

29. Februar 2012

Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012

Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012

Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

2. Mai 2012

Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

23. Mai 2012

Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012

Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

1. Juni 2012

Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

8. Juni 2012

Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

27. Juni 2012

Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

8. Juli 2012

Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Der Grund sei vor allem der Ausverkauf bei Schlecker zu besonders niedrigen Preisen, hieß es. Nach der Insolvenz hatte der schwäbische Drogerieriese kontinuierlich die Preise gesenkt. Am letzten Verkaufstag, dem 27. Juni, gab es die Reste für je 20 Cent.

Aus Verbrauchersicht positiv wirkt sich dieser Trend weit über die Drogeriebranche hinaus aus. Zahlreiche Discounter hatten bereits Preise vor allem für Drogerieartikel wie Sonnenmilch, Waschmittel oder Kosmetika gesenkt oder dies zumindest angekündigt. Dazu zählten Aldi Süd, Norma, die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount, Lidl.

Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail hatte mit Blick auf Aldi Süd gesagt, mit den Reduzierungen orientiere sich das Unternehmen am neuen Marktführer dm. Der Preissturz kommt allerdings nicht überraschend: Branchenexperten hatten mit der Schlecker-Pleite erwartet, dass die Firmen den harten Preiskampf um Drogerieartikel fortsetzen.

Kommentare (2)

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Bob_Loblaw

08.07.2012, 15:22 Uhr

Also das ist doch jetzt lächerlich. Sind gerade irgendwelche Tarifverträge neu zu verhandeln, für die die Arbeitgeber Einsparargumente suchen? Fakt ist doch, dass die nicht unerheblichen Marktanteile von Schlecker zukünftig unter den verbleibenden Marktteilnehmern aufgeteilt werden, womit sowohl dm, Rossmann als auch der Lebensmitteleinzelhandel deutlich steigende Umsätze generieren werden.

FNA

08.07.2012, 16:31 Uhr

Das ist sicherlich richtig, es wird sich amortisieren, aber das wird halt ein paar Wochen bis Monate dauern. Der Artikel behauptet nichts anderes...

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