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16.11.2016

17:13 Uhr

Drohnen in der Logistik

Mit dem fliegenden Mobiltelefon zum Durchbruch

VonChristoph Schlautmann

Deutsche Post und Telekom wollen Drohnenflüge quer durch die Republik ermöglichen. Mobilfunk-Technologie soll diese Einsätze sicher machen – und endlich den Durchbruch für die kommerzielle Nutzung bringen.

Die Deutsche Flugsicherung sieht in den Drohnen nach wie vor ein hohes Gefahrenpotenzial für den Luftverkehr. dpa

Drohne und Flugzeug

Die Deutsche Flugsicherung sieht in den Drohnen nach wie vor ein hohes Gefahrenpotenzial für den Luftverkehr.

LangenDer Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt sind sie ein Horror: 400.000 Mal schon gingen unbemannte Fluggeräte bundesweit über den Ladentisch – und mit ihnen ein erhebliches Gefahrenpotenzial. Am Münchener Olympiaturm stürzte Dienstag eine fast zwei Kilo schwere Drohne aus 180 Metern Höhe und schlug nur wenige Meter neben einer Familie auf. Schon im Februar war eine Kameradrohne im Hof der bei Touristen beliebten Burg Hohenzollern unsanft niedergegangen. Ende 2015 verfehlte eine Kameradrohne nur um Zentimeter einen Teilnehmer des Skirennens im italienischen Madonna di Campiglio.

Es könnte noch viel schlimmer kommen. Selbst einen Jumbo, glaubt man bei der Flugaufsicht, könnte eine Drohne zum Absturz bringen. Etwa dann, wenn das unbemannte Flugobjekt in eines der Triebwerke gerät. Flugzeugpiloten sind schon jetzt nervös. Meldeten sie vergangenes Jahr deutschlandweit gerade einmal 14 Zwischenfälle mit Drohnen, waren es 2016 bis heute bereits 61.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Doch an ein Verbot denkt bei der Deutschen Flugsicherung niemand. Im Gegenteil: Deren Chef Klaus-Dieter Scheurle stellt ein Budget von einer Million Euro bereit, um künftig sogar Drohnenflüge quer durch die Republik zu ermöglichen. Gemeinsam mit Post und Telekom will er nach einem Weg forschen lassen, wie die unbemannten Fluggeräte künftig auch ohne den bislang erforderlichen Sichtkontakt über weite Strecken gesteuert werden können. Gelingt das Projekt, an dem auch die Aachener Universität RWTH beteiligt ist, wäre das der Durchbruch für den kommerziellen Einsatz der Drohne.

„Die Technologie dazu ist schon vorhanden“, berichtet der DFS-Chef. Genutzt wird sie bislang aber nur in Einzelfällen. So startet die Deutsche Post Ende 2014 einen Flugdienst zwischen der Nordseeinsel Juist und der Festlandsstation Norddeich, mit dem sie Medikamente auf das Eiland fliegen ließ. Ohne Ausnahmeregelung hätten die Bonner ihr Fluggerät am Boden halten müssen.

Bislang nämlich erlaubt der Gesetzgeber eine Fernsteuerung nur, wenn die Drohne in Sichtweite bleibt. Höher als 50 Meter darf sie im kommerziellen Betrieb nicht fliegen, und bei einem Maximalgewicht von 25 Kilogramm ist Schluss. Noch strenger die Regelung für Hobbypiloten: Ihre Modelle sind auf ein Maximalgewicht von fünf Kilogramm beschränkt, bei einer Flughöhe von höchstens 30 Metern.

Bisher zeigt sich die Politik von umfangreichen Flugfreigaben wenig begeistert. „Wir wollen in Deutschland die zukunftsweisenden Entwicklungsmöglichkeiten weiter fördern – nicht aber zulasten der Sicherheit“, mahnt Ulrich Lange, verkehrspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Man begrüße es daher, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gerade einen Rechtsrahmen vorbereitet, „der beide Aspekte gleichermaßen berücksichtigt: Innovationsförderung und Sicherheit“.

Ringt sich der Gesetzgeber zu Erleichterungen durch, profitieren davon vor allem Paketdienste wie die Post-Tochter DHL. Sie will bald schon das Mobilfunknetz der Deutschen Telekom nutzen, mit dem sich künftig ein Transponder in der Drohne verbindet. Der Chip empfängt GPS-Daten und Systeminformationen, die den Flug steuern. „Drohnen werden damit zu fliegenden Mobiltelefonen“, sagt Scheurle.

Kommentare (3)

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16.11.2016, 17:22 Uhr

Natürlich, das fördert unser Merkelregierterüberwachungsstaat natürlich.
Kommerz nur wieder für einige Eliten.
Der normal Sterbliche kann sich das nicht leisten. Glaube nicht das mir der Jobcenter meine Kohle mittels Drohne bringt.

Herr Alessandro Grande

16.11.2016, 17:27 Uhr

Man kann nur hoffen, dass sich ein solcher SCHWACHSINN niemals durchsetzen wird, weil die Logistiker auch so schon eh genug Geld verdienen, niemand weltweit an zu hohen Paketgebühren sterben wird und es bereits jetzt durch rein privaten Gebrauch der Drohnen viel zu viele Unfälle gibt. Also bitte liebe Fanatiker und Spinner bei Post und Telekom, lasst es gut sein!!!

Herr Peter Delli

16.11.2016, 17:27 Uhr

So ein Teil kauf ich mir, dann kann ich meine Nachbarin beobachten. uhuhuh

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