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03.12.2016

15:36 Uhr

Durchbruch bei Karstadt

Warenhauskette und Verdi beschließen Beschäftigungsgarantie

Karstadt war lange in der Krise, doch nun geht es für die Warenhauskette wieder aufwärts. Davon profitieren auch die Beschäftigten. Das Unternehmen und Verdi einigten sich am Freitag auf eine Beschäftigungsgarantie.

Nicht nur 15.000 Jobs, auch 78 Filialen sollen bis mindestens 2021 erhalten bleiben. dpa

Karstadt

Nicht nur 15.000 Jobs, auch 78 Filialen sollen bis mindestens 2021 erhalten bleiben.

Mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft ist für die Beschäftigten der Warenhauskette Karstadt nach schwierigen Tarifverhandlungen ein Durchbruch erzielt worden. Karstadt und die Gewerkschaft Verdi einigten sich am Freitag in Frankfurt am Main unter anderem auf eine langjährige Standort- und Beschäftigungssicherung, Modalitäten für die Zahlung von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Regelungen zu künftigen Entgeltsteigerungen.

Karstadt war in einer schweren Krise und hatte im Mai 2013 im Zuge dessen die Tarifbindung verlassen. Das Unternehmen ist aber seit einigen Monaten wieder auf Erholungskurs. Das Unternehmen selbst bezog sich in einer Mitteilung zu den Tarif-Eckpunkten auf den „Erfolg der intensiven Modernisierung der letzten zwei Geschäftsjahre“. Der endgültige Text des neuen Tarifvertrages solle in den nächsten Wochen ausformuliert werden, teilte Verdi mit.

Die Standort- und Beschäftigungsgarantie soll der Gewerkschaft zufolge für alle 78 Filialen und damit für mehr als 15 000 Beschäftigte gelten. Ziel der Vereinbarung sei die vollständige Rückkehr in die Tarifbindung spätestens im Jahr 2021, erklärte Karstadt.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

„Wichtig ist, dass nun sowohl Klarheit für unsere Mitarbeiter über unseren Tarifweg besteht, als auch diese Vereinbarung auf tariflicher Ebene die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Karstadt berücksichtigt“, teilte Karstadt-Arbeitsdirektor Miguel Müllenbach mit.

„Es ist gut, dass die Tarifbindung wieder hergestellt wird. Es ist wichtig, dass Karstadt jetzt aktiv die Zukunft des Warenhauses gestaltet“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Dafür brauche es die notwendigen Investitionen und ausreichend Personal. Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig sprach von einem „großen Erfolg“ nach Jahren der Ungewissheit.

Karstadt war auch wegen der Pleite des Mutterkonzerns Arcandor 2010 in eine Krise gestürzt und schrieb rote Zahlen. Die Folgen waren Personalabbau und Filialschließungen. Im Jahre 2014 wurde die Warenhauskette vom österreichischen Unternehmen Signa übernommen. Im Zuge seiner Sanierung hatte Karstadt-Chef Fanderl das Unternehmen umgekrempelt. So wurde der Lagerbestand reduziert, die Margen wurden höher.

Bereits Ende Oktober hatte Karstadt mitgeteilt, angesichts einer positiven Geschäftsentwicklung den bundesweit rund 14 000 Mitarbeitern nun doch ein Weihnachtsgeld zu zahlen. Dies war im Sanierungsplan ursprünglich nicht vorgesehen. Das Ende September abgeschlossene Geschäftsjahr 2015/2016 sei ein „weiteres anspruchsvolles Jahr im Zeichen des Veränderungsprogramms“ gewesen, hieß es in einem Schreiben von Fanderl. Karstadt habe aber die Erträge weiter stabilisiert, die Kosten reduziert und so insgesamt eine gute Entwicklung hingelegt.

Auch andere Warenhausketten stehen unter Druck. Als Gründe gelten Billigketten und Textildiscounter, aber auch Shopping-Center und herstellereigene Läden sowie der zunehmende Online-Handel.

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