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11.04.2017

10:36 Uhr

E-Auto Streetscooter

Die Post überholt die Autobauer

Mit Elektrofahrzeugen tun sich die großen Autobauer immer noch schwer. Anders die Deutsche Post: Die Bonner wollen die Produktion ihres Streetscooters deutlich ausweiten – und das nicht nur für den Eigenbedarf.

In den zwei Werken ist eine Produktionskapazität von bis zu 20.000 Stück im Jahr geplant. dpa

Streetscooter der Deutschen Post

In den zwei Werken ist eine Produktionskapazität von bis zu 20.000 Stück im Jahr geplant.

BonnDie Deutsche Post will ihren selbst produzierten Elektrotransporter Streetscooter auf dem freien Automarkt anbieten. Der Konzern verkaufe „seine bislang für den Postbetrieb und Lieferverkehr optimierten eigenen E-Fahrzeuge ab sofort auch an Dritte“, teilte die Post am Dienstag in Bonn mit.

Das Unternehmen will dazu die Produktionskapazität noch in diesem Jahr verdoppeln. „Wir werden in Nordrhein-Westfalen eine zweite Fabrik für den Streetscooter aufbauen, die noch dieses Jahr starten soll“, sagte der für das Paketgeschäft zuständige Vorstand, Jürgen Gerdes, der „Rheinischen Post“. Er ist auch zuständig für das Start-up, das die E-Lieferwagen entwickelt hat und das seit 2014 der Post gehört.

Neue Jobs würden entstehen, vermutlich im niedrigen dreistelligen Bereich. Bislang arbeiten etwa 200 Menschen in Produktion und Entwicklung des Streetscooters. „Es ist sinnvoll, dass die Techniker und Führungskräfte des Mutterwerkes in Aachen kurze Wege haben“, sagte Gerdes zum Bau der Fabrik in NRW.

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Die Post hatte bereits angekündigt, ihre Elektrolieferwagen auch an Dritte verkaufen zu wollen. Die Verträge seien unterschriftsreif, sagte ein Sprecher. Der Verkauf starte quasi jetzt. Der Konzern selbst hat bislang 2500 Fahrzeuge in Deutschland und 100 in den Niederlanden im Einsatz. In den zwei Werken sei eine Produktionskapazität von bis zu 20.000 Stück im Jahr geplant. In diesem Jahr baut die Post voraussichtlich die Hälfte, davon soll wiederum mindestens die Hälfte – also 5000 Fahrzeuge – an Dritte gehen.

Für das „Work Pure“ genannte Basismodell des Streetscooter sollen Kunden zunächst ab 32.000 Euro auf den Tisch legen. Im kommenden Jahr soll ein größerer Transporter mit einem größeren Ladevolumen auf den Markt kommen. Der „Work“ kann mit bis zu 710 Kilo beladen werden, seine Reichweite liegt bei rund 80 Kilometern. Auch die E-Bikes von Streetscooter und E-Trikes werden dann Dritte verkauft.

Die Einführung des Elektro-Transporters ist auch eine Antwort der Post auf den boomenden Online-Handel. Immer mehr Kunden bestellen Waren bei Online-Händlern von Amazon bis Zalando, die Post liefert die Pakete dann an die Kunden aus. Immer mehr Zustell-Fahrzeuge kurven durch die Innenstädte, allein die Post liefert im Schnitt rund vier Millionen Pakete täglich in der Bundesrepublik aus. Der Paket-Boom lässt auch die Umwelt-Belastungen durch Zustell-Fahrzeuge wachsen.

Für Vorstandschef Appel hat das Thema höchste Priorität. Die Post will sich 2050 als Null-Emissions-Konzern präsentieren. „Wir sind das erste Unternehmen, das so ein Ziel ausgibt“, erklärte Appel bei der Bilanz-Pressekonferenz Anfang März. „Und das ist nichts, was man sonntags in der Kirche erzählt.“ Appel erhofft sich davon einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten.

Der Verkauf an Dritte ist eine Kampfansage an die großen Autohersteller, die sich immer noch in Tests versuchen. „Wir bleiben Motor der Elektromobilität und wollen Marktführer in der grünen Logistik werden“, sagte Gerdes. Handwerker und Lieferdienste warten angesichts drohender Fahrverbote in Städten wie Stuttgart händeringend auf Elektroalternativen.

Dass der Streetscooter auf einer Erfolgswelle schwimmt, wohingegen die Autobauer mit Elektromobilität nur schleppend voran kommen, hat vor allem einen Grund: Die Post benötigte einen einfachen, preiswerten und funktionalen E-Lieferwagen, ohne viel Schnickschnack und Design.

E-Modelle der Deutschen Post

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Kommentare (11)

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Herr Vinci Queri

11.04.2017, 10:13 Uhr

>> der Streetscooter auf einer Erfolgswelle schwimmt, wohingegen die Autobauer mit Elektromobilität nur schleppend voran kommen, hat vor allem einen Grund: Die Post benötigte einen einfachen, preiswerten und funktionalen E-Lieferwagen, ohne viel Schnickschnack und Design. >>

Die Post ignoriert alle marktwirtschaftlichen Zusammenhänge, schaut NICHT aufs Geld und betreibt einen technischen und wirtschaftlichen Unsinn !



Novi Prinz

11.04.2017, 10:54 Uhr

Als Gegenleistung behält die POst das Briefmonopol und so finanziert der Steuerzahler das Experiment . In zwei Jahren weiß man mehr !

Novi Prinz

11.04.2017, 11:30 Uhr

Die Autos sehen ja richtig schnuckelig aus, sagte mein Fünfjähriger !
...und ... können die auch was transportieren ?

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