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16.05.2013

19:06 Uhr

E-Commerce-Boom

Die Schattenseiten des Online-Handels

VonCarina Kontio

Bücher, Stöckelschuhe, Medikamente: Bequemes Online-Shoppen ist für die Deutschen inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Doch der E-Commerce zeigt seine bösen Nebenwirkungen. Und es zieht ein Schatten über die Branche.

Der Kult-Online-Händler Zalando lebt damit, dass jeder zweite Artikel wieder zurück geschickt wird. DAVIDS/Darmer

Der Kult-Online-Händler Zalando lebt damit, dass jeder zweite Artikel wieder zurück geschickt wird.

DüsseldorfSie heißen Lisa, Jenny, Pauline oder Julia und feiern einmal im Monat ihre Online-Shopping-Party im eigenen Wohnzimmer. Haufenweise ordert jedes Mädchen Schuhe und Kleider, um sich dann am kollektiven Aufmotzen zu berauschen. Bestellt wird immer nur dort, wo die Retoure der Fummel umsonst ist.

Für die Händler sind solche Exzesse, die als sogenannte „Zalando-Partys“ Furore machen, ein Graus. Die benutzten Sachen müssen zurück transportiert, inspiziert, gereinigt, manchmal sogar repariert und dann wieder neu verpackt werden. Dabei verlieren die Artikel erheblich an Wert, während die Lisas dieser Welt schon wieder die nächste Fashion-Party planen. Und zwar ohne sich weiter Gedanken zu machen. „Da bin ich in dem Moment egoistisch und dann ist mir das egal“, sagte neulich so ein Mädchen in eine Fernsehkamera der ARD.

Ein Wahnsinn, der gerade in Zeiten des Klimawandels weitreichende Folgen hat. Folgen, an denen der moderne Konsument nicht frei von Schuld ist, wie es der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff formuliert: „Wir machen uns zu Mittätern, solange wir weiterhin Waren bedenkenlos zu Billigtarifen ordern.“

Was Paketlogistik im E-Commerce-Zeitalter leisten muss

Packstation

Ende 2001 wurden in Dortmund und Mainz die ersten Packstationen in Betrieb genommen, heute stehen mehr als 2.500 dieser Automaten in ganz Deutschland den Kunden von DHL zur Verfügung. An sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr können sie hier ihre Pakete abholen. Insbesondere für Berufstätige ist die Zustellung an eine Packstation eine sinnvolle Alternative zur Heimzustellung.

Online-Retoure

Für den Betreiber fällt damit die kostenintensive und wenig umweltfreundliche Produktion vieler ungenutzter Retouren-Label weg. Der Käufer muss nicht wie bisher üblich diese Label lange aufbewahren, sondern kann sie bei Bedarf zuhause ausdrucken. Der Shop-Betreiber wiederum hat die Möglichkeit zu wissen, welche Retouren überhaupt zu ihm unterwegs sind – und kann sie bereits für den Wiederverkauf einplanen, wenn sie noch gar nicht wieder bei ihm angekommen sind. Das erhöht die Umlaufgeschwindigkeit der Ware und verringert die Kapitalbindung.

Wunschzustellung

Registrierte DHL-Kunden können bei der Bestellung ihrem Händler ihre DHL-Kundennummer angeben. Sie werden dann von DHL per SMS kostenlos über den voraussichtlichen Zustelltag informiert. Ebenfalls per SMS kann der Kunde antworten und, für einen geringen Preisaufschlag, einen anderen Zustelltag vereinbaren und damit selbst bestimmen, wann er sein Paket empfangen möchte.

Internationale Retouren

Dank dieses vollständig webbasierten Verfahrens können Kunden die Sendungen bei allen Filialen der Postgesellschaften im Zielland zurückgeben. Den Online-Händlern stehen dabei drei unterschiedliche Varianten zur Verfügung, von einer Online-Buchungsmaske mit Link zum Retouren-Label bis zur Vollintegration in den eigenen Webauftritt.

Angebote für Shop-Betreiber

Vom Aufbau eines Web-Shops über die logistische Abwicklung und Lagerhaltung bis hin zum Kunden- und Debitoren-Management reichen die Fulfillment-Lösungen, die DHL für Versandhändler offeriert. Damit kann der Händler sehr flexibel auf die Nachfrage in seinem Shop reagieren und die von seinen Kunden erwartete Servicequalität sichern. Hinzu kommen spezielle Angebote für Powerseller wie der kostenlos herunterladbare DHL Versandhelfer: Mit Portorechner, Ausfüllhilfe, Online-Frankierung, Sendungsverfolgung, Postfinder und Adressbuch.

Wenn immer mehr Waren im Internet geordert werden, hat das Nebenwirkungen. Spätestens seit den jüngsten Skandalen um Leiharbeiter beim Online-Giganten Amazon und Paketsklaven in der Logistik-Branche ist sichtbar geworden, wie sehr dieser Boom unser ganzes Leben verändert. Und, da ist sich der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sicher: „Das ist alles erst der Anfang.“

Der Anfang sieht im Moment so aus: Während dem stationären Handel die Puste ausgeht, hat der E-Commerce allein von 2011 zu 2012 laut Bundesverband des Deutschen Versandhandels eine Umsatzsteigerung um 5,9 Milliarden Euro auf 27,6 Milliarden Euro hingelegt. Für 2013 gehen Experten von einem Wachstum von mehr als einem Fünftel aus. Ein Ende ist laut Heinemann, der 20 Jahre praktische Handelserfahrung bei Douglas und Kaufhof gesammelt hat, nicht abzusehen. „Selbst wenn man von den allerskeptischsten Prognosen ausgeht, haben wir in 2020 einen Online-Anteil bei Nicht-Lebensmitteln von 30 bis 40 Prozent. Das ist die unterste Messlatte.“

Kommentare (50)

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Michael

16.05.2013, 19:26 Uhr

Die Welt, wie sie momentan ihre kreise um die Sonne dreht, macht mir Angst.

Account gelöscht!

16.05.2013, 19:34 Uhr

und wenn man die betreffenden Mädels fragt, wie sie sich selbst sehen, dann hört man Worte wie umweltbewusst und ökologisch. Natürlich fährt man selbst nur wenig Auto, verstopft aber mit den ständigen Transporten die Strassen. Und nimmt in Kauf, dass Leute (wie es zumindest in den Medien heißt) zu Dumpinglöhnen in den Logistikzentren arbeiten müßen.
Alles in allem eine heute sehr verbreitete Sicht- bzw Handlungsweise, nach dem Motto was ich mache ist in Ordnung, aber wehe die anderen machen so etwas. Es dürfte sich um eingefleischte Grünwählerinnen handeln.

Account gelöscht!

16.05.2013, 19:38 Uhr

Vernunftappelle an die Verbraucher halte ich für falsch. Dann gäbe es wieder die 15% der Leute, die tatsächlich vernünftig und Resourcen schonend online einkaufen und auf der anderen grösseren Seite gäbe es die Leute, die sich nicht darum kümmern.
Das ist wie bei der Euro Krise. Deutschland leistet mehr und spart mehr. Alel Appelle an die Südstaaten fruchten nichts. Deutschland schickt Milliarden gen Süden und kann z.B. die eigenen Schulen nicht mehr mit Lehreren versorgen und unsere Strassen nicht reparieren. Die Vernünftigen sind immer die Dummen, wenn die Politiker nicht die Gesetze erlassen, die ihre Absichten auch erkennen lassen.

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