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26.06.2015

14:59 Uhr

E-Commerce

Online-Händler leiden unter Post-Streik

Erneut sind rund 30.000 Postbeschäftigte im unbefristeten Ausstand – sehr zum Leidwesen deutscher Online-Händler. Etwa die Hälfte aller Waren kommen verspätet beim Kunden an, klagen sie.

Deutsche Online-Händler leiden einer Umfrage zu Folge stark bis extrem stark unter den Folgen des Post-Streiks. dpa

Etwa die Hälfte der Waren kommt zu spät

Deutsche Online-Händler leiden einer Umfrage zu Folge stark bis extrem stark unter den Folgen des Post-Streiks.

BerlinDer Streik bei der Deutschen Post hat erhebliche Auswirkungen auf den deutschen Online-Handel: Mehr als drei Viertel der Online-Händler sehen sich stark bis extrem stark vom Arbeitskampf der Postmitarbeiter betroffen, wie der Bundesverband Online-Handel (BVOH) am Freitag in Berlin unter Berufung auf eine Umfrage bei seinen Mitgliedern mitteilte. Zwei Drittel der befragten Online-Händler berichtete demnach von Umsatzeinbußen durch den Poststreik – fast ein Fünftel rechnet sogar mit einem Umsatzeinbruch von mehr als 25 Prozent.

Mehr als 40 Prozent der befragten Online-Händler gingen zugleich davon aus, dass etwa die Hälfte der bei ihnen georderten Ware verspätet ausgeliefert wird. „Jetzt, wo die bestellte Ware nicht am Folgetag beim Verbraucher ist, wird den Kunden klar, wie reibungslos und schnell Onlinehandel in Deutschland funktioniert“, erklärte der BVOH-Präsident Oliver Prothmann. An der Umfrage nahmen dem Verband zufolge mehr als 250 Online-Händler teil.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi befanden sich am Freitag bundesweit 32.500 Postbeschäftigte im unbefristeten Arbeitskampf. Dadurch gebe es bei der Bearbeitung und Zustellung von Briefen und Paketen bundesweit "erhebliche Rückstaus". Laut Deutscher Post nahmen am Freitag bundesweit 29.560 Mitarbeiter an Streikaktionen teil. Derzeit gewährleiste die Deutsche Post durch „umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen“, dass bundesweit täglich rund 80 Prozent der Briefe und Pakete zeitgerecht ausgeliefert würden, erklärte das Unternehmen.

Erst am Mittwoch hatte Verdi bekannt gegeben, dass die Gewerkschaft wegen des angeblich unzulässigen Einsatzes von Beamten auf Arbeitsplätzen von streikenden Postmitarbeitern erneut vor Gericht zieht. Die mündliche Verhandlung dazu findet am 2. Juli vor dem Arbeitsgericht in Bonn statt. Ende Mai hatte das Gericht ein erstes Gesuch der Gewerkschaft abgelehnt.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Knackpunkt in dem festgefahrenen Tarifkonflikt ist die Gründung von neuen Regionalgesellschaften der Post, in der Beschäftigte deutlich weniger verdienen als im Mutterkonzern. Die Mitarbeiter dort werden nicht nach dem Haustarifvertrag der Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche. Verdi lehnt dies strikt ab und sieht darin einen Bruch früherer Vereinbarungen.

Von

afp

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