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27.01.2014

08:17 Uhr

E-Commerce

Online-Händler verzichten auf Retour-Gebühren

Bald dürfen Online-Händler Gebühren für Retouren verlangen. Das könnte einen Riegel vor das sogenannte „Bulimie-Shopping“ schieben, dem massenhaften Bestellen und Zurücksenden. Doch die meisten Händler leben gerne damit.

Zalando-Mitarbeiter in einem Lager in Erfurt: Rücksendungen sind Teil des Geschäftsmodells. dpa

Zalando-Mitarbeiter in einem Lager in Erfurt: Rücksendungen sind Teil des Geschäftsmodells.

BerlinGroße Onlinehändler in Deutschland wollen auch künftig von ihren Kunden kein Geld für Retouren verlangen, obwohl eine neue EU-Richtlinie das ab Juni ermöglichen würde. Das ergab eine Umfrage der „Welt am Sonntag“. Bei kleinen Onlineversendern könnte das allerdings anders aussehen.

Die Nummer Eins im Onlinehandel, Amazon, betonte auf Anfragen der „WamS“, es seien keine Änderungen an den Bestimmungen zur Rücksendung geplant. Auch Konkurrent Zalando erklärte: „Kostenfreiheit des Versandes und des Rückversandes sind ein zentraler Punkt unseres Verständnisses von E-Commerce.“ Die Otto-Gruppe will ebenfalls alles beim Alten belassen. „Wir werden Retouren nicht mit Kosten für die Kunden belegen“, zitierte die Zeitung Konzernvorstand Alexander Birken.

Was Deutsche am meisten zurückschicken

Möbel/Heimtextilien

Die Faustregel des interaktiven Handels: Je näher das bestellte Produkt am Körper ist, desto höher ist die Rückgabequote (in Prozent). Möbel und Heimtextilien werden demnach nur in 12,2 Prozent retourniert.

Geschenkartikel

Von allen Online-Bestellungen aus der Kategorie Geschenkartikel gehen 12,8 Prozent wieder zurück.

Musik/DVD/Games

Etwa 13,2 Prozent der Bestellungen aus dem Bereich Musik/DVD/Games bleibt nicht beim Kunden und wird zurück zum Händler geschickt.

Bücher

Bücher werden auch nicht so oft wieder zurück geschickt. Die Quote liegt bei 13,4 Prozent.

Spielzeug

Auch Kinder können wählerisch sein. 14,8 Prozent des bestellten Spielzeugs wird retourniert.

EDV

Im Bereich EDV liegt die Rückgabequote bei 15,1 Prozent.

Unterhaltungselektronik

Gut 15,4 Prozent der bestellten Produkte aus der Kategorie Unterhaltungselektronik/Foto wird zurückgeschickt.

Haushaltselektronik

Haushaltselektronik wird in 15,6 Prozent aller Fälle wieder retourniert.

Sonstiges

Alles, was in keine andere Kategorie fällt, hat eine Rückgabequote von 16 Prozent.

Kleidung/Schuhe

Am häufigsten schicken Kunden im interaktiven Handel Kleidung und Schuhe wieder zurück. Die Quote liegt bei 28,5 Prozent.

(Quelle: Zeit, Nr. 43, Grafik S. 41)

Weniger Kulanz dürfte es dagegen dem Bericht zufolge künftig bei einigen kleineren Online-Händlern geben. „Bestimmte Branchen wie Schmuckhändler, die teure Waren verschicken, aber auch Händler aus dem Mittelstand, werden eine Kostenpflicht einführen“, prognostizierte Jean-Marc Noël, Gründer der Firma Trusted Shops. Einige Anbieter bräuchten schlichtweg das Geld. Dazu zählten etwa Händler aus der Elektronikbranche.

Ab Juni 2014 erlaubt die neue EU-Verbraucherrechte-Richtlinie, Retouren generell kostenpflichtig zu machen. Bislang können Versandhändler nur dann Geld verlangen, wenn der Einkauf des Kunden maximal 40 Euro kostet.

Viele Online-Händler ächzen unter einer Flut von Rücksendungen. Die Otto-Tochter Hermes schätzt die durchschnittliche Retourenquote im Onlinehandel dem Bericht zufolge auf 50 Prozent.

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Von

dpa

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