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31.01.2014

10:34 Uhr

E-Commerce = Online-Versandhandel = Interaktiver Handel?

Einzelhandel enttäuscht, E-Commerce brummt

VonCarina Kontio

Es gibt neue Zahlen zum vergangenen Weihnachtsgeschäft. Die einen müssen herbe Rückschläge verkraften, bei den andren knallen die Sektkorken. Doch es ist Vorsicht geboten bei der Interpretation der Daten.

Ein prächtiger Weihnachtsbaum ist im Einkaufszentrum „Allee-Center“ in Magdeburg zu sehen: Die Weihnachtszeit lockt immer weniger Menschen in die Geschäfte. dpa

Ein prächtiger Weihnachtsbaum ist im Einkaufszentrum „Allee-Center“ in Magdeburg zu sehen: Die Weihnachtszeit lockt immer weniger Menschen in die Geschäfte.

DüsseldorfHerber Rückschlag für die deutschen Einzelhändler: Ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft sind ihre Umsätze kräftig gefallen. Im Dezember hatten sie 2,3 Prozent weniger in den Kassen als im Vormonat. „Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009“, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Preisbereinigt fiel das Minus mit 2,5 Prozent sogar noch größer aus. Ökonomen hatten hier eigentlich mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet.

Auch im Vergleich zum Dezember 2012 liefen die Geschäfte schlecht. Hier schrumpfte der Umsatz um 1,4 Prozent. Dabei fiel der Rückgang bei Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit 6,7 Prozent besonders groß aus. Hier könnte die Pleite der Baumärkte Praktiker und Max Bahr eine Rolle gespielt haben. Den größten Zuwachs gab es in Apotheken sowie mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten mit 6,1 Prozent.

Auch der Deutsche Handelsverband (HDE) veröffentlichte heute frische Daten. Demnach steigerten die Händler im November und Dezember ihre Erlöse – und zwar im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent auf 79,8 Milliarden Euro. Die Branche, so heißt es, hatte ein viermal so großes Plus angepeilt.

Immerhin gibt es eine gewisse Einigkeit, was den gesamten Umsatz für 2013 anbelangt: Laut Statistischem Bundesamt setzte der deutsche Einzelhandel 1,4 Prozent mehr um. Das war der vierte Anstieg in Folge. Er fiel aber schwächer aus als 2012 (+2,0 Prozent), 2011 (+2,7) und 2010 (+2,5). Laut HDE hat es bei den deutschen Einzelhändlern 2013 ein Plus von 1,1 Prozent gegeben.

Anders als im stationären Handel können sich die E-Commerce-Umsätze im vergangenen Weihnachtsgeschäft sehen lassen, denn – verglichen mit den Vorjahren – der Online-Handel konnte ein sattes Wachstum registrieren. So machte die Branche laut Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) im Weihnachtsgeschäft einen Gesamtumsatz mit Waren von 10,3 Milliarden Euro – ein Wachstum von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damals verzeichnete die Branche einen Umsatz in Höhe von 8,3 Milliarden und der E-Commerce-Anteil lag bei 5,5 Milliarden.

Was den Deutschen beim Online-Shopping wichtig ist

Zahlungsmethode

„Die von mir bevorzugte Zahlungsmöglichkeit aus­wählen zu können“ nennt mit 87 Prozent eine über­wältigende Mehrheit der Deutschen als wesentliche Anforderung beim Online-Einkauf. Die klassische Rechnung ist dabei nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Paypal und Lastschrift/Bankeinzug stehen ebenfalls hoch im Kurs.

Retouren

Unkomplizierte Rücksendemöglichkeiten fordern 80 Prozent der Befragten von ihren Online-Händlern.

Tempo

Besonders geduldig sind die Deutschen nicht, wenn es um ihre Online-Einkäufe geht. Eine schnelle Lieferung ist 80 Prozent der Befragten wichtig.

Lieferkosten

Am besten umsonst: 77 Prozent der Befragten fordern eine kostenlose Lieferung ihrer Ware.

Schnäppchenjäger

Auf das Gefühl, den besten Preis gefunden zu haben, legen 77 Prozent der deutschen Online-Shopper Wert.

Transparenz

75 Prozent der Befragten in Deutschland ist eine transparente Darstellung der Lieferbedingungen wichtig.

Informationen

Die Auswahl an Produkten im Online-Handel ist enorm. Über das gesamte Angebotsspektrum wollen sich 74 Prozent der Befragten gut informiert fühlen.

Produktpräsentation

Vor allem wer viel Geld dafür ausgibt möchte sich die Ware vorher ganz genau ansehen – und das nicht nur im Laden sondern auch online. Eine anschauliche Darstellung des Produkts ist 64 Prozent der Befragten wichtig.

Versandunternehmen

Dass das Versandunternehmen ihm bekannt ist bzw. dass er es vertrauenswürdig findet, erwarten 62 Prozent der deutschen Online-Einkäufer. Elf Prozent der Befragten machen den Einkauf sogar vom Versandunternehmen abhängig. Konkret möchten 30 Prozent der Online-Shopper in Deutschland von DHL beliefert werden, 13 Prozent nannten Hermes.

Nachverfolgung

Sie wollen ganz genau wissen wann ihre Ware wo ist, und wann sie sie endlich in den Händen halten können. 61 Prozent der Befragten wollen daher die Möglichkeit haben, ihre Sendung online nachzuverfolgen.

Flexibilität

Flexible Lieferung ist für 51 Prozent der Befragten wichtig. Wunsch-Lieferkonzepte stehen dabei hoch im Kurs. Jeder Fünfte möch­te wählen können, wo und wann sein Paket zugestellt wird – beispiels­weise bei einem Nachbarn, einer Packstation oder an einem bestimmten Wunschtag. Jeder Vierte der befragten Online-Shopper ist als Kunde bei einer DHL-Packstation registriert.

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Der E-Commerce-Anteil im Weihnachtsgeschäft 2013 lag bei 8,5 Milliarden Euro – das entspricht einem Wachstum von 54,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Davon kann der rein stationäre Handel nur träumen. Sogar die Prognosen der Experten wurden übertroffen. Der BVH hatte eigentlich nur mit 9,7 Milliarden Euro im Weihnachtsgeschäft gerechnet und der E-Commerce-Anteil wurde mit 7,8 Milliarden Euro prognostiziert.

Am häufigsten wurde Bekleidung im Netz gekauft (2,4 Milliarden Euro), gefolgt von Büchern (1,1 Milliarden Euro), Unterhaltungselektronik und Elektro-Artikel (790 Millionen Euro) und Spielwaren (342,7 Millionen Euro). Mit Schmuck und Uhren wurden 207,5 Millionen Euro eingenommen.

Wichtig bei allen Zahlen zum Thema E-Commerce ist allerdings die Trennschärfe, denn auch andere Verbände wie der Handelsverband Deutschland und das Institut für Handelsforschung veröffentlichen Studien zum Online-Weihnachtsgeschäft. Und: Da kommt jeder Verband am Ende auf andere zahlen. Laut Experten liefert der BVH immerhin die zuverlässigsten Daten.

Kommentare (18)

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31.01.2014, 08:46 Uhr

Ich hatte nichts anders erwartet, trotz der "Jubelrufe" in der Vorweihnachtszeit. Ist jedes Jahr das geliche Spiel. Wer mit offenen Augen durch die Innenstädte ging, hat gesehen, daß zwar viele Menschen unterwegs waren, aber nur wenige mit Tüten bestückt. Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, weiß, daß die Menschen immer weniger Geld in der Tasche haben.

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31.01.2014, 08:55 Uhr

Es ist schon seltsam.Da schwafeln die sogenannten Konsumforscher vom Konsumrausch und nachher tritt genau das Gegenteil ein.Wer bezahlt einfach diese Kaffeesatzleser? Das schöne an diesen ganzen Zahlen ist doch, das man sie deuten kann wie man es braucht.Nichts als Realitätsfremde Zahlenkasper!

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31.01.2014, 09:24 Uhr

...eine gute Wirtschaftspostille würde mal ein Diagramm veröffentlichen, in dem die Verläufe Einzelhandelsumsätze/GfK Konsumklimaindex dargestellt werden. Die Erkenntnis wäre eindeutig. Aber das HB sieht keine Notwendigkeit ! Warum nur ?

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