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09.09.2015

16:35 Uhr

Easyfoodstore.com

Der britische Aldi-Jäger

VonCarsten Herz

Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou will in Großbritannien den erfolgreichen deutschen Discountern wie Aldi und Lidl Konkurrenz machen. Der Selfmade-Milliardär gründet Billig-Unternehmen in Serie.

Der Gründer von Easyjet überträgt das Billigkonzept erfolgreich auf andere Branchen. ap

Multiunternehmer Stelios Haji-Ioannou

Der Gründer von Easyjet überträgt das Billigkonzept erfolgreich auf andere Branchen.

LondonDie Fassade ist aus Waschbeton, der etwas vergilbte Eingang wirkt wenig einladend. Heruntergekommene Wohnhäuser wechseln sich hier mit kleinen Läden und unscheinbaren Bürogebäuden ab. Nichts deutet darauf hin, dass der Zweckbau in der Addiscombe Road im Londoner Stadtteil Croydon anders wäre als die Häuser in der Nachbarschaft. Doch was sich im Inneren des Gebäudes am Stadtrand der britischen Hauptstadt verbirgt, hat zumindest nach dem Willen seines Gründers das Zeug, den britischen Einzelhandel aufzumischen: „Easyfoodstore.com“ steht in leuchtendem Orange über dem Laden, in dem auf schlichten blauen Regalen ein überschaubares Sortiment an Lebensmitteln feilgeboten wird – dies allerdings bisher lediglich zu Demonstrationszwecken.

Noch ist der Laden ein sogenannter Mock-up-Store, ein Testladen, der jedoch schon bald zur Realität werden soll. Denn Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou hat nach langem Zögern beschlossen, mit einer eigenen Marke den deutschen Discountern auf der britischen Insel Konkurrenz zu machen.

Der neue Aldi-Jäger nennt sich schlicht einen „Serien-Unternehmer“. Der Gründer der Fluggesellschaft Easyjet, Stelios Haji-Ioannou, hat schon so manches in seinem Leben ausprobiert. „Ich bin ein Getriebener und muss immer neue Firmen gründen“, sagte der griechisch-zyprische Selfmade-Milliardär einmal in einem Interview.

Nach dem Vorbild des inzwischen größten britischen Billigfliegers, an dem er immer noch eine Minderheit hält, versucht der kräftige Mann mit den kurzen Haaren, seitdem auch andere Branchen „billig“ zu machen. Mit der Marke „Easy“ ist Haji-Ioannou mittlerweile etwa im Hotel- und Gastgewerbe, bei Autovermietungen, dem Immobilienmarkt sowie Fitnessstudios vertreten. Doch nun hat er eine neue Sparte entdeckt, die er mit seinem Billigkonzept verändern will: den britischen Einzelhandel.

Billiger als günstig. „Nur günstige Lebensmittel, keine teuren Marken“, steht groß in weißer Schrift auf orangenem Grund über den Regalen in London-Croydon. Die Grundidee hinter der geplanten Supermarktkette bleibt die alte: Haji-Ioannou will mit seinem neuen Supermarktkonzept den Verkauf von Lebensmitteln in Großbritannien deutlich günstiger als bisher gestalten. Die Preise in seinen Läden, so verspricht der Multiunternehmer, sollen bei durchschnittlich 50 Pence liegen, das sind umgerechnet 70 Cent.

Entsprechend übersichtlich wird das Sortiment sein. Lediglich rund 100 Produkte will die neue Kette anbieten – alles No-Name-Artikel, die allerdings preislich deutlich unter dem liegen sollen, was die Wettbewerber verlangen. Die Läden solle im Franchisekonzept betrieben werden. In der Logistik setzt der Gründer auf Direktbelieferung durch die Industrie, um damit Kosten einzusparen.

Der deutsche Discounter ist in Großbritannien erfolgreich. Das zieht heimische Nachahmer an. Reuters

Aldi-Filiale in London

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„Wir haben zwei Sorten Kaffee, aber keinen Nescafé“, erklärte Haji-Ioannou gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“ das Konzept. Im Easyfoodstore gebe es zwar Cola, aber eben keine Marken-Coca-Cola, sondern ein No-Name-Produkt. Um Nachteile bei den Einkaufskonditionen wettzumachen, sollen die Öffnungszeiten kurz und das Lohnniveau für das Ladenpersonal niedrig ausfallen. „Wir sind sehr funktional. Es gibt keine teuren Marken, sondern nur Produkte zu ehrlichen Preisen“, rührt Sprecher Richard Shackleton bereits die Werbetrommel. Doch noch ist die neue Kette bisher vor allem eines: ein Konzept des Seriengründers.

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