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20.01.2011

09:41 Uhr

Easyjet-Chefin

Der Kampf der Carolyn McCall

VonNils Rüdel

Unpünktliche Maschinen, verzweifelte Hotline-Anrufer und ein renitenter Großaktionär: Für ihren Job als Chefin des Billigfliegers Easyjet ist Carolyn McCall kaum zu beneiden. Die Managerin, die heute frische Zahlen vorlegte, hat seit ihrem Amtsantritt vieles in Bewegung gesetzt. Doch die Luft wird dünn.

Easyjet-Chefin McCall: "Eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt". dpa

Easyjet-Chefin McCall: "Eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt".

DÜSSELDORF. Man kann sich eine freundlichere Begrüßung vorstellen. Als im März vergangenen Jahres bekannt wurde, dass die Medienmanagerin Carolyn McCall im Juli die neue Chefin von Easyjet werden sollte, ging der Aktienkurs des britischen Billigfliegers in die Knie. Und noch einmal, als sich McCall kurze Zeit später zum ersten Mal zu ihrem neuen Job äußerte.

Die Branche war skeptisch: Ist die Chefin des "Guardian"-Verlags GMG, die bis dato fast ein Vierteljahrhundert lang Zeitungen verkaufte, die richtige Besetzung für eine Airline im immer härter werdenden Konkurrenzkampf? Kann sie sich behaupten gegen Schwergewichte wie British-Airways-Boss Willie Walsh oder den stets auf Krawall gebürsteten Michael O'Leary von Ryanair, der schon mal öffentlich Konkurrenten zum Ringkampf auffordert? Und schließlich: Kann sie ihren Großaktionär Sir Stelios Haji-Ioannou in die Schranken weisen, der, vorsichtig ausgedrückt, als schwierig gilt?

Der neue Job sei "eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt", sagte McCall, und machte sich ans Werk. Die Bilanz der 49-Jährigen, die in Indien und Singapur aufwuchs, kann sich nach einem halben Jahr sehen lassen. Der Aktienkurs kletterte seit McCalls Amtsantritt um 16 Prozent. Die Fluglinie aus dem englischen Luton hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich - Gewinn und Umsatz legten zweistellig zu - und macht den anderen Airlines Passagiere abspenstig.

Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres legte der Umsatz noch einmal um 7,5 Prozent auf 654 Millionen Pfund zu, die Passagierzahlen stiegen um fast neun Prozent auf 11,9 Millionen, wie die Fluglinie am Donnerstag mitteilte. Im ersten Halbjahr werde allerdings ein Verlust anfallen, der sich wegen steigender Ölpreise und schneebedingter Flugausfälle verdoppeln soll.

Dennoch: Selbst den renitenten Großaktionär, der sich einfach nur Stelios nennen lässt, hat McCall vorerst beruhigen können. Der schwergewichtige Zypriote hat Easyjet einst gegründet, lange selbst geleitet und besitzt zusammen mit seiner Familie 38 Prozent der Anteile. Stelios, der über die Easy-Gruppe mit einem Bauchladen von Hotels über Kreuzfahrten bis zu Mietwagen herrscht, hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er wollte: Bares.

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