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04.03.2014

08:25 Uhr

Easyjet-Chefin McCall

„Germanwings wird nicht mithalten können“

ExklusivAb Ende März tritt Easyjet in Hamburg direkt gegen die Lufthansa-Tochter Germanwings an. Easyjet-Chefin McCall wagt eine Kampfansage an die Deutschen: Die Lufthansa wisse nicht, wie man auf der Kurzstrecke Geld verdient.

Easyjet-Chefin Carolyn McCall: Die ehemalige Medienmanagerin stellt mit ihrer Airline Ryanair immer öfter in den Schatten – und attackiert jetzt die Germanwings. dpa

Easyjet-Chefin Carolyn McCall: Die ehemalige Medienmanagerin stellt mit ihrer Airline Ryanair immer öfter in den Schatten – und attackiert jetzt die Germanwings.

LondonDer größte britische Billigflieger Easyjet bläst mit der Eröffnung einer Basis in Hamburg Ende März zur Attacke auf die Lufthansa in deren Heimatmarkt. „Ich habe keine Zweifel, dass wir mit Air Berlin und Germanwings in allen Belangen mithalten können – und wir dieses Jahr zum deutlich stärkeren Wettbewerber für die Lufthansa werden“, sagte Easyjet-Chefin Carolyn McCall der Digitalzeitung Handelsblatt Live (Dienstagmorgenausgabe).

„Klassische Airlines wissen nicht, wie man Geld auf der Kurzstrecke verdient – sie wissen das nur für Premium-Langstrecken-Flüge“, sagte die Vorstandschefin. Kurzstrecke gehöre nicht zu deren Stärken, weil sie höhere Kosten und eine viel komplexere Struktur hätten, das gelte selbst für deren Billigflug-Töchter. So habe Easyjet eine viel günstigere Kostenstruktur als die Lufthansa-Billigtochter Germanwings, die nach wie vor operative Verluste macht. „Es ist sehr schwer, das Billigflug-Modell zu kopieren, wenn man es nicht in seiner DNA hat“, sagte McCall. „Sie werden nicht mit uns mithalten können, da bin ich mir sicher.“

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Die einzige weibliche Vorstandschefin einer börsennotierten Fluglinie in Europa rechnet mit einer großen Kräfteverschiebung im europäischen Luftverkehr. „In den nächsten Jahren wird die überwiegende Mehrzahl des Luftverkehrs in Europa von Billigfliegern übernommen werden“, sagt die 52-Jährige voraus. Nicht alle Fluggesellschaften in Europa würden dem harten Preiskampf standhalten. „Ich bin sicher, dass wir mehr Kooperationen in den nächsten Jahren in Europa sehen werden und mehr Konsolidierung in der Luftfahrtbranche.“

Es ist eine Kampfansage an den neuen Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der im Mai das Ruder bei Deutschlands größter Airline übernimmt. Easyjet ist die Nummer zwei unter Europas Günstiganbietern und hatte den irischen Rivalen Ryanair mit einem Gewinnplus von 51 Prozent zuletzt deutlich in den Schatten gestellt.

Klare Worte findet McCall auch für die Probleme am neuen Berliner Großflughafen BER. „Ich muss zugeben, dass die Probleme in Berlin eine wirkliche Schande sind“, klagt die Top-Managerin. Bislang hat die britische Airline ihre einzige deutsche Basis auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld, wo sie der dominierende Anbieter ist. Ursprünglich hatte Easyjet jedoch ihre Berlin-Basis bereits auf den neuen Berliner Flughafen BER verlegen wollen, für den es immer noch keinen Eröffnungstermin gibt.

Die Britin verliert angesichts des Krisenmanagements am neuen Airport nun allmählich die Geduld. „Wir brauchen mehr Klarheit über die Öffnungspläne für BER“, verlangt McCall. Berlin könne seine Probleme mit dem Flughafen nicht auf den Rücken der Fluggesellschaften lösen. Die Unsicherheit schaffe keine Basis, um den Luftverkehr in Berlin zu entwickeln.

„Handelsblatt Live“ ist eine dreimal täglich aktualisierte Digitalzeitung, die über eine App für iPad und Android verbreitet wird. Das vollständige Interview mit Easyjet-Chefin Carolin McCall lesen Sie in unserer digitalen Tageszeitung.

Von

hz

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

04.03.2014, 10:03 Uhr

Ohne ein Grüner zu sein, halte ich Billig Airlines für verkehrs- und umweltpolitisch für einen Supergau.

Dennoch muss man ihr zustimmen, der Dilletantismus am BER ist eine Schande. Genauso wie es eine Schande ist, dass es wohl Nachtflugverbote geben wird, anstand die Chance für ein Drehkreuz mit Güterverkehr nach Osteuropa zu schaffen, die Region könnte die damit verbundenn Arbeitsplätze gut gebrauchen, die 100.000 Menschen die davon negativ betroffen sind, halte ich für akzeptabel, im Großraum Berlin und Speckgürtel leben schließlich ca. 5 Mio. Menschen.

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04.03.2014, 11:07 Uhr

Natürlich wird esayjet den Fluggesellschaften Germanwings und Air Berlin das Leben sehr schwer machen. Allein die Lohnkosten werden Air Berlin und Germanwings auffressen. Auf die Gewerkschaften mit ihren Forderungen kann esayjet sich verlassen.Die Gewerkschaften fordern und streiken die Konkurrenten von esayjet in den Ruin. Esayjet nutzt den Europäischen Markt, der für die Gewerkschaften ein dunkles Geheimnis ist.

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04.03.2014, 11:17 Uhr

die immer größere Geizmentalität hat und wird noch viele Arbeitsplätze in Deutschland abschaffen....

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