Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.11.2015

15:13 Uhr

Easyjet feiert Jubiläum

Warum die billigen Briten so erfolgreich sind

VonCarsten Herz

Während Air Berlin ums Überleben kämpft, eilt der britische Billigflieger Easyjet zum 20jährigen Jubiläum von Rekord zu Rekord. Ein Erfolg, der vor allem auf einem klaren Geschäftsmodell beruht.

Zum Schrecken der etablierten Konkurrenz entwickelt. AFP

Easyjet-Flieger hebt ab

Zum Schrecken der etablierten Konkurrenz entwickelt.

LondonDie große Show ist nicht die Sache von Carolyn McCall. Die Vorstandschefin des größten britischen Billigfliegers Easyjet gibt sich britisch zurückhaltend und stets bis in die Spitzen ihrer schulterlangen, brünetten Haare seriös. Doch anlässlich der Feier des 20jährigen Jubiläums der Airline greift auch die die 53-Jährige in die Vollen.

Eine große Bühne ist in einem Hangar am Airport London-Luton aufgebaut, Crewmitglieder aus vielen europäischen Ländern schreiten unter den Klängen lauter Rockmusik auf einem Laufsteg zum Podium und selbst die nüchterne McCall wird etwas pathetisch. „Die Art zu Fliegen hat sich in den letzten zwanzig Jahren grundsätzlich gewandelt“, ruft sie den versammelten rund 400 Gästen zu. „Und diese Revolution hat nur wenige Meter von hier begonnen“, fügt sie mit Blick auf die Easyjet-Firmenzentrale am Airport hinzu.

Das sind die beliebtesten Billigflieger Deutschlands

10. Aer Lingus

Starts pro Woche: 69 (Veränderung zum Vorjahr: -2,8 Prozent)

Sitze: 11.616 (-6,0 Prozent)

Strecken: 7 (-12,5 Prozent)

9. Flybe

Starts: 74 (-3,9 Prozent)

Sitze: 6.210 (-3,5 Prozent)

Strecken: 8 (0,0 Prozent)

8. Norwegian

Starts: 89 (-2,2 Prozent)

Sitze: 16.516 (+ 0,5 Prozent)

Strecken: 27 (0,0 Prozent)

7. Intersky

Starts: 112 (+36,6 Prozent)

Sitze: 7.272 (+37,9 Prozent)

Strecken: 17 (+30,8 Prozent)

6. Vueling

Starts: 121 (+3,4 Prozent)

Sitze: 21.524 (+3,6 Prozent)

Strecken: 22 (+10,0 Prozent)

5. Wizz

Starts: 146 (+52,1 Prozent)

Sitze: 26.280 (+52,1 Prozent)

Strecken: 45 (80,0 Prozent)

4. Easyjet

Starts: 483 (+12,3 Prozent)

Sitze: 78.276 (+12,7 Prozent)

Strecken: 82 (+20,6 Prozent)

3. Ryanair

Starts: 630 (+12,1 Prozent)

Sitze: 119.070 (+12,2 Prozent)

Strecken: 169 (0,0 Prozent)

2. Germanwings

Starts: 2.174 (+11,6 Prozent)

Sitze: 290.356 (+16,0 Prozent)

Strecken: 310 (+7,3 Prozent)

1. Air Berlin

Starts: 2.212 (-2,2 Prozent)

Sitze: 329.606 (-5,6 Prozent)

Strecken: 134 (-2,9 Prozent)

Zahlen für Juli 2015. Quelle: DLR Low Cost Monitor 2/2015

Es ist ein Jubelauftritt, den sich die Britin allerdings leisten kann. Denn zusammen mit Ryanair hat sich Easyjet in den vergangenen Jahren zum Schrecken der etablierten Konkurrenz entwickelt.

Billig, aber erfolgreich. Die Feier in der Easyjet-Firmenzentrale markiert nicht nur das neue Selbstbewusstsein der europäischen Billigflieger. Sie ist auch eine Kampfansage an die deutsche Konkurrenz von Lufthansa und Air Berlin. Denn die britische Fluglinie, die inzwischen 60 Millionen Passagiere pro Jahr befördert, hat ein klares Ziel: In Europa weiter massiv zu wachsen – und das im Zweifelsfalle auch auf Kosten der etablierten Wettbewerber.

Denn längst haben die Briten nicht mehr nur den Schnäppchenjäger als Kunden im Visier. Auch Geschäftsleute werden inzwischen unverhohlen von den Briten umworben. Doch der Erfolg, der Airline, die in den letzten Jahren von Rekord zu Rekord eilt, liegt vor allem in einem klaren Geschäftsmodell begründet.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: „Wir sind ein bisschen wie Aldi und Lidl“

Ryanair-Chef Michael O'Leary

Premium „Wir sind ein bisschen wie Aldi und Lidl“

Billigflieger Ryanair will in Deutschland angreifen. Im Interview spricht Ryanair-Chef Michael O'Leary über seine Expansionspläne, die Probleme von Air Berlin – und eine mögliche Zusammenarbeit mit der Lufthansa.

„SleazyJet“ (Schleimiger Jet) spotteten viele 2010, als McCall die Fluggesellschaft übernahm, über die notorisch unpünktliche Airline: fast die Hälfte der Flüge erreichte damals das Ziel mit größerer Verspätung. Doch die Branchenfremde, die zuvor Managerin des britischen Medienhauses „Guardian“ war, krempelte Easyjet um und drehte das Geschäftsmodell in Richtung Edeldiscounter: Sie führte Sitzplatzreservierung gegen Gebühr ein, lockte Geschäftsreisende mit gegen Aufpreis flexibel umbuchbaren Tickets und pochte auf freundlicheren Service – aber all das zu weiter günstigen Preisen.

Mit Erfolg: Zwischen 2010 und 2014 stieg die Zahl der Easyjet-Passagiere um rund ein Drittel und die Marktkapitalisierung der Airline ist heute mit 9,85 Milliarden Euro höher als die der Lufthansa.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×