Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.11.2015

07:46 Uhr

Edeka-Anhörung

Rewe und Tengelmann – zwei Intimfeinde

VonChristoph Kapalschinski

Rewe-Chef Alain Caparros will mit allen Mitteln verhindern, dass Rivale Edeka die Tengelmann-Märkte bekommt. Daher bessert er einen vergifteten Vorschlag nach. Zwei Manager bekämpfen sich öffentlich. Eine Analyse.

Der Vorstandsvorsitzende der Rewe Group, Alain Caparros, will die Übernahme von Tengelmann durch Edeka verhindern. dpa

Caparros

Der Vorstandsvorsitzende der Rewe Group, Alain Caparros, will die Übernahme von Tengelmann durch Edeka verhindern.

BerlinTengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bat die Anwesenden im Eichensaal des Bundeswirtschaftsministeriums, zum Gedenken an die Pariser Anschläge aufzustehen. Dabei war nicht etwa er der Hausherr, sondern Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Der Politiker hatte am Montag zur Anhörung gebeten

Denn: Haub wünscht sich von Gabriel die Erlaubnis, seine verlustträchtige Supermarktkette Kaiser's Tengelmann an den Marktführer Edeka verkaufen zu dürfen – gegen das Veto des Bundeskartellamts. Härtester Widersacher im Kampf um die Genehmigung ist Rewe-Chef Alain Caparros, ein gebürtiger Franzose. Und der fühlte sich prompt von Haubs Geste nach Paris provoziert: Am liebsten wäre er sitzengeblieben, schäumte der temperamentvolle Handels-Manager. 

Der Vorstandsvorsitzende von Edeka, Markus Mosa (links) und der Geschäftsführer von Kaisers/Tengelmann, Karl-Erivan Haub, im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. In einer öffentlichen mündlichen Verhandlung geht es um eine Ministererlaubnis für die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka dpa

Verhandlung

Der Vorstandsvorsitzende von Edeka, Markus Mosa (links) und der Geschäftsführer von Kaisers/Tengelmann, Karl-Erivan Haub, im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. In einer öffentlichen mündlichen Verhandlung geht es um eine Ministererlaubnis für die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka

Nach fünf Stunden Anhörung holte er zur Gegenprovokation aus: Noch am selben Abend könne Haub Tengelmann an Rewe verkaufen. Der Händler werde denselben Preis zahlen wie Edeka, aber anders als die Hamburger alle Arbeitsplätze für mindestens fünf Jahre erhalten und die Forderungen der Gewerkschaften nach Tariftreue und Mitbestimmung erfüllen. Ein vergiftetes Angebot – und Caparros weiß es.

Nicht umsonst hat sich Caparros im Haifischbecken Rewe durchgesetzt: Er ist mit allen Wassern gewaschen. Das Ziel seines Angebots ist, die Glaubwürdigkeit von Haub und dessen Partner, des Edeka-Chefs Markus Mosa, zu erschüttern. Denn beide behaupten, zur Übernahme von Tengelmann durch Edeka gebe es nur eine Alternative: die Zerschlagung mit dem Verlust der Hälfte der 16.000 Arbeitsplätze. Deshalb soll sich Wirtschaftsminister Gabriel über die Bedenken der Kartellwächter, Marktführer Edeka werde zu mächtig, hinwegsetzen. 

Caparros will unbedingt verhindern, dass Edeka – schon jetzt um zehn Prozentpunkte beim Marktanteil stärker – ihm komplett enteilt. Und er ist persönlich getroffen: Er schilderte, Haub, dem er über gemeinsames Wirken bei 1. FC Köln verbunden ist, habe ihm auf Nachfrage mehrfach versichert, keine konkreten Verkaufsabsichten zu pflegen, obwohl die Verhandlungen mit Edeka längst liefen. Caparros sieht sich getäuscht. 

Doch sein scheinbar so attraktives Angebot, denselben Preis wie Edeka zu zahlen und zugleich sämtliche Arbeitsplätze zu retten, ist irreal. Rewe müsste ebenfalls Probleme mit dem Kartellamt befürchten. Caparros bezweckt wohl nicht die Komplettübernahme: Er will, dass sich das Kartellamt mit seinem Kurs durchsetzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×