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16.11.2015

19:12 Uhr

Edeka, Kaiser's Tengelmann

Erlaubt Sigmar Gabriel die Fusion, oder nicht?

VonChristoph Kapalschinski

Die Chefs von Kaiser's Tengelmann und Edeka buhlen bei Wirtschaftsminister Gabriel um die Zustimmung für eine Fusion. Rewe-Chef Caparros will am liebsten noch am Abend die Kette selbst kaufen – und jeden Preis mitgehen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD, l.) nimmt an der öffentlichen Verhandlung im Ministererlaubnisverfahren von Edeka und Kaiser's Tengelmann teil. dpa

Das Ministererlaubnisverfahren

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD, l.) nimmt an der öffentlichen Verhandlung im Ministererlaubnisverfahren von Edeka und Kaiser's Tengelmann teil.

Berlin Kaiser's Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub gab sich im Eichensaal des Bundeswirtschaftsministeriums schwer emotional. „Mir fällt es schwer, nach den Ereignissen von Paris so unmittelbar in die Tagesordnung einzutreten.“ Die Anwesenden im gut gefüllte Saal kamen seiner Aufforderung nach, sich zum Gedenken der Opfer der Terroranschläge zu erheben. Danach leitete Haub zur Sache über – und stellte wiederum Gefühle in den Mittelpunkt.

„In unseren Supermärkten geht es überwiegend um Menschen“, sagte er. Daher habe seine Familie lange an den defizitären Geschäften festgehalten – und im Laufe von 15 Jahre rund eine halbe Milliarde Euro Verluste ausgeglichen. „Wir waren hier sicherlich viel zu emotional“, sagte Haub. „Die Dauersubventionierung schadet inzwischen auch den anderen Teilen unserer Gruppe.“

Die emotionale Pose nahmen dem Betriebswirt Haub im Eichensaal des Wirtschaftsministeriums nicht alle ab. Vor allem Rewe-Chef Alain Caparros griff erneut an - und brachte sich aggressiv als Alternative ins Spiel.

Zumindest der Streitpunkt ist klar: Das Bundeskartellamt hat den Kauf von Tengelmanns Supermärkten durch Edeka abgelehnt. Sie befürchten, Edeka werde noch mächtiger - und die Alternativen für Kunden und Zulieferer zu klein. Das sehen Haub und Edeka-Chef Mosa naturgemäß anders. Sie appellierten in Berlin an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), die seit Monaten andauernde Hängepartie zu beenden und eine Ministererlaubnis noch bis Jahresende zu erteilen.

Gabriel muss die Ablehnung der Kartellwächter dann kassieren, wenn die Gemeinwohlinteressen überwiegen. Die Kernfrage: Sichert der Deal Arbeitsplätze - oder zementiert er die Macht von Edeka im Handel so stark, dass bei Konkurrenten und Zulieferern Jobs verloren gehen?

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Für Mosa und Haub ist die Sache eindeutig: Die gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteile würden bei einer Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka deutlich überwiegen. Angesichts des Erhalts von 16.000 Jobs seien „alle Voraussetzungen“ für eine Sondererlaubnis des Ministers für den umstrittenen Deal gegeben. Dies sei ein typischer Fall.

Würde Kaiser's Tengelmann stattdessen zerschlagen, drohe der Verlust von 8000 Arbeitsplätzen, sagte Haub. Diese Erfahrung habe er bei früheren Verkäufen von anderen Unternehmensteilen gemacht. Damit hatte Tengelmann vergeblich versucht, die einst größte Supermarktkette in Deutschland zu retten. „Keiner hat so viele leidvolle Erfahrungen gemacht wie wir mit dem Teilverkauf von Filialnetzen“, sagte Haub. Die Gesamtübernahme sei Haubs persönliches Ziel. „Das schulde ich der sicherlich von uns enttäuschten Belegschaft.“

Weitere Kaufinteressenten wollten – anders als Edeka – dagegen die Zerschlagung. Haub kommt zu der Einschätzung: „Die Rosinenpicker haben sich schon wieder in Stellung gebracht – davon sitzen auch einige hier im Raum.“ Und: „Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel herrscht der weltweit härteste Wettbewerb, dem sich nicht mal Walmart stellen konnte.“

Auch Edeka-Chef Mosa wirbt für die Übernahme von Kaiser's Tengelmann als Ganzes. „Ich möchte feststellen, dass es eine Alternative zur Gesamtübernahme eben nicht gibt.“

Mit der Fusion würden alle 16.000 Arbeitsplätze rechtlich gesichert. Das entspreche auch dem Interesse der Länder.

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