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21.03.2012

18:56 Uhr

Einigung

Tarifstreit am Flughafen Frankfurt beendet

Nach monatelangem Streit ist der Tarifkonflikt zwischen dem Flughafenbetreiber Fraport und den Vorfeldmitarbeitern beigelegt. Auf dem Frankfurter Flughafen ist die Gefahr erneuter Streiks damit gebannt.

Ein Vorfeld-Mitarbeiter auf dem Frankfurter Flughafen. dpa

Ein Vorfeld-Mitarbeiter auf dem Frankfurter Flughafen.

Frankfurt.Zu Ostern droht an Deutschlands größtem Flughafen kein Verkehrschaos: Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat sich mit dem Frankfurter Flughafen auf einen neuen Tarifvertrag für die Vorfeldbeschäftigten geeinigt. „Der Tarifstreit am Frankfurter Flughafen ist damit vom Tisch“, sagte ein GdF-Sprecher am Mittwoch. Details zu dem Kompromiss für die 200 Angestellten sollten erst in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Der Flughafen-Betreiber Fraport bestätigte den Kompromiss. Es sei zu begrüßen, dass eine „definitive Einigung“ erzielt worden sei, sagte Fraport-Arbeitsdirektor Herbert Mai.

Die Vorfeld-Angestellten am Frankfurter Airport hatten im Februar mit Unterbrechungen zwei Wochen lang die Arbeit ruhen lassen - rund 1800 Flüge fielen aus. Beendet wurde der Streik erst von einem Gericht, dass den Arbeitskampf für illegal erklärte. Seitdem verhandelten beide Parteien über eine Lösung.

Die GdF war angetreten, um kräftige Lohnerhöhungen für die Vorfeld-Beschäftigten in Frankfurt durchsetzen. Deren Arbeit sei mit Eröffnung der vierten Landebahn am Flughafen vergangenen Oktober wesentlich anspruchsvoller geworden. Hauptforderung sei, die Gehälter in Frankfurt über die nächsten Jahre an das Niveau ihrer Kollegen in München anzugleichen. Diese hätten nur zwei Landebahnen zu betreuen, argumentierte die Gewerkschaft. Fraport hatte die Forderungen der GdF als überzogen abgelehnt - sie würden auf Gehaltserhöhungen um bis zu 70 Prozent hinauslaufen. Angaben zu Laufzeit und Höhe des Abschlusses machten die Tarifpartner nicht.

Die Berufsgruppen der Verkehrszentrale und Vorfeldkontrolle sollten das Münchner Tarifniveau erhalten, erklärte Fraport. Das Einkommen der Vorfeldaufsicht - also die Fahrer der „Follow Me“-Autos - liege bereits deutlich über diesem Niveau, weshalb es hier keine Erhöhungen gebe. Genau das war aber lange Zeit eine der Kernforderungen der Arbeitnehmervertreter.

Trotz des zähen Arbeitskampfes gelang es der GdF nicht, den Großflughafen mit 70.000 Mitarbeitern komplett lahmzulegen. Die Gewerkschafter waren davon ausgegangen, dass ohne ihre 200 Mitglieder gar nichts mehr geht. Fraport hatte sich auf den Streik jedoch schon lange vorbereitet und durch einen Notbetrieb die meisten Flüge abgewickelt. Der Versuch der GdF, die ebenfalls bei ihr organisierten Fluglotsen zu einem Solidaritätsstreik zu bewegen und so den Druck auf Fraport zu erhöhen, wurde von einem Richter unterbunden. Auf die kleine Spartengewerkschaft GdF könnten nun hohe Schadenersatzforderungen zukommen.

Die Lufthansa, die rund 60 Prozent der Flüge von und zum Frankfurter Airport bestreitet, beklagte, dass sich Passagiere wegen der Streiks mit Buchungen zurückhielten. Fraport will nach früheren Aussagen Schadenersatz von etwa vier bis sechs Millionen Euro von der Gewerkschaft fordern. Der zähe Arbeitskampf hat auch eine politische Debatte über die große Macht von kleinen Spartengewerkschaften wie der Pilotenvereinigung Cockpit, der Lokführerorganisation GDL oder eben der GdF entfacht. Politiker und Arbeitnehmervertreter fordern vehement Beschränkungen. Das wird aber nicht einfach: Das Bundesarbeitsgericht hatte den Spielraum der Spezialgewerkschaften mit einer Entscheidung ausgeweitet und 2010 den Grundsatz „Ein Betrieb - Eine Gewerkschaft“ aufgehoben.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.03.2012, 18:29 Uhr

Die Hilfsarbeiter bekommen also einen Tarifvertrag.
Fraport hätte sie alle entlassen sollen.
Ebenfalls hätten Fraport und Lufthansa die GdL auf Schadenersatz verklagen sollen, das hätte sie nie überlebt.
Aber sie denken ja noch darüber nach und das ist auch gut so.

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