Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2015

10:21 Uhr

Einkauf mit gutem Gewissen

Fairtrade wird zum Milliardengeschäft

Gerechte Löhne für Kleinbauern, Projekte für arme Länder - beim Einkaufen Gutes zu tun hat Konjunktur. Fairtrade ist zum Milliardenmarkt geworden. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Oft werde auf den Packungen zu wenig über Herkunft informiert und Kunden erführen zu wenig davon, wenn Gemische aus fairer und konventioneller Ware angeboten würden.

Fairer Handel

Oft werde auf den Packungen zu wenig über Herkunft informiert und Kunden erführen zu wenig davon, wenn Gemische aus fairer und konventioneller Ware angeboten würden.

BerlinDie Likörgläser aus Swasiland stehen sauber aufgereiht im Ladenregal, über der Schokolade, deren Verkaufserlös in eine neue Brücke in der Dominikanischen Republik fließt. Nebenan liegen Stoff-Elefanten für Kinder - „in Indien von Frauen genäht, die von der Lepra geheilt wurden“, versichert die Verkäuferin, die hier ehrenamtlich arbeitet. In den Ein-Welt-Laden am Lausitzer Platz in Berlin kommen Kunden, die mit reinem Gewissen einkaufen wollen: Seit 1998 wird hier sogenannter fairer Handel getrieben - zwischen Café und Kapelle der Emmaus-Kirche, bei klassischer Musik.

Doch fairer Handel geht inzwischen auch anders: Ein paar Straßen weiter stehen im Neon-Licht eines Discounters Kekse, Wein und Rohrzucker mit Fairtrade-Siegel zwischen der konventionellen Ware: Bananen, Kaffee und Kinder-Jeans, bei denen Kunden nur mutmaßen können, wie es denen geht, die sie produziert haben.

Die größten Bio-Supermarktketten in Deutschland 2014

Platz 5

Ebl Naturkost betreibt 23 Läden in Deutschland. Das Unternehmen wurde 1994 gegründet.

Platz 4

Mit 25 Filialen ist die Bio-Supermarktkette Basic auf dem vierten Platz.

Platz 3

Den dritten Platz belegt Bio Company mit 44 Läden.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich Alnatura mit seinen Super Natur Märkten. In Deutschland hat das Unternehmen mehr als 80 Filialen – und will noch weiter expandieren.

Platz 1

Die größte Bio-Supermarktkette Deutschlands heißt Denn's. Hierzulande betreibt das Unternehmen 143 Filialen.

Seit dem vergangenen Jahr ist der faire Handel in Deutschland ein Milliardenmarkt: 1,027 Milliarden Euro - soviel haben die Bundesbürger für fair gehandelte Waren ausgeben. Längst treiben die Supermärkte und Discounter das Wachstum, während die Welt-Läden stagnieren. „Der faire Handel hat die ganz spezielle Nische verlassen, der erste Schritt in den Massenmarkt ist getan“, sagt der Mannheimer Unternehmensethiker Nick Lin-Hi. Langfristig sehe er aber ein ähnliches Potenzial wie im Bio-Segment.

Dafür rührt die Branche von diesem Freitag an die Werbetrommel mit ihrer jährlichen „Faireren Woche“ (11.-25. September). Kommt nach dem Bio-Boom der Fairtrade-Boom?

Geflügel-Industrie gelobt Besserung: „Wir wollen das beste Geflügelland der Welt sein“

Geflügel-Industrie gelobt Besserung

„Wir wollen das beste Geflügelland der Welt sein“

Die Geflügelfleisch-Produzenten wollen sich ein besseres Image verschaffen: Eine „Geflügel-Charta“ setzt Standards. Doch jeder in der Branche weiß: „Was da steht, ist ein geduldiger Text.“ Was bringt er wirklich?

Das dafür noch einiges zu tun ist, zeigt ein genauer Blick auf die Zahlen: Bio hatte die Milliarden-Schwelle schon in den 90er Jahren überschritten; heute ist das Segment nach Daten des Bunds ökologische Lebensmittelwirtschaft bei acht Milliarden Euro Umsatz. Und selbst das ist wenig gemessen an den Gesamtausgaben der Bundesbürger für Lebensmittel, die Marktforscher auf 250 Milliarden Euro beziffern.

Der faire Handel hat seinen Marktanteile zwar in nur drei Jahren verdoppelt. Pro Kopf und Jahr betragen die Gesamtausgaben nämlich nur 13 Euro - dafür bekommt man derzeit gut zwei Pfund Kaffee, das nach wie vor wichtigste Produkt des Segments. Ländern wie der Schweiz und Großbritannien hinke Deutschland noch deutlich hinterher. „Luft nach oben“, nennt Manuel Blendin das, der Geschäftsführer des Forum Fairer Handel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×