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19.10.2014

10:03 Uhr

Einschnitte bei Warenhauskette

Karstadt will unprofitable Kaufhäuser schließen

Ein Viertel aller Karstadt-Häuser steht vor der Schließung. Sie hätten kaum noch eine Perspektive, heißt es im Sanierungskonzept. Außerdem soll ein neuer Chef kommen. Die Wahl werten Experten als gutes Zeichen.

Umbau bei Karstadt: Der neue Eigentümer will eine Reihe von Filialen schließen. dpa

Umbau bei Karstadt: Der neue Eigentümer will eine Reihe von Filialen schließen.

BerlinDie 17.000 Mitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt müssen sich einem Zeitungsbericht zufolge auf Entlassungen und Kaufhausschließungen einstellen. Am kommenden Donnerstag solle dem Aufsichtsrat ein 100seitiges „Sanierungs- und Zukunftskonzept“ vorgelegt werden, berichtete die Zeitung „Bild am Sonntag“ vorab. 23 der 83 Warenhausfilialen seien von der Schließung bedroht, weil sie rote Zahlen schrieben und kaum noch eine Perspektive hätten. Doch viele dieser Standorte bekämen eine letzte Bewährungschance.
„Einen Kahlschlag mit der Machete wird es nicht geben, mögliche Entlassungen werden sozialverträglich umgesetzt. Aber ohne deutliche Einschnitte, gibt es kleinen Neuanfang“, zitierte die Zeitung einen Experten, der am Konzept mitgearbeitet habe.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Der neue Karstadt-Eigentümer, der österreichische Immobilien-Milliardär Rene Benko, wolle die verbleibenden Karstadt-Häuser in zwei Kategorien einteilen, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter. In „Erlebnishäuser“ mit Shopping-Entertainment in den größeren Städten und „Kaufhäuser der Stadt“ an kleineren Standorten, die den täglichen Einkaufsbedarf abdecken sollten.
Neuer Chef von Karstadt soll der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fanderl werden. Der Handelsexperte und ehemalige Rewe-Manager wolle sich bei der nächsten Sitzung des Kontrollgremiums am Donnerstag zur Wahl stellen, um den Sanierungskurs voranzutreiben, berichtete „Der Spiegel“. Fanderls Nachfolger solle sein Aufsichtsratskollege Wolfram Keil werden. Gemeinsam mit Keil solle Fanderl zudem in die Leitung der Signa Retail einsteigen, wo Benko die Karstadt-Premiumhäuser und die Karstadt-Sportgeschäfte gebündelt hat. Insider werteten die Nominierung Fanderls als ein klares Zeichen dafür, dass Benko langfristig im Handel mitmischen wolle, berichtet „Der Spiegel“ weiter.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

20.10.2014, 10:03 Uhr

Das ist der Dank an die Mitarbeiter. Sie verzichteten auf Teile ihrer Gehälter und andere Sozialleistungen wie Weihnachtsgeld, nur damit Sie sehr viel weniger Hartz IV erhalten. Was ist mit den Manager, die den Untergang herbei führten und dafür noch Prämien erhielten. Warum müssen Sie nicht die Differenz für die Mitarbeiter zahlen?

Herr Paul Ruhe

20.10.2014, 11:23 Uhr

Ich bin absolut kein Freund von Spekulanten wie Rene Benko und Berggrün, das sind eher Totengräber als Sanierer.
Die Topmanager waren unfähig und Versager.
Dennoch,die Belegschaft von Karstadt hat auch ihren Beitrag zum Untergang von Karstadt geleistet.
Eigene Feststellung, das Personal war desinteressiert, unfreundlich und frech.
Die Leistung der Gewerkschaften.......?
Wie will man so einen Laden am Leben erhalten?
Das kann keiner.
Gute Nacht, Karstadt.

Herr Dirk Becker

20.10.2014, 12:33 Uhr

Hartz IV Leistungen sind nicht an den vorhergehenden Lohn gekoppelt.

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