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17.07.2015

11:53 Uhr

Einstieg bei Benkos Signa

Niki Lauda fährt auf Karstadt ab

Der Chef von René Benkos Signa sorgt mit einer Aussage über einen möglichen Karstadt-Verkauft für Irritationen. Die Ansage von Niki Lauda hingegen ist klar: „Benko kann Karstadt drehen“. Der Ex-Rennfahrer steigt ein.

Der Ex-Rennfahrer und Airline-Gründer steigt bei René Benko ein. dpa

Niki Lauda

Der Ex-Rennfahrer und Airline-Gründer steigt bei René Benko ein.

WienDer österreichische Karstadt-Eigentümer Signa will nach den Worten eines Sprechers auf jeden Fall an der deutschen Warenhauskette festhalten. Die Interpretation einer Zeitung, dass Signa einen Weiterverkauf von Karstadt nicht ausschließe, sei falsch, sagte der Sprecher am Freitag.

Die Zeitung „Wirtschaftsblatt“ hatte berichtet, bei einem besonders guten Angebot würde Signa-Besitzer René Benko „wahrscheinlich“ über einen Verkauf nachdenken. „Letztlich hat alles seinen Preis“, war Signa-Chef Christoph Stadlhuber von der Zeitung zitiert worden. Der Firmensprecher betonte dagegen, Signa habe nicht vor, Karstadt zu verkaufen.

Der österreichische Investor René Benko hatte mit seinem Immobilienunternehmen Signa im vergangenen Jahr die Karstadt-Warenhäuser übernommen. Benko wollte danach auch den Konkurrenten Kaufhof übernehmen und damit die Idee einer deutschen Warenhaus AG wieder aufleben lassen. Dieser Plan scheiterte jedoch – den Zuschlag für die Metro-Tochter Kaufhof erhielt für 2,825 Milliarden Euro die kanadische Gruppe Hudson's Bay.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Die Signa-Handelssparte sehe sich nun nach anderen Zukaufsgelegenheiten um, sagte Stadlhuber der Zeitung: „Es ist noch nichts spruchreif, aber wir sondieren den Markt“. Bei Karstadt befinde man sich „mitten im Restrukturierungs- und Modernisierungsprozess“, so Stadlhuber.

Für die Sanierung der Warenhäuser holt sich Benko Schützenhilfe von Ex-Rennfahrer und Airline-Gründer Niki Lauda. Dieser beteilige sich über seine Privatstiftung mit zehn Prozent an der Signa-Handelssparte Retail GmbH und mit einem Prozent an der Signa Prime Selection, berichtete das Blatt.

„Ich bin überzeugt, dass Benko Karstadt drehen kann. Da kann er beweisen, was er kann“, sagte Lauda dem „Wirtschaftsblatt“. Zudem ziehe Lauda in den Beirat des Handelsgeschäfts ein. „Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, vor allem mit dem Airline-Geschäft, das nicht einfach ist“, sagte Lauda. Zum Einstiegspreis wollte er keine Angaben machen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Dirk Becker

17.07.2015, 12:41 Uhr

Beim Kaufhof ist das letzte Wort sicher nicht gesprochen.
Mal zwei, drei Jahre stillhalten, dann gibt's den Kaufhof
für knapp unter zwei Milliarden.

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