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28.11.2013

17:56 Uhr

Einstweilige Verfügung

Ritter Sport greift Stiftung Warentest frontal an

VonMartin Dowideit

Der Streit zwischen Ritter Sport und der Stiftung Warentest über die Note "mangelhaft" für eine Schokoladensorte geht in die nächste Runde. Das Unternehmen hat eine einstweilige Verfügung erwirkt.

Ritter Sport soll die Aromastoffe nach Angaben der Stiftung Warentest nicht ordnungsgemäß deklariert haben. Der Hersteller widerspricht. dpa

Ritter Sport soll die Aromastoffe nach Angaben der Stiftung Warentest nicht ordnungsgemäß deklariert haben. Der Hersteller widerspricht.

Waldenbuch/HolzmindenDer Schokoladenhersteller Alfred Ritter hat eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung Warentest erwirkt. Das Landgericht München I gab einem entsprechenden Antrag des Unternehmens statt, teilte der Hersteller von „Ritter Sport“ am Donnerstagabend mit. Damit ist den Verbraucherschützern zunächst untersagt, dem Unternehmen vorzuwerfen mit der Bezeichnung eines Aromas auf den Tafeln der Sorte „Voll-Nuss“ Verbraucher zu täuschen.

In einem Test von Nussschokoladen verschiedener Hersteller hatte die Stiftung das Aroma Piperonal in dem Ritter-Produkt gefunden. Im Zutatenverzeichnis ist dies als „natürliches Aroma“ ausgewiesen. Das Aroma werde jedoch in ausreichender Menge nicht natürlich hergestellt, so die Stiftung. Daher sei die Bezeichnung irreführend und der Verbraucher getäuscht worden. Daher wertete sie die „Voll-Nuss“ als „mangelhaft“, obwohl sie eigentlich ein „gut“ erreicht hatte. Ritter wies die Behauptung von Anfang an als unzutreffend zurück.

Aroma-Lieferant Symrise hatte die Position des Kunden mit einer eidesstattlichen Versicherung unterfüttert. Über die Details des Produktionsverfahrens, bei dem aus einer nicht näher bezeichneten Pflanze das Piperonal gewonnen werde, gab das Unternehmen jedoch bislang öffentlich keine Auskunft. Andere Schokoladenhersteller setzen ebenfalls Aroma ein und weisen dies meist als „Aroma (Vanillin)“ aus. Damit ist ein synthetisch hergestellter Aromastoff umschrieben. Die Lebensmittelgesetze schreiben vor, dass ein Aroma nur dann den Zusatz „natürlich“ tragen darf, wenn es aus auf herkömmlichen Wege aus einer Pflanze gewonnen werde. Piperonal kommt natürlich etwa in Tahiti-Vanille, Dill oder Pfeffer vor.

Der Vorwurf gegen das baden-württembergische Unternehmen beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Sie prüft, ob durch die Auszeichnung ein Gesetzesverstoß begangen wurde. Wie lange die Prüfung dauere, könne die Staatsanwaltschaft nicht abschätzen, so eine Sprecherin zu Handelsblatt Online.

Die Stiftung teilte am Abend mit, in jedem Fall Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen zu wollen. In der Regel sind Gerichte großzügig bei einstweiligen Verfügungen. Ob die Entscheidung Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.

Die größten Schokoladenhersteller weltweit (nach Umsatz 2012)

Platz 10

Yildiz Holding (Türkei)

Jahresumsatz im Jahr 2012: 2,2 Milliarden Dollar

Platz 9

August Storck KG (Deutschland)

Jahresumsatz: 2,27 Milliarden Dollar

Platz 8

Chocoladenfabriken Lindt & Sprüngli AG (Schweiz)

Jahresumsatz: 2,79 Milliarden Dollar

Platz 7

Ferrero Group (Italien)

Jahresumsatz: 5,63 Milliarden Dollar

Platz 6

Hershey Foods Corp. (USA)

Jahresumsatz: 6,46 Milliarden Dollar

Platz 5

Meiji Co Ltd. (Japan)

Jahresumsatz: 12,43 Milliarden Dollar

Platz 4

Nestlé SA (Schweiz)

Jahresumsatz: 12,81 Milliarden Dollar

Platz 3

Barcel SA, division of Grupo Bimbo (Mexiko)

Jahresumsatz: 14,1 Milliarden Dollar

Platz 2

Mondeléz International Inc. (USA)

Jahresumsatz: 15,48 Milliarden Dollar

Platz 1

Mars Inc. (USA)

Jahresumsatz: 16,8 Milliarden Dollar

Quelle: Fachzeitschrift Candy Industry

Für den mittelständischen Schokoladenhersteller hat die Entscheidung große Bedeutung, denn nicht nur die Sorte „Voll-Nuss“ erhält das Aroma Piperonal. In allen Sorten des Unternehmens, die Vollmilchschokoale beinhalten, steckt auch Piperonal. Vor etwa fünf Jahren hatte das Unternehmen alle Rezepturen auf rein natürliche Zutaten umgestellt. Am Abend griff Ritter die Stiftung Warentest in einer Mitteilung scharf an. Die Tester hätten dem Unternehmen vorab mitgeteilt, dass Piperonal gefunden worden sei. Der Schluss, dass dies chemisch hergestellt worden sei, teilte die Stiftung nicht mit. „Dies deutet darauf hin, dass es der Stiftung Warentest auf eine schlagzeilenträchtige Meldung ankam“, heißt es in der Erklärung Ritters.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

28.11.2013, 18:21 Uhr

Gut.
Eine Firma die, wenn ich mich recht erinnere, vor einigen Jahren an die Börse ging und ihr Geld damit verdient uns mit Chemie alles mögliche vorzugaukeln - diese versichert also: Neeeiiin, das ist ein Missvertändnis diesmal haben wir wirklich aus der Natur genommen. Es gibt zwar garnicht so viel davon, aber in DEINER Schokolade, das ist es drin, ja - wirklich.

Über die Sache ärgert man da sich schon fast weniger,
als über diese herablassende Dreistigkeit uns für so dumm zu halten.
Mfg Dieses-Weihnachen-mal-keine-Schokolade

Lutz

28.11.2013, 18:36 Uhr

Ich mache mir jetzt erstmal eine leckere Milka auf..... mjam...mjam....

Account gelöscht!

28.11.2013, 18:48 Uhr

Ich denke, das Schweineblut in den Schokoladen mit seinen chemisch-pharmazeutischen Inhaltsrückständen ist wohl eher bedenklich, als eins unter Hunderten Aroma-Hilfsstoffen, die in der ganzen Nahrungskette gebrauchsüblich sind.
Von der Nahrung her gesehen muß man sich sowieso damit trösten, daß wir alle nur Gast auf Erden sind.

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