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24.12.2015

14:03 Uhr

Einzelhandel 2016

Wird der Verbraucher der große Gewinner?

Das neue Jahr verspricht spannend zu werden für Deutschlands Einzelhändler. Amazon könnte den Lebensmittelhandel aufmischen. Ein mehr als hundert Jahre altes Traditionsunternehmen droht dagegen vom Markt zu verschwinden.

Firmenchef Stephan Fanderl will im Geschäftsjahr 2015/16 erstmals seit Jahren unter dem Strich wieder schwarze Zahlen schreiben. dpa

Karstadt

Firmenchef Stephan Fanderl will im Geschäftsjahr 2015/16 erstmals seit Jahren unter dem Strich wieder schwarze Zahlen schreiben.

DüsseldorfDeutschlands Einzelhandel ist im Umbruch. Der Online-Handel verändert die Spielregeln der gesamten Branche. Im Textilhandel schreitet der Siegeszug internationaler Ketten voran. Traditionsunternehmen kämpfen ums Überleben. Welche Trends werden das Jahr 2016 bestimmen? Welche bekannten Namen könnten verschwinden? Und was bedeutet das für die Verbraucher?

Die Warenhäuser: Ein großer Name allein garantiert schon lange keinen Erfolg mehr. Das musste in den vergangenen Jahren kaum ein Händler so schmerzhaft erfahren wie Karstadt. Doch im kommenden Jahr soll es wieder aufwärtsgehen mit dem Traditionsunternehmen. Firmenchef Stephan Fanderl will im Geschäftsjahr 2015/16 erstmals seit Jahren unter dem Strich wieder schwarze Zahlen schreiben. Dazu beitragen soll eine stärkere Regionalisierung des Angebots in den Warenhäusern.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Auch Konkurrent Kaufhof will unter dem neuen kanadischen Eigentümer Hudson's Bay Company neue Akzente setzen: Mehr Service und mehr Glanz, heißt die Zielrichtung. Sein Internet-Standbein will der Handelsriese kräftig ausbauen.

Der Lebensmittelhandel: Er ist bis jetzt eine der wenigen Handelssparten, die von den Umbrüchen des Online-Booms verschont blieben. Nur rund ein Prozent der Lebensmittelumsätze werden bisher über das Internet abgewickelt. Doch könnte 2016 das Jahr sein, in dem die Schonfrist für den Lebensmittelhandel endet.

„Amazon wird 2016 mit Sicherheit auch in Deutschland seinen Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh starten“, ist Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH), überzeugt. Damit könnte der Online-Gigant dem Internethandel mit Lebensmitteln spürbaren Auftrieb geben. „Wenn einer das Potenzial hat, hier einen Durchbruch zu erzielen, dann ist es Amazon“, sagt etwa Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Aus dem Straßenbild dürfte dagegen das älteste deutsche Lebensmittelhandelsunternehmen Kaiser's Tengelmann verschwinden. Die Supermärkte des 1867 gegründeten Familienunternehmens werden entweder von Edeka übernommen und umbenannt werden, oder die Kette wird zerschlagen. Eine Zukunft gebe es für die Kette angesichts tiefroter Zahlen nicht, beteuerte Eigentümer Karl-Erivan Haub.

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