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30.08.2011

00:00 Uhr

Einzelhandel

El Corte Ingles opfert Margen für Umsatz

VonAnne Grüttner

Europas umsatzstärkste Warenhauskette „El Corte Ingles“ leidet unter der Konsumkrise in Spanien und Portugal. Der Riese reagierte mit zahlreichen Angebotsaktionen, was die Margen drückte, aber immerhin den Umsatz stabilisierte.

El Corte Ingles-Firmenchef Isidoro Àlvarez konnte bei der Aktionärsversammlung in Madrid keine guten Nachrichten verkünden: Der Gewinn brach 2010 um 13,5 Prozent auf 319 Millionen Euro ein. dpa

El Corte Ingles-Firmenchef Isidoro Àlvarez konnte bei der Aktionärsversammlung in Madrid keine guten Nachrichten verkünden: Der Gewinn brach 2010 um 13,5 Prozent auf 319 Millionen Euro ein.

Madrid„El Corte Ingles“ spürt die Konsumkrise in Spanien und Portugal. Der Gewinn brach 2010 um 13,5 Prozent auf 319 Millionen Euro ein, so gab Firmenchef Isidoro Àlvarez bei der Aktionärsversammlung bekannt.

Auf die anhaltende Konsumzurückhaltung der von Arbeitslosigkeit und Überschuldung geplagten Familien reagierte der iberische Einzelhandelsgigant mit einem Dauerregen von viel beworbenen Angebotsaktionen, und musste dafür niedrigere Margen in Kauf nehmen. Immerhin konnte auf diese Weise der Umsatz stabilisiert werden, der mit 16,4 Milliarden Euro nur um 0,3 Prozent höher ausfiel als im Vorjahr. Das ist ein Fortschritt im Vergleich zu den beiden Vorjahren, als die Verkäufe stark eingebrochen waren.

Besonders stark innerhalb der Gruppe litten die Hypermärkte „Hipercor“, sowie die Marke Opencor, die 18 Stunden an sieben Tagen in der Woche geöffnet ist und dafür etwas höhere Preise hat. Das Mutterhaus El Corte Ingles mit den gleichnamigen Kaufhäusern, das noch rund 60 Prozent des Gruppenumsatzes ausmacht, hielt sich dagegen mit einem Verkaufsrückgang nur 0,4 Prozent relativ stabil.

„Das Unternehmen hat das Jahr mit einer leichten Erhöhung seines Marktanteils, einem gesteigerten Umsatz, gleichbleibenden Investitionen und vor allem mit der Beibehaltung aller Beschäftigten abgeschlossen“, erklärte der langjährige Präsident der Gruppe, Isidoro Àlvarez. Das Unternehmen stellte letztes Jahr sogar 1147 Leute mehr ein und kommt insgesamt auf knapp 103 000 Mitarbeiter. Zwar werde der Markt noch für einige Zeit schwierig bleiben, aber dem werde sein Team mit Kosteneinsparungen und einem effizienteren Management begegnen, so Àlvarez.

Unter Europas Warenhausbetreibern behauptet das spanische Familienunternehmen weiterhin Platz eins, vor der britischen Gruppe Marks & Spencer (11,4 Milliarden Euro) und der französischen Kette Galeries Lafayette (5,5 Milliarden Euro). Weltweit steht El Corte Ingles auf Platz drei hinter den US-Warenhäusern Sears und Macy's.

Trotz der für Nordeuropäer etwas chaotisch anmutenden Organisation der Corte-Ingles-Warenhäuser, in denen keine Schilder den Konsumenten durch die Abteilungen leiten, die Rolltreppen an den unwahrscheinlichsten Orten versteckt sind und die Verkäufer oft etwas belästigt wirken, halten die Spanier noch immer große Stücke auf die traditionsreiche Kette. Sie wurde 1935 als kleine Schneiderei gegründet, hat über die letzten 16 Jahre Konkurrenten übernommen und mittlerweile ein Monopol auf der iberischen Halbinsel.

Unter den spanischen Einzelhändlern und in Bezug auf die Gewinne wurde El Corte Ingles letztes Jahr allerdings auf Platz drei hinter den international agierenden Giganten Inditex (Zara, Massimo Duti) und die überaus erfolgreiche Supermarktkette Mercadona aus Valencia verwiesen. Beide Unternehmen verzeichneten im Gegensatz zu der Warenhauskette stabile Gewinne, Inditex vor allem im Ausland, Mercadona trotz Krise in Spanien. Im Umsatz liegt El Corte Ingles in Spanien allerdings noch knapp vor Mercadona und deutlich vor Inditex. Auch mit den letztes Jahr getätigten Investitionen von rund einer Milliarde Euro übertrumpfte die Kaufhausgruppe die beiden Konkurrenten.

El Corte Ingles ist bisher nur in Spanien und Portugal aktiv. Die Spanier waren zwischendurch als potenzielle Akteure bei der Neuordnung des deutschen Warenhaussektors gehandelt worden, doch das Platzen der Immobilienblase und die nachfolgende Wirtschaftskrise in Spanien ließen solche Projekte in den Hintergrund treten.

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