Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.11.2016

15:34 Uhr

Einzelhandel

Karstadt Sport kauft sich fit fürs Internet

VonChristoph Kapalschinski

Karstadt Sport war online lange schlechter aufgestellt als die Konkurrenz. Jetzt kauft die Kaufhaus-Mutter Signa einen Online-Shop nach dem nächsten. Ziel ist, als Multichannel-Unternehmen zukunftssicher zu werden.

Fahrräder sind kein leichtes Produkt für Online-Händler. obs

Karstadt setzt auf Randsportarten

Fahrräder sind kein leichtes Produkt für Online-Händler.

HamburgDer österreichische Investor René Benko will offenbar aus Karstadt ein echtes Multichannel-Unternehmen machen. Am Dienstag verkündete seine Holding Signa Retail die Übernahme der Mehrheit am deutschen Online-Versender Internetstores. Das Esslinger Unternehmen betreibt in mehreren europäischen Ländern Online-Shops wie Fahrrad.de und Campz (Outdoor-Artikel).

Damit geht Benko ein bekanntes Problem an: Karstadt Sport war bislang online schlechter aufgestellt als Konkurrenten wie Sport-Scheck. Der Online-Shop ist überhaupt erst kürzlich gestartet – davor verwies die Seite auf die Schwester Karstadt.de. Dabei wird die Verknüpfung von online und offline immer wichtiger, zumal Sportarten mit großen Geräten in Innenstadtlagen nur beschränkt gezeigt werden können. Auch Randsportarten verkaufen sich besser über das Netz – wie etwa Adidas mit seinen Speciality-Sports-Angeboten im Netz etwa für Badminton und Gewichtheben zeigt. Artikel wie Gewichtheberschuhe sowie Badminton-Schuhe und -Shirts tauchen in den großen stationären Sportläden kaum auf.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

„Die Beteiligung an Internetstores ist für Signa Retail ein nächster Schritt hin zu einem Multichannel-Anbieter und zur Nummer eins im Sportartikeleinzelhandel in Deutschland“, teilte ein Signa-Sprecher mit. Das deutet darauf hin, dass der Online-Händler tief in das Unternehmen integriert werden könnte. Gemeinsames Marketing und Verkauf wären denkbar. Bereits ab diesen Monat holt sich Karstadt Sport an anderer Stelle Online-Kompetenz ins Haus: Der unabhängige Händler Sport-Tiedje bekommt Flächen in mehreren Häusern, um dort seine Fitness-Geräte zu verkaufen.

Signa Retail übernimmt dress-for-less: Karstadt-Eigentümer stärkt das Online-Geschäft

Signa Retail übernimmt dress-for-less

Karstadt-Eigentümer stärkt das Online-Geschäft

Das österreichische Unternehmen Signa Retail übernimmt das insolvente Internet-Mode-Outlet dress-for-less. Der Handelskonzern will künftig mit seinen Warenhäusern und im Internet bei Kunden punkten.

In den vergangenen Monaten hatte Signa bereits den Shopping-Club Dress-for-less und den Mode-Shop Outfitter gekauft. Mit den Zukäufen holt Signa auch Kompetenz ins Unternehmen. Bei Internetstores bleibt etwa der erfolgreiche Gründer René Köhler weiterhin als Beiratsvorsitzender an Bord. Er hatte das Unternehmen zu rund 140 Millionen Euro Umsatz geführt. Als ein Erfolgsrezept gilt eine funktionierende Logistik für sperrige Dinge wie Fahrräder. Der Stuttgarter Köhler gilt als profilierter eCommerce-Pionier. Er gründete bereits 2003 im Alter von erst 20 Jahren sein Unternehmen. Jetzt gibt er 87 Prozent an Signa; der Rest bleibt beim Management – wohl auch ein Schachzug, um die Experten zu halten.

Karstadt: Neues Warenhaus in Berlin geplant

Karstadt

Neues Warenhaus in Berlin geplant

Jahrelang wurden in Deutschland nur Warenhäuser geschlossen. Doch nun gibt es eine Überraschung: Karstadt will in Berlin ein neuen Standort aufmachen. Das würde auch zugleich ein weiteres Problem lösen.

Sport-Scheck hat als Teil der Otto-Gruppe den Vorteil, viel Online- und Logistik-Kompetenz im eigenen Haus zu haben. Doch das allein reicht nicht immer: Mit Problemen bei einer IT-Umstellung vergrätzten die Hamburger im vergangenen Jahr viele Online-Kunden. Das gibt Karstadt Sport die Chance aufzuholen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×