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09.01.2006

12:30 Uhr

Einzelhandel

Karstadt stoppt den Negativ-Trend

Karstadt-Quelle ist nach Angaben von Vorstandschef Thomas Middelhoff im Warenhausgeschäft die Trendwende gelungen. Erstmals seit zehn Jahren sei es im wichtigen vierten Quartal gelungen, den Umsatz zu steigern.

HB DÜSSELDORF. „Der Karstadt-Quelle-Konzern hat sein Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2005 erreicht“, gab Middelhoff am Montag bekannt. Er hatte angesichts der Veräußerung von Unternehmensteilen bereits einen Rückgang im „mittleren einstelligen Prozentbereich“ angekündigt. Aufwärts gehe es besonders im traditionsreichen Warenhausgeschäft, das im Schlussquartal 2005 mit dem Weihnachtsgeschäft erstmals seit zehn Jahren Zuwächse verbucht habe. Sein operatives Gewinnziel hat das Unternehmen offenbar erreicht. Karstadt-Quelle fühle sich mit der Prognose eines um Sonderfaktoren bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mehr als 350 Mill. Euro für 2005 „sehr wohl“, bekräftigte Middelhoff.

Vergleichszahlen legte das Management angesichts des Konzernumbaus im vergangenen Jahr nicht vor. 2004 hatte Karstadt-Quelle vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) allerdings einen Verlust von 1,63 Mrd. Euro geschrieben und daher eine massive Restrukturierung eingeleitet. Detaillierte Zahlen für 2005 will Karstadt-Quelle am 27. März vorlegen. Den Umsatz für den gesamten Konzern - jedoch erstmalig unter Einbeziehung des Reisekonzerns Thomas Cook - bezifferte Middelhoff auf Basis vorläufiger Zahlen bereits auf insgesamt 15,7 Mrd. Euro.

Analysten sagten, durch die Einbeziehung von Thomas Cook berge die veröffentlichte Umsatzzahl kaum neue Erkenntnisse. „Das ist wenig aussagefähig“, betonte Barbara Ambrus von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Karstadt-Quelle-Aktie, die aufgrund der Hoffnung von Anlegern auf rasche Sanierungserfolge zuletzt deutlich zugelegt hatte, notierten zu Wochenbeginn rund ein Prozent im Minus bei gut 15 Euro. „Die Zahlen waren wie erwartet und ohne Überraschungen“, sagte ein Händler.

Im vierten Quartal sei mit rund 4,9 Mrd. Euro ein Umsatz auf erwartetem Niveau erreicht worden, teilte der Konzern mit. Auch hier ist der mit der Lufthansa gemeinsam geführte Reisekonzern Thomas Cook einbezogen, den Middelhoff gerne voll übernehmen möchte. Der Umsatz der Waren- und Sporthäuser habe sich um 1,2 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro erhöht. Die neu positionierten Warenhäuser hätten damit ihre Feuertaufe bestanden, sagte Middelhoff. Karstadt weise in dem Bereich erstmals seit zehn Jahren Zuwächse im Quartal mit dem für den Einzelhandel immens wichtigen Weihnachtsgeschäft auf. „Damit ist es uns gelungen, die Negativ-Spirale der letzten Jahre zu stoppen und eine Trendumkehr zu erreichen“, sagte er.

Der seit Jahren kriselnde Versandhandel verzeichnete dagegen ein Minus von 5,3 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro. Grund dafür sei ein erneutes Minus im Universalversand, also bei den Marken Quelle und Neckermann. Im Handel mit Produkten für spezielle Zielgruppen, dem so genannten Spezialversand, stehe dagegen ein leichtes Umsatzplus in den Büchern. Analystin Ambrus sagte, die Entwicklung im vierten Quartal liege im Rahmen der Erwartungen. MM-Warburg-Analyst Thilo Kleibauer monierte, das Schlussquartal habe damit auch keine positiven Überraschungen geboten.

Bei der Reduzierung der Nettofinanzverbindlichkeiten komme der Konzern schneller voran als geplant, erklärte Middelhoff erneut. Diese sollten zum Jahresende bei 2,6 Mrd. Euro liegen. Ende 2004 lag die Verschuldung noch bei 3,9 Mrd. Euro. Im neuen Jahr will Middelhoff die verbliebenen Immobilien veräußern und den Konzern damit komplett schuldenfrei werden. Karstadt-Quelle hatte sich zur Sanierung im abgelaufenen Jahr unter anderem von 75 kleineren Warenhäusern, von Logistik-Immobilien, seiner Modekette SinnLeffers und dem Sportschuh-Filialisten Runners Point getrennt.

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