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06.01.2010

14:20 Uhr

Einzelhandel

Reformhauskette Vitalia kämpft ums Überleben

VonChristoph Schlautmann

Seit Jahresbeginn läuft bei der Reformhauskette Vitalia ein Insolvenzverfahren. Nachdem das Unternehmen ursprünglich durch den Finanzinvestor Harald Christ übernommen werden sollte, wird nun nach einem Käufer gesucht.

Der Finanzinvestor Harald Christ interessierte sich im letzten Jahr für Vitalia Quelle: dpa

Der Finanzinvestor Harald Christ interessierte sich im letzten Jahr für Vitalia

DÜSSELDORF. Deutschlands größte Reformhauskette Vitalia soll im kommenden Monat einen neuen Eigentümer finden. "Das Interesse ist groß, die Gespräche laufen durchweg positiv", sagte gestern Insolvenzverwalter Michael George.

Über das Unternehmen in Weyran bei München hat das Amtsgericht Wolfratshausen zum 1. Januar das Insolvenzverfahren eröffnet, wie gestern offiziell bekannt wurde. Betroffen sind 650 Mitarbeiter in 113 Filialen, von denen bereits 17 seit dem Insolvenzantrag Mitte Oktober schließen mussten.

Über die Insolvenzgründe hüllt sich der Verwalter in Schweigen. Hinter den Kulissen aber tobt ein Streit von Anschuldigungen und Gegenbeschuldigungen. So hatte im vergangenen Frühjahr das britische Kreditinstitut HSBC eine angeblich zugesagte Expansionsfinanzierung zurückgezogen, was den Finanzinvestor Harald Christ, 37, auf den Plan rief. Der ehemalige Generalbevollmächtigte der Weberbank und Mittelstandsbeauftragte im Wahlkampfteam von Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte Anfang Juni die Übernahme von Vitalia. Christ versprach, fünf Mio. Euro zu investieren, die Geschäftsführung zu übernehmen und die Filialzahl zu verdoppeln. Nach einem Streit mit Alteigentümer Bernd Büttner, 65, zog er sich überraschend zurück.

Christs Geschäftspartner Paul Vorsteher kaufte von Büttner 51 Prozent der Anteile, warf dem Firmengründer dann aber in einer Firmenmitteilung vor, "unrechtmäßige Entnahmen aus dem Firmeneigentum" vorgenommen zu haben. Obwohl Büttner dementierte, fordert der neue Mehrheitsgesellschafter von ihm nun sieben Mio. Euro. Noch im März 2008 hatte der Wirtschaftsprüfer den zurückliegenden Jahresabschluss mit der Bemerkung testiert, das Unternehmen werde "auch künftig seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen können". 2007 hatte Vitalia bei 45 Mio. Euro Umsatz 0,4 Mio. Euro Vorsteuergewinn erzielt. Den allerdings ließ sich Büttner, wie auch im Jahr zuvor, komplett ausschütten.

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