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12.12.2013

16:25 Uhr

Einzelhandel & E-Commerce

Amazon verliert seine Spitzenposition

VonMartin Dowideit

Zum ersten Mal seit Jahren ist Amazon nicht mehr der beliebteste Händler in Deutschland. Dem Online-Versender machen schlechte Schlagzeilen zu schaffen. Auf Platz eins in der Käufergunst steht jetzt ein Drogeriemarkt.

Kundenzufriedenheit

Imageverlust bei Amazon

Kundenzufriedenheit: Imageverlust bei Amazon

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DüsseldorfBeim Umsatz ist der Online-Händler Amazon in Deutschland einsamer Spitzenreiter im elektronischen Handel. Doch einer Studie der Beratungsfirma OC&C zufolge ist das Unternehmen nicht mehr der beliebteste Händler der Deutschen. Das ist das Ergebnis der Befragung von 30.000 Menschen, die Handelsblatt Online vorliegt. Stattdessen liegt jetzt die Drogeriemarktkette dm auf Rang eins.

Die Käufer sind unter anderem zu der wahrgenommen Produktauswahl, dem Preis, der Qualität und dem Vertrauen in die Marke befragt worden. Amazon liegt mit einem Gesamtwert von 82,5 von 100 möglichen Punkten 1,7 Zähler hinter dm. Das Amazon-Minus von 7,7 Punkten gegenüber dem Vorjahr ist deutlich und der zweitstärkste Rückgang aller 84 beurteilten Handelsunternehmen. „Kritische Stimmen zur Steuerpolitik und den Löhnen in Logistikzentren haben das Markenimage stark angekratzt“, urteilt Studienautor Christian Ziegfeld über Amazon.

Im wichtigen Weihnachtsgeschäft sieht sich der Versender in Deutschland derzeit immer wieder Streiks ausgesetzt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi pocht auf eine Bezahlung der Amazon-Beschäftigten, die dem Tarifvertrag in Einzel- und Versandhandel entspricht. Amazon will sich weiter am niedrigeren Lohnniveau der Logistikbranche orientieren. Das Unternehmen steht zudem unter Druck, weil es durch ein geschickt konstruiertes Unternehmensgeflecht Steuerzahlungen in Europa drastisch drückt.

Die beliebtesten deutschen Händler

Quelle

Die Beratungsfirma OC&C hat 30.000 Kunden in neun Ländern befragt. Die hier gezeigten Ergebnisse beziehen sich auf Deutschland. Die Kunden wurden unter anderem zu Preisen, Qualität, Service und Markenvertrauen befragt. Maximal waren 100 Punkte zu erreichen, ein Wert von mehr als 75 gilt als „sehr gut“.
Stand der Veröffentlichung: Dezember 2013.

Platz 10

bonprix
Mode
Indexwert: 77,9 (plus 1,9 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 9

Otto
Multisortimenter
Indexwert: 77,9 (minus 0,1 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 8

Globus
Lebensmittel
Indexwert: 78,1 (minus 2,3 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 7

Tchibo
Multisortimenter
Indexwert: 79 (minus 1,0 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 6

Rossmann
Drogerie
Indexwert: 79,6 (plus 0,8 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 5

Müller
Drogerie
Indexwert: 80,0 (plus 2,2 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 4

Thalia
Bücher
Indexwert: 81 (minus 1,4 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 3

Douglas
Drogerie
Indexwert: 81,1 (plus 2,7 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 2

Amazon
Multisortimenter
Indexwert: 82,5 (minus 7,7 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 1

dm
Drogerie
Indexwert: 84,2 (minus 1,3 Punkte gg. Vorjahr)

Die OC&C-Studie führt aber auch weitere Gründe für die abflauende Euphorie der Internet-Shopper an. „Immer mehr Anbieter bieten ähnliche attraktive Preise als Amazon“, heißt es etwa. Und die enorme Produktfülle erschlägt offensichtlich viele Käufer. Die Vorauswahl der für den Kunden passenden Sortimente werde zunehmend wieder ein Teil der Wertschöpfung des Händlers. Stationäre Händler hätten ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass die Kunden „nicht zwischen 17 Margarinesorten wählen möchten.“ Auch andere Online-Händler leiden unter diesem Phänomen wie etwa notebookbilliger.de.

Kommentare (27)

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hoschmo

12.12.2013, 16:58 Uhr

Der deutsche Bürger braucht noch mehr Typen wie den Wallraff.
Der Verbraucher ist leider nicht kritisch, denn er möchte alles umsonst bekommen.
Arbeitnehmer lassen sich einfach zu stark von den Gewerkschaften und schrägen Typen beeinflussen.
Sie werden noch händeringend nach Arbeitsplätzen suchen.

atinak

12.12.2013, 17:17 Uhr

Na super, dann werden viele Leute ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Idioten, die den Hetzkampagnen der Gewerkschaften glauben, denen es lediglich um ihren eigenen Machterhalt geht, weil ihnen die Mitglieder sehr zu recht weglaufen, werden sich noch umsehen. Das einzige, was sie erreichen, sind Preissteigerungen, Fortsetzung der Automatisierung und Arbeitsplatzabbau. Ich habe immer gern bei Amazon gekauft und werde das auch weiter tun, denn bisher habe ich nur wenige Unternehmen erlebt, die so fair und transparent mit ihren Kunden umgehen. Die Ware kommt fix, bei Beanstandungen wird blitzschnell reagiert und neue Ware geschickt, die Abbuchungen sind stets korrekt, und bei Fragen erhält man schnell eine Antwort. Und die unsägliche Gänsestopfleberpastete wurde auf Proteste hin auch aus dem Programm genommen. Hoffentlich lässt sich Amazon nicht abschrecken.

tokchii

12.12.2013, 17:28 Uhr

Zitat aus einem Rapsong, gerichtet an Mr. Bezoes:
"satisfied with being 2nd best?"
Dieser Imageschaden wäre sicherlich nicht entstanden, hätten Sie mich seinerzeit eingestellt. Nun wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg auf dem absteigenden Ast, denn auch die Situation in den USA dürfte nach dem Supreme Court Urteil vom Tage der Pressemitteilung über die realtätsferne Drohnenlieferung eher problematisch werden. Aber sicher halten die dortigen Steuerhinterzieher weiter fest zu Ihnen, denn die Demonstration der Arroganz Amazons gegenüber allgemein geltenden Gesetzen war beispiellos. Leider echt asozial, Amazon!

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